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Netzgeflüster: Platzende Quarktaschen

Jetzt habe ich es endlich schriftlich: Ich bin ein moderner innovativer Mensch. Das stand ausgerechnet in meiner betulichen und immer dünner werdenden (schafft die sich selber ab?) Familienzeitung „Hannoversche Allgemeine“, die nach der Kommunalwahl die jeweiligen Wählergruppen hat analysieren lassen. Und demnach bin ich als Wähler der Piratenpartei eben innovativ. Warum, stand da nicht. Und warum ich ausgerechnet die Partei gewählt habe, die es noch nicht einmal geschafft, in meinem Quartier Wahlplakate aufzuhängen, das stand da übrigens auch nicht. Ist auch gut so. Dennoch war ich richtig erschrocken am Tag nach der Wahl zu lesen, dass die Piraten auch weibliche Kandidaten und Leute über 60 aufgestellt haben. Da könnte ich ja tatsächlich noch Bürgermeister-Kandidat werden.

Gleichwohl bin ich nicht innovativ genug, um im Netz jeden Blödsinn, jeden Hype mitzumachen. Den letzten, den ich mir dort gegönnt habe, war vor Jahren Twitter, aber dieses anfangs noch lustige Quassel-Netzwerk ist inzwischen ja so im Mainstream angekommen, dass man dort vorwiegend PR- und Marketing-Leute, Psychotrainer, Justin-Bieber-Fans und andere überflüssige soziale Randgruppen antrifft. Leider.

Und der neuste hypende (um nicht hupende zu sagen) Blödsinn heißt ausgerechnet Amen. Dabei handelt es sich um so ein Social-Media-Teil, bei dem man anderen Usern (müsste ja eigentlich Gläubige heißen) mitteilt, was man für das Beste oder das Schlechteste hält, also z.B. Herri ist das beste Bier, wo gibt. Der neue Conan-Film ist gruselig mies. Und der Therapeut um die Ecke ist einfach genial. Und wer ähnlicher Meinung ist, klickt dann nicht auf einen „Gefällt-mir“-, sondern eben auf einen „Amen“-Button. So entstehen dann irgendwann angeblich aussagekräftige Listen des vermeintlich guten Geschmacks. Und so weiter. Amen.

Dass ausgerechnet ein amerikanischer Jungschauspieler, der dieses Video  verbrochen hat, zu den Finanziers gehört, sagt ja bereits alles. Und die, die da bereits aktiv mitmischen, sind bestimmt wieder die üblichen Verdächtigen, die zuletzt die Männermagazin-Beilage „Wired“ vollgeschrieben haben, um sie anschließend dann in ihren Blogs zu rezensieren. Tolle Arbeitsteilung. Und apropos Sascha Lobo, der ist inzwischen wirklich überall, sogar in einer Jury, die in Göttingen Sachbücher auszeichnet. Wahrscheinlich gibt es in Wirklichkeit den Lobo in zwei- oder dreifacher Ausführung. Oder gar im Dutzend billiger.

Dennoch gibt es natürlich auch noch witzige Dinge im Netz beispielsweise den Hans-Sarpei-Kult oder www.makemebabies.com – und so würde ein Baby ausschauen, bei dem ich Vater und Lady Gaga Mutter wäre:

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Kategorien:Uncategorized Schlagworte:
  1. September 16, 2011 um 1:13 nachmittags | #1

    In Kinder bauen bist du ja echt klasse.

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