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Kritik: Go West – Freiheit um jeden Preis

Ein echtes TV-Event ohne dunkles Mittelalter, verruchte Wanderhure und finstere Verschwörung geht das derzeit überhaupt? Nun, Pro7 versucht es mit „Go West“, einem Fluchtdrama in zwei Teilen, das 1984 in der DDR seinen Anfang nimmt und dann quer durch den damaligen Ostblock führt. Und erstaunlicherweise wird dabei auf sentimentale Ostalgie verzichtet, aber auch auf jegliche zeithistorische Aufklärung. Erzählt wird vielmehr eine aufregende Abenteuergeschichte, in deren Mittelpunkt Action steht, ein bisschen Sex und vor allem drei junge Akteure, die zum Besten zählen, was der deutsche Film und das Fernsehen als Nachwuchs besitzt: Frederick Lau (21 Jahre, „Die Welle“), Sergej Moya (22, „Mein Vater“) und Franz Dinda (27, „Mogadischu“), die später dann noch durch den ehemaligen Soap-Star Inez Björg David („Verbotene Liebe“) gut und hübsch ergänzt werden.

Tatort ist eine Stadt in Brandenburg im Frühsommer 84. Gerade hat der 18-jährige Abiturient und Laien-Schauspieler Frank Korbach (Moya) erfahren, dass er an der Ost-Berliner Schauspielschule Ernst Busch vorsprechen darf. Ein großer Traum könnte für den jungen Mann so wahr werden. Da trifft er auf seinen alten Freund Thomas (Dinda), der nicht zum Wehrdienst erschienen, also fahnenflüchtig ist, und inzwischen schon vom Militär und der Stasi gesucht wird. Zusammen mit seinem ziemlich naiven Kumpel Alex (Lau) will er noch in der gleichen Nacht in den Westen fliehen, ein Plan, den die drei Freunde schon lange hegen. Dennoch möchte Frank wegen der erhofften Schauspielerkarriere lieber in der DDR bleiben, ist aber bereit, Thomas und Alex mit dem Auto seines Vaters in die Nähe der Grenze zu fahren. Doch dort wartet bereits die Stasi, die die drei von nun an verbissen jagt. Und einer der „Jäger“ ist ausgerechnet Franks Vater, ein hoher Stasi-Offizier, der glaubt seinem Sohn so noch irgendwie helfen zu können.

Die drei Jungs schlagen sich bis Gera durch, dort lebt der geheimnisvolle Fluchthelfer Max Steiner (Jan-Gregor Kremp), genannt „das Wiesel“, zusammen mit seiner Tochter Marie (David). Er ist schließlich bereit, ihnen zu helfen. Und gemeinsam machen sie sich nun auf den Weg über Prag und Budapest bis nach Belgrad, wo sie hoffen, dass ihnen die Botschaft der Bundesrepublik weiterhelfen kann. – Erzählt wird diese Geschichte in einem erstaunlich hohen Tempo mit allem was dazugehört, also mit aufregenden Zwischenfällen, mit bösen Überraschungen, explosiven Schießereien und halsbrecherischen Action-Einlagen. Szenen, die nie billig wirken oder nur vordergründig eingesetzt werden. Sondern für eine TV-Produktion mehr als solide inszeniert sind. Natürlich gibt es auch richtig Böse und Gute, also die Stasi und die sympathischen abenteuerhungrigen Jungs. Und es gibt sogar einen echten Verräter. – Was will man denn mehr?

Kleine Fehler in der Logik, Ungereimtheiten im Ablauf der Geschichte verzeiht man dem nie langatmig wirkenden und immerhin drei Stunden langen Film gern, so aufregend ist das Geschehen. Und obwohl die Action im Vordergrund steht, gelingt es dem Regisseur Andreas Linke die drei jungen Helden und ihre Probleme glaubhaft zu zeichnen, besonders Frank und sein schwieriges Verhältnis zu seinem Stasi-Vater werden dabei recht ausführlich dargestellt.

Kurzum: mit „Go West – Freiheit um jeden Preis“ präsentiert Pro7 einen frühen Höhepunkt in dem noch jungen Fernsehjahr. Ob aber auch das Mittelalter verliebte Publikum mitspielen, also einschalten wird, das bleibt abzuwarten.

Pro7, Donnerstag und Freitag, jeweils 20.15 Uhr

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  1. toldi
    Januar 4, 2011 um 9:05 pm

    Der Film wird aufgezeichnet.
    So etwas kann man nur ohne Werbung genießen.

  2. Franky
    Januar 9, 2011 um 11:13 pm

    Ich muss und möchte gerne anmerken, dass es Filmen dieses Genres mit wunderbaren , jungen Schauspielern im deutschen Fernsehen leider fehlt.

    Man darf die Macher gerne animieren, auf diesem realistischen wie hohen Niveau weiterzumachen, spannend und fesselnd!

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