Startseite > Uncategorized > Filmkritik: Lügen macht erfinderisch

Filmkritik: Lügen macht erfinderisch

Nichts ist langweiliger als eine Welt ohne Lügen. Das zeigt jedenfalls eindringlich die Komödie „Lügen macht erfinderisch“, die zwar rein äußerlich in einer Welt wie der unseren spielt, in der allerdings das Lügen noch nicht erfunden ist. Jeder sagt dort auch zu den wirklich unpassendsten Gelegenheiten die Wahrheit. Selbst fiktives Erzählen gibt es nicht, im Kino beispielsweise laufen daher fast ausnahmsweise sterbenslangweilige Geschichtsdokumentationen. Altersheime sind keine Seniorenresidenzen, sondern „traurige Orte für hoffnungslose alte Menschen“. Und sogar die Werbung sagt die Wahrheit. So ist Coca Cola „braunes Zuckerwasser“ und Pepsi lediglich ein billiger Ersatz für Coke.

Gut die Hälfte des Films lernen wir Zuschauer erst einmal diese ungewöhnliche und erstaunlich skurrile Welt kennen, und diese Einführung ist tatsächlich äußerst amüsant, allein schon wegen der zahlreichen liebevoll präsentierten Details. Und wir lernen Mark Bellison kennen, ein kleiner rundlicher Typ, der als Drehbuchautor arbeitet und in seiner Firma als Schreiber für das 14. Jahrhundert zuständig ist, jedoch wegen seiner Erfolglosigkeit kurz vor der Entlassung steht. Auch privat läuft bei ihm vieles schief. So lässt ihm bei einem Date seine Angebetete, Anna (Jennifer Garner), warten, weil sie, frustriert wie sie ist, vorher noch schnell zu Ende masturbieren möchte. Ja, man ist nun einmal ehrlich, auf Teufel komm raus.

Auch Geldsorgen hat Mark. Und als er mal wieder seine Miete nicht bezahlen kann, hat er plötzlich auf seiner Bank einen folgenschweren Gedankenblitz, mit dem er sich dort spontan Geld erschwindelt. Was, wie sich herausstellt, äußerst einfach ist, weil jeder nun einmal davon ausgeht, dass die anderen grundsätzlich die Wahrheit sagen. Mit diesem Trick ergaunert sich Mark nun auch in einem Spielcasino eine Menge Bares, hat als Lügner plötzlich beruflich großen Erfolg und wird sogar zum Religionsstifter, weil er seiner sterbenden Mutter auf dem Totenbett von einem phantastischen Leben nach dem Tod erzählt. Eine Geschichte, auf die die Menschen offenbar nur gewartet haben. Nur in der Liebe helfen ihm seine Lügen nicht weiter, da Anna einen genetisch perfekteren Typen wie Mark als Mann haben möchte.

Diese Figur des Losers, der plötzlich Erfolg hat, wird von dem englischen Comedystar Ricky Gervais gespielt, der hier auch zum ersten Mal in einer US-Produktion Kinoregie führt. Bekannt wurde der heute 49-Jährige durch die BBC-Serie „The Office“, dem Vorbild von unserem „Stromberg“. Fast genauso erfolgreich ist Gervais zweites großes Comedy-Projekt „Extras“, das mit internationalen Stars wie Ben Stiller, David Bowie oder Patrick Stewart auch für den amerikanischen Markt realisiert wurde. Auch als Autor machte er sich einen Namen, und bereits 2003 wurde er von der britischen Zeitung „The Observer“ zu einen der besten Komödianten Großbritanniens gewählt.

Dennoch kann sein neuer Kinofilm, weitere sind bereits in Vorbereitung, nicht völlig überzeugen – trotz prominenter Gastauftritte wie die von Tina Fey, Philip Seymour Hoffman und Edward Norton. Nach der amüsanten ersten Hälfte fehlen nämlich einfach zündende Ideen, es gibt stattdessen störende logische Fehler oder Ungereimtheiten. Und dass der Film am Ende sogar wie eine romantische Komödie daherkommt, ist alles andere als gelungen. Dennoch ist „Lügen macht erfinderisch“ ein durchweg netter, weil sympathischer Film. Und das ist wirklich keine Lüge.

  1. Du hast noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: