Startseite > Uncategorized > Kritik: Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

Kritik: Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

Auch ein Pretty Woman wird älter. Noch vor wenigen Jahren hätte die heute 44-jährige Julia Roberts die hübsche Prinzessin gespielt, nun ist sie jedoch in dieser Schneewittchen-Verfilmung bereits reif für die fiese Königin. Eine Rolle, die der Hollywood-Star jedoch mit sichtbarer Freude ausfüllt. Und die ihr genügend Raum lässt, den nicht nur in ihrer Branche herrschenden Jugendwahn lustig durch den Kakao zu ziehen. So wird in einer der komischsten Szenen des Films vorgeführt, was eine alternde Königin in dieser Märchenwelt anstellen muss, um jung und hübsch auszuschauen. Da wird sie beispielsweise nicht nur in ein ekliges Schlammbad getunkt, sondern ihre Lippen werden mittels eines Bienenstichs aufgepumpt, während ihre Hände von kleinen Fischen faltenlos geschleckt werden. Und den Rest besorgen Würmer und Maden, die direkt aus dem RTL-Dschungelcamp zu stammen scheinen.

Doch die meisten Kummerfalten bereiten ihr ihre Stieftochter Schneewittchen, die von Lily, der 21-jährige Tochter von Phil Collins, gespielt wird. Sie ist tatsächlich bildhübsch, ähnelt ein wenig dem Schneewittchen aus dem Disney-Zeichentrickfilm und darf sogar am Schluss, ihr Name ihr halt verpflichtend, ein süßes Pop-Lied anstimmen. Doch bevor es zum fröhlich-märchenhaften Happy End kommt, erzählt der indischstämmige Regisseur Tarsem Singh erst einmal die gute alte Geschichte der Gebrüder Grimm. Eines der wohl bekanntesten Märchen der Welt, das in einer weiteren Variante unter dem Titel „Snow White and the Huntsman“ schon Ende Mai erneut ins Kino kommen wird mit Kristen Stewart als Schneewittchen und Charlize Theron als böse Königin.

Auch in Singhs Film „Spieglein Spieglein“ verstößt die Königin ihre Stieftochter, weil sie auf ihre Schönheit eifersüchtig ist. Doch in allerhöchster Not trifft die junge Frau im finsteren Wald hinter den sieben Bergen auf die sieben Zwerge. Lustige Gesellen, die sich liebevoll um sie kümmern und mit denen sie zusammen am Ende ihre Stiefmutter vom Thron stoßen wird, um dann einen natürlich auch bildhübschen Prinzen (Armie Hammer) zu heiraten.

Die eigentliche Geschichte hat Regisseur Singh, der neben zahlreichen Werbefilmen bisher nur mit „The Cell”, „The Fall” und „Krieg der Götter” drei Kinoproduktionen gedreht hat, also kaum verändert. Er hat ihr allerdings das Düstere und Bedrohliche eines typischen Grimm-Märchens genommen, sie zusätzlich mit netten Comedy-Gags und satirischen Einfällen aufgepeppt, so dass auch Erwachsene ihren Spaß haben werden. So ist der Märchenprinz hier ein rechter Depp, der sich bei einem Maskenball treffsicher als Esel kostümiert. Die Zwerge sind eine Art Gang, die auf federnden Stelzen im dunklen Wald Reisende überfallen. Und der leidgeprüfte Kammerdiener der Königin, den Komiker Nathan Lane amüsant verkörpert, wird zwischendurch sogar in eine Küchenschabe verwandelt.

All das und noch vielmehr spielt in einer Kulisse und in Kostümen (von Eiko Ishioka, die 1992 den Kostüm-Oscar für „Bram Stoker’s Dracula” gewann), die richtig phantastisch und zuweilen surreal ausschauen. So entdeckt der Zuschauer immer wieder auf der Kinoleinwand Dinge, über die er staunen und sich erfreuen kann. Beispielsweise eine tatsächlich märchenhafte Winterlandschaft oder Szenen am Hof, die in ihrer üppigen Pracht an das alte Versailles erinnern. Und so entsteht tatsächlich ein bezaubernder Bilderrausch, der den Zuschauer bis zum süßen Schluss bestens unterhält.

About these ads
  1. April 14, 2012 um 4:20 nachmittags

    Dein Artikel gefällt mir richtig gut. Ich bin gespannt wie ich den Film finde wenn ich ihn erstmal gesehen habe ;)

  2. Dezember 23, 2012 um 11:43 vormittags

    Wirklich gute Kritik :) ich persönlich empfand den Film als einen schönen Bilderrausch mit neuen Elementen was das Märchen betrifft.

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 76 Followern an

%d Bloggern gefällt das: