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TV-Kritik: Aufschneider

Zwei Wiener Pathologen unterhalten sich: „Mein Vater ist zu Besuch.“ „Wo? In Wien?“ „Nein, im Kühlhaus.“ – Wer solchen Humor mag, der sitzt beim „Aufschneider“ auf Arte tatsächlich in der allerersten Reihe. Im Mittelpunkt des Films steht der leitende Pathologe Dr. Fuhrmann, den Josef Hader kongenial verkörpert. Und wer den österreichischen Autor, Schauspieler und Kabarettisten von seinen früheren Arbeiten (unter anderem: „Indien“, „Ein halbes Leben“, „Der Knochenmann“) kennt, weiß sofort, was ihn erwartet: echter Wiener Schmäh, tiefster Weltschmerz und ganz gemeine Scherze.

All das bietet auch dieser von David Schalko inszenierte dreistündige Zweiteiler, den der Regisseur zusammen mit Hader schrieb und den Arte nun an einem Abend ausstrahlt. Da in seiner Heimat Österreich bei der Erstausstrahlung 2010 mehr als 30 Prozent der TV-Zuschauer zugeschaut haben, ist eine Fortsetzung bereits angedacht. Und anfangs sind sogar eine sechsteilige Serie sowie ein Kinofilm geplant gewesen. Schade, dass daraus nichts geworden ist.

Das Reich unseres Dr. Fuhrmanns liegt im neonbeleuchteten Untergeschoss eines kleinen Wiener Krankenhauses, wo der kettenrauchende Arzt meist die genauen Todesursachen der gerade verstorbenen Patienten untersucht. Und dabei vor seinem Mikroskop schon einmal ins Schwärmen gerät: „Krebs ist wunderschön, wie ein psychodelisches Gemälde aus den Sechziger Jahren“. Im Beruf ist der stets übelgelaunte, schroffe und zynische Fuhrmann durchaus erfolgreich, privat jedoch ein absoluter Totalversager.

Seine Frau (Ursula Strauss) hat ihn vor zwei Jahren bereits verlassen, auch das Verhältnis zu seiner Tochter (Tanja Raunig) ist alles andere als bestens. Dass seine Kollegin Wehninger (Pia Hierzegger) längst mehr als eine Auge auf ihn geworfen hat, dies will Fuhrmann anfangs nicht wahr haben. Und kann er wohl auch selber nicht verstehen. Zudem ist diese Wehninger wie auch die anderen Mitarbeiter der Pathologie eine ziemlich skurrile Figur, ja psychisch sogar arg angeknackst. Und ihre Leidenschaft für Morbides sorgt im Verlauf des Films dann für einige lustig-dramatische Turbulenzen. Die größten Probleme bereitet Fuhrmann jedoch der Chefarzt und Chirurg Böck (Oliver Baier), einem aus seiner Sicht arroganten und unfähigen Fatzke, dem er verzweifelt versucht, einen Kunstfehler nachzuweisen. Als Böck dann auch noch eine Affäre mit seiner ehemaligen Frau beginnt, bricht für Fuhrmann die Welt endgültig zusammen.

Das alles ist im Grunde menschlich ziemlich tragisch und Fuhrmann eine zutiefst tragische Figur, aber wie dies hier mit schwärzestem Humor aufbereitet wird, das ist für den Zuschauer unglaublich komisch. Neben diesen eher privaten Dingen werden auch fast klassische Krankenhausgeschichten erzählt, aber stets aus der endgültigen Sicht von ganz unten, von der Pathologie aus. Und es gibt zudem eine kleine eingestreute Krimi-Handlung um den illegalen Handel mit Augen-Hornhäuten Verstorbener, bei der die einzig Hochdeutsch-Sprechende im Film, eine Bestatterin (Meret Becker), die zentrale Rolle spielt. Der überwiegende Teil dieser äußerst sehenswerten Komödie ist jedoch in (gemäßigter) Wiener Mundart gedreht, was auch einen weiteren Reiz des Films ausmacht, allerdings ihn nicht nur für norddeutsche Ohren eher schwer verständlich macht. Daher hat Arte ihn teilweise mit deutschen Untertiteln versehen und daher sollte man ihn auch nördlich der Donau auf keinen Fall verpassen.

Arte, 18.05.2012, 20:15 Uhr 
Arte, 01.06.2012, 01:00 Uhr


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