Anderst schön

Juni 12, 2015 2 Kommentare

Ausgerechnet ein Hausmeister steht im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen ARD-Märchens. Das klingt vielleicht ein wenig absurd, auch der Schauplatz, eine heruntergekommene Schweriner Plattenbausiedlung, ist nicht gerade märchenhaft, dennoch funktioniert „Anderst schön“ auf wundersam wunderschöne Weise. Und das Kunststück verdanken wir dem 1979 in Polen geborenen Regisseur Bartosz Werner, dessen viel beachteter Coming-of-Age-Film „Unkraut im Paradies“ 2010 in unseren Kinos lief. Auch in dieser Tragikomödie wird jetzt wieder – nach einem Drehbuch von Wolfgang Stauch – vom schwierigen Erwachsenwerden erzählt, bloß ist der Protagonist, eben der Hausmeister Roger (Charly Hübner), schon fast 40 Jahre alt, der aber dennoch zusammen mit seiner ständig alkoholisierten Mutter (Renate Krößner) in einer kleinen Wohnung lebt. Schließlich braucht sie ihren Sohn, allein schon wegen des Auffüllens des für sie lebensnotwendigen Schnapsvorrats und um abends sturzbetrunken ins Bett getragen zu werden.
Brauchen tun ihn auch die Leute in seinem Plattenbau, eine sympathische Sammlung von aus der Zeit gefallenen Losern, die alle angenehm skurril gezeichnet sind. Da ist beispielsweise eine verblühte Schlager-Diva, die immer noch von besseren Tagen träumt. Ein ehemaliger Stasi-Schnüffler, der sich nun im lächerlichen Indianer-Kostüm gegen Abrisspläne in der Siedlung wehrt. Ein alter Witzbold und früherer Geigenbauer, der bös unter Parkinson leidet. Oder der türkische Koch, ein Vegetarier, der gern mal gerissen Roger übers Ohr haut. Und dessen Sohn heimlich Hakenkreuze an die Wand schmiert, weil er eben zur Jugendclique des Viertels gehören möchte. Und um all diese Leute kümmert sich aufopferungsvoll Roger, weil er sie alle irgendwie von Herzen mag. Und weil er in seinem tapsig massigen Körper ein liebes Kind geblieben ist.
Doch auch Roger hat einen großen Traum. Schon lange sehnt er sich nach Liebe, bloß weiß er überhaupt nicht, wie man sich Frauen nähert, sie kennen lernt und mit ihnen dann umgeht. Und da hilft ihm schließlich der Zufall auf die Sprünge. Eines Tages zieht nämlich in seinen Plattenbau eine auch nicht mehr ganz junge Frau (Christina Große) samt ihrer 15-jährigen Tochter Jill (Emilie Neumeister). Beide stammen aus Berlin, versuchen ausgerechnet im ziemlich tristen Schwerin nach schmerzhafter Scheidung einen Neubeginn. Und als unser Roger die Frau sieht, ist es sofort um ihn geschehen: Liebe auf den ersten Blick.
Danach erzählt der Film die uralte Geschichte von zwei Menschen, die füreinander geschaffen sind, dies aber beide erst noch erkennen müssen. Und auf den Weg dorthin müssen sie große Hindernisse überwinden. Dabei hat Roger zum Glück eine Wegbegleiterin: Den Teenager Jill, der früh erahnt, was für ein liebenswerter Mensch dieser Hausmeister ist. Und der ihm sogar hilft, in einer sündhaft teuren Kontaktbörse eine Anzeige aufzugeben. Was übrigens für ihn in einer finanziellen Katastrophe endet. Aber auch diese düstere Randepisode, bei der Roger fast den Glauben an das Gute im Menschen verliert, nimmt schließlich eine wundersame Wendung.
All das wird ungewöhnlich leicht erzählt mit wirklich tollen Darstellern. Und wirkt trotz der märchenhaften und bisweilen sogar poetischen Grundstimmung stets ungewöhnlich realistisch. Selbst die ostalgisch sentimentalen Töne, die der Film auch anschlägt, stören überhaupt nicht, weil man die Leute aus dieser Plattenbausiedlung einfach mögen muss. Allen voran natürlich unseren Roger, den Charly Hübner preisverdächtig verkörpert. Er ist eben nicht nur ein sehr guter Fernsehkommissar („Polizeiruf 110“), sondern auch ein hervorragender Komödiant. Dessen Figur man dann das schöne, aber keineswegs kitschige Happyend natürlich vom Herzen gönnt.
ARD, 12.06.2015, 20:15 Uhr

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Sonneborn rettet die EU (VII)

Juni 2, 2015 1 Kommentar

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Auch das noch!

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ISI-Tinder

Mai 20, 2015 1 Kommentar

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Mein Herz tanzt

Ein kleines Filmjuwel kommt jetzt in unsere Kinos: „Mein Herz tanzt“ liefert beste Unterhaltung, ist bisweilen herzergreifend anrührend, manchmal auf witzige Weise politisch-unkorrekt und vermittelt dabei einen ungewöhnlich leichten und unverkrampften, aber stets interessanten Einblick in den israelisch-palästinensischen Konflikt. Möglich gemacht hat dieses Kunststück der israelische Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut“) und als Vorlage hat ihm Sayed Kashuas halb-biografischer Roman „Dancing Arabs“ aus dem Jahre 2002 gedient.
Im Mittelpunkt des Films steht eine Coming-of-Age-Geschichte. In den späten Achtziger Jahren wächst der hochbegabte Palästinenser Eyad (Tawfeek Barhom) in einer arabischen Kleinstadt mitten in Israel auf. Fast in einem dörflichen Idyll, das vom Regisseur dann auch entsprechend amüsant geschildert wird. Als erster Palästinenser hat er schließlich die Chance ein israelisches Elite-Internat zu besuchen. Nach oft unfreiwillig komischen Anfangsschwierigkeiten ist er dort scheinbar schnell integriert und verliebt sich sogar in eine jüdische Mitschülerin: Die hübsche Naomi (Danielle Kitzis), die seine Gefühle erwidert. Beide müssen jedoch ihre Beziehung geheim halten, auch gegenüber ihren Eltern, da eine Liebe zwischen einer Jüdin und einem Palästinenser immer noch einem Tabubruch gleichkommt. Und natürlich geht das auf die Dauer nicht gut.
Dabei gerät Eyad mitten hinein in den schwierigen Konflikt zweier sich feindlich begegnenden Welten, der arabischen und der palästinensischen, kämpft verzweifelt um Akzeptanz und Zuneigung, die er neben Naomi nur bei einem schwerbehinderten jüdischen Klassenkameraden (Michael Moshonov) und dessen Mutter findet. Und entscheidet sich schließlich für einen listigen Ausweg aus seinem Dilemma. Eine Entscheidung, die zwar einen stark resignativen Beigeschmack hat, aber dadurch leider wohl realistisch ist.

Mein Herz tanzt, Regie: Eran Riklis, 104 Minuten, FSK: 6

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Große Fische, kleine Fische

Die mecklenburgischen Fischköppe Paul (Uwe Ochsenknecht) und Fiete (Dietmar Bär) muss man einfach lieben. Während Paul gern ein wenig großmäulig daherkommt, hat sein alter Freund Fiete sein Leben lang wohl kaum mehr als einen zusammenhängenden Satz gesprochen. Wenn überhaupt. Dennoch verstehen die zwei Zausel sich bestens, teilen sich sogar als urkomische Easy-Rider ein betagtes Moped, trinken abends in der Kneipe ihr Feierabendbier und arbeiten tagsüber als letzte Fischer ihres Dorfes auf ihrem schwer in die Jahre gekommenen Kutter. Dabei strahlen die Zwei soviel Gelassenheit aus, dass man diesen Küsten-Buddhas einfach gern beim Schweigen zuschaut. Und man auf Anhieb den schönen Satz versteht: „Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich nach Mecklenburg ziehen, dann hätte ich noch 25 Jahre Zeit.“
Nur einer stört sich an Paul und Fiete: Ihr Bürgermeister, der seine Gemeinde in einen modernen Badeort umwandeln will – mit schickem Hafen, zahlenden Touristen und was sonst noch dazugehört. Und in einer solch modernen Welt, meint der schmierige Stinkstiefel, würden eben die zwei anachronistischen Fischer mit ihrem alten stinkenden Kutter einfach nur stören. Doch gegen diese beiden Sturköpfe hat so ein dösbaddeliger Modernisierer eigentlich nicht den Hauch einer Chance. Eigentlich! Denn durch einen richtig blöden Zufall droht die Freundschaft der beiden plötzlich zu zerbrechen.
Kurz nach dem Tod seiner geliebten Frau muss Paul zum Amtsarzt in die nächste größere Stadt, um dort einen für Schiffsführer vorgeschriebenen Gesundheitstest abzulegen. Ihn absolviert er dann auch leicht angetrunken erfolgreich, nur bei dem dabei von ihm aus reinem Übermut abgelegten Zeugungsfähigkeitstest fällt er durch – und das hat Folgen: Sein einziger Sohn Piet kann demnach biologisch gesehen also gar nicht von ihm stammen. Und als sich dann auch noch herausstellt, dass ausgerechnet Fiete der Vater des Jungen ist, ist der sprichwörtliche Ofen aus zwischen den beiden alten Freunden.
Es beginnt ein Krieg ohne Worte, geführt nur mit Gesten, kleinen Sticheleien und gemeinen Nickligkeiten. Szenen, die der Regisseur und Drehbuchautor Jochen Alexander Freydank mit Gespür für Situationskomik und Slapstick witzig inszeniert hat. Szenen, die aber gleichzeitig auch oft ungewöhnlich traurig sind. Und aufgeführt werden sie vor einer staunenden Dorfgemeinschaft aus originellen Figuren, die das Geschehen gern wissend kommentieren. Darunter ist die wunderbare Katharina Thalbach, eine in ihren hohen Gummistiefeln zwar längst verblühte Dorfschönheit, die aber trotz ihres Alters immer noch von der großen Liebe träumt. Ganz zu recht, wie sich schließlich erweisen soll.
Aber auch ansonsten ist diese sehenswerte Komödie selbst in Nebenrollen erstaunlich gut besetzt, beispielsweise mit Jürgen Tarrach, der den schmierigen Bürgermeister spielt. Und erstaunlicherweise stört es kaum, dass die Hauptdarsteller im wahren Leben alles andere sind als norddeutsche Fischköppe. Vor allem dem gebürtigen Dortmunder Dietmar Bär kauft man den Fiete sofort ab, und dass sein Filmsohn Axel Stein solch eine erstaunliche Ähnlichkeit mit ihm hat, ist sogar ein Glücksfall für diesen Film. Doch besonders lebt die auf Rügen und bei Stralsund gedrehte Komödie von ihren schönen stimmigen Bildern und ihrer melancholischen Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Einziges Manko ist die letzte Viertelstunde, bei der es dem Regisseur nicht gelingt, die Geschichte rund zu Ende zu erzählen

ZDF, 21.05.2015, 20:15 Uhr

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Spannend

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