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Sat.1: Die Grenze – Eine Verfassungsschutz-Seifenoper

Ist Katja Riemann womöglich die bessere Angela Merkel? Zumindest spielt die ehemalige, allerdings eher schmalbrüstige Diva-Darstellerin der Neunziger nun in Roland Suso Richters Sat.1-Zweiteiler „Die Grenze“, der am Montag und Dienstag um jeweils 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, die Bundeskanzlerin. Schaut dabei aus eben wie die Merkel und weiß, soweit das in dieser zutiefst undankbaren Rolle überhaupt möglich ist, zu gefallen. Doch das ist nicht das einzig Bemerkenswerte an diesem insgesamt immerhin dreistündigen Werk, für das seit Wochen bundesweit penetrant in und auf allen Medien geworben wird. Und gegen das bereits im Vorfeld Landespolitiker des Tatorts Mecklenburg-Vorpommern protestiert haben, weil der Film den Nordosten Deutschlands angeblich in ein schlechtes Licht rücken würde.

Noch zwei ganz andere Dinge fallen nämlich ins Auge. Zum einen rettet meines Wissens zum ersten Mal ausgerechnet ein Werbetexter (Benno Fürmann) die Welt beziehungsweise die Bundesrepublik (ist ja fast das gleiche!) und zum anderen wird bei dem zugegeben recht turbulenten Geschehen (war bestimmt nicht billig!) so aufdringlich das hohe Lied der geheimdienstlichen Tätigkeit angestimmt, dass „Die Grenze“ sehr schnell zur Verfassungsschutz-Seifenoper verkommt. Das heißt: es ist schon fast erschreckend, wie unkritisch das Vorgehen dieses Dienstes, das hier übrigens alles andere als legal ist, gezeigt wird. Und der eigentliche Held, der am Schluss sogar in ein heldenhaft strahlendes Licht getaucht wird, ist zudem eine Agentin der staatlichen Schlapphüte, Linda Jehnert (Anja Kling). Ein komischer Vorgang, den man selbst in amerikanischen Produktionen so unkritisch nur noch recht selten sieht, dort sind Agenten des Staates ja oft eher zweifelhafte oder gebrochene Figuren und ihre Vorhaben haben meist etwas Zwiespältiges an sich. So ist selbst Jack Bauer, der gerade mit der achten Staffel der TV-Serie „24“ die Sky-Zuschauer unterhält, doch im Grunde ein ziemlich kaputter Typ – trotz seiner fulminanten Schlagkraft. Und selbst Foltern darf er jetzt offenbar auch nicht mehr, weil man das im Fernsehen einfach nicht macht.

Verzeihung! „24“ ist wirklich ein anderes Thema. Wir sind ja in unserem Fall in Mecklenburg-Vorpommern, in Meck-Pomm also. Und eigentlich wäre diese Koseform Grund genug, um die Meck-Pomms oder Meck-Pommerianer auf die Straße zu treiben. Doch Ursache für das televisionär angerichtete Durcheinander liefert kein dusseliges Wortspiel, sondern – gähn! – Al Khaida, deren Kämpfer nahezu zeitgleich weltweit sieben Ölraffinerien in die Luft und so die Welt tief in die Wirtschaftskrise jagen. Und in Deutschland trifft es ökonomisch eben vor allem Meck-Pomm, wo – wir schreiben übrigens das Jahr 2010 – in Kürze Landtagswahlen stattfinden.

Bevor wir hier den erzählten Quark völlig breit treten, der zum Schluss sogar zur staatlichen Abspaltung des Bundeslandes führt, fassen wir uns jetzt lieber ganz kurz: Das wirtschaftliche Chaos in Mecklenburg-Vorpommern wird also von linken wie rechten Kräften ausgenutzt. Es kommt schließlich zu einer Art Mini-Bürgerkrieg. Und Kanzlerin Katja Riemann hat die geniale Idee, lieber die Linke heimlich zu unterstützen, weil die Rechten um den New-Age-Faschisten Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann) wesentlich unberechenbarer sind. Diesen klammheimlichen wie heimtückischen Job macht dann höchst clever der Verfassungsschutz mit anfangs noch erpresster Hilfe des schon erwähnten Werbetexters, der sich natürlich dabei in eine hübsche Maid (Marie Bäumer) von der Küste verliebt. Dann gibt es noch jede Menge Chaos und teutonisches Weltverschwörergedöns. Und sogar eine Art nachgespielter Matrosenaufstand in nostalgischen Revoluzzer- und Fascho-Kostümen. Und am Schluss siegt natürlich das oder der Gute, also der Staat.

(Nicht redigierte Fassung des gleichen Textes im Online-Magazin Telepolis)


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  1. März 14, 2010 um 1:42 nachmittags | #1

    Ha! Ein Werbetexter rettet die Welt! Ich wusste es, mein Beruf hat Zukunft… als Weltenretter. Toll. Na, dann werd’ ich mal wieder die Welt… Schreiben gehen. Bis zum Finale.

  2. Toldi
    März 14, 2010 um 4:28 nachmittags | #2

    Sat.1 Die Menschen im Land voll lullern und ablenken.

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