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Kritik: Our Idiot Brother
Wer so freundlich, ehrlich und kindlich-naiv ist wie Ned (Paul Rudd), der ist in unserer bösen Welt leider ein Außenseiter. Rein äußerlich ist der Enddreißiger ein Bilderbuch-Hippie mit Zottelbart und langen Haaren. Er arbeitet als Bio-Bauer auf Long Island und lebt genügsam mit seiner Freundin und seinem geliebten Hund „Willie Nelson“ zusammen. Und dass ihn irgendjemand mal reinlegen könnte, kann Ned sich überhaupt nicht vorstellen. So verkauft er tatsächlich einem uniformierten Polizisten auf einem Bio-Markt ein kleines Päckchen Marihuana, weil der ihn eben so freundlich danach gefragt hat. Und dass derselbe Polizist ihn deswegen kurz darauf wegen Drogenhandels verhaftet, nimmt er nur lächelnd zur Kenntnis.
Als Ned nach ein paar Monaten aus der Haft entlassen wird, lebt seine Freundin bereits mit einem anderen Mann zusammen. Notgedrungen kommt er erst einmal bei seiner Mutter (Shirley Knight) unter und als bei einem Familientreffen seine drei Schwestern ihm ihre Hilfe anbieten, nimmt er die gern an und fährt zu ihnen nach New York. Zuerst besucht er Liz (Emily Mortimer), eine frustrierte Hausfrau mit zwei Kindern. Danach die Journalistin Miranda (Elizabeth Banks), bei der es im Job heftig kriselt. Und schließlich Natalie (Zooey Deschanel), die mit einer Frau zusammenlebt, aber gerade eine Affäre mit einem Mann hat. Alle drei Schwestern haben also selbst Probleme genug und durch Neds Anwesenheit geraten sie erst recht in richtig heftige Lebenskrisen. Obwohl er es eigentlich nur gut mit ihnen meint.
Wie dieser Ned das Leben seiner Schwestern durcheinanderbringt, wird mit erstaunlich viel Situationskomik erzählt. Dabei werden die Figuren jedoch nie vom Regisseur Jesse Peretz der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern bleiben bis zum Schluss sympathisch. Doch eindeutiger Star des Films ist Paul Rudd, der bisher auf Rollen als gutaussehender Frauenschwarm in romantischen Komödien abonniert gewesen ist und den viele wohl auch aus der TV-Serie „Friends“ kennen. Hier spielt er so erfolgreich gegen dieses glatte Schönlings-Image an, dass man seinen herzensguten Antitypen Ned einfach mögen muss. Eine tolle Leistung!