TV-Kritik: Der Mann, der alles kann
Eine Tatort-Phobie, die gab es wohl noch nie im Deutschen Fernsehen. Unter ihr leidet, verbunden mit Panik-Attacken, Robert Hellkamp (Peter Heinrich Brix). Früher war er ein echter „Bulle“, nun hat man ihn wegen seiner psychischen Beschwerden versetzt zur Akten-Pflege im hannoverschen LKA (das im Film offenbar auf dem Expo-Gelände zuhause ist). Und am liebsten würde ihn sein knallharter Chef (Ralph Herforth), der nie ohne „Eisen“ (sprich: Pistole) vor die Tür geht, in den vorzeitigen Ruhestand versetzten. Doch, wie sich in dieser leichten Krimi-Komödie zeigen wird, Robert ist „Der Mann, der alles kann“.
Aber um das zu beweisen, braucht Robert, der sich am liebsten daheim verkriecht, Ray Charles hört und einen antiken Volvo fährt, einen gewaltigen Anstoß. Und den holt er sich bei einem Friseur-Besuch samt Kopf-Massage. Dort lernt er die schon etwas angereifte Friseurin Rita (Anica Dobra) kennen, eine leidenschaftliche Hobby-Autorin. Und mit ihr wird er über einige komplizierte Umwege in einen Mordfall verwickelt. Da Rita irrtümlich glaubt, Robert sei Chef der Mordkommission, was ihm wiederum sehr schmeichelt, fängt er tatsächlich an, sich so zu benehmen und zu ermitteln. Und überwindet sogar seine Tatort-Phobie. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen den beiden eine wunderschöne Romanze, bloß der Plan gemeinsam Essen zu gehen, der will einfach nicht gelingen. Ein lustiger Running Gag!
Dass die Liebe auch im Alter noch wahre Wunder vollbringen kann, ist die nette Botschaft dieses Films. Inszeniert hat ihn nach einem Drehbuch von Norbert Eberlein Annette Ernst, die von Anfang an die komödiantischen Töne betont. Zwar ist der Film keine Offenbarung, dafür fehlt ihm schon allein jegliche Tiefe, aber er liefert immerhin angenehme Unterhaltung und wäre sogar serientauglich. Außerdem besitzt er mit Brix einen wunderbaren Hauptdarsteller. Und Hannoveraner dürfen sich freuen: So schön und so idyllisch (die Altstadt!) in Szene gesetzt wurde ihre Stadt schon lange nicht mehr in einem Fernsehfilm.
ARD, 26.01.2012, 20:15 Uhr
ARD, 03.02.2012, 10:30 Uhr