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Fernsehkritik: Nord Nord Mord

Da uns Zuschauern in den letzten Wochen im Fernsehen vorwiegend schwere, sprich: sozialkritische Krimikost serviert wurde, war es wohl Zeit für ein wenig Abwechslung, für einen Film also ohne zuviel Ballaststoffe und damit mal ohne Hartz IV, Kinderarmut und anderen unangenehmen Dingen. Und leichte, aber zum Glück nicht zu seichte Unterhaltung bietet das ZDF am morgigen Gründonnerstag mit Josh Broeckers „Nord Nord Mord“. Dass es in diesem Krimi vor allem heiter zugeht, dafür garantiert schon der Drehbuchautor und Adolf-Grimme-Preisträger Lars Albaum, der sich mit seinen Arbeiten unter anderem für „Stromberg“ und „Dr. Psycho“ einen Namen gemacht hat. Und dem auch hier ein paar witzige Dialoge sowie ein wirklich netter Running Gag eingefallen sind.

Die Hauptrolle jedoch spielt Robert Atzorn, einer der beliebtesten deutschen TV-Schauspieler, der zuletzt sechs Jahre in Hamburg als ARD-„Tatort“-Kommissar ermittelt hat. Und den es nun nach Sylt verschlagen hat. Auch hier gibt der 66-Jährige mit Theo Clüver einen Kommissar. Einen zwar knorrigen, aber grundsympathischen und abgeklärten Typen, der auf der Insel scheinbar jeden kennt und der jeden Morgen beginnt mit einer Nassrasur, den Rolling Stones und einen frischen Wind von der Nordsee. Auch seine Ermittlungsmethode ist ganz speziell: „Wenn’s mal wieder soweit ist, da geh‘ ich raus auf die Straße, klöne mit den Menschen – und irgendwann da klön‘ ich auch mit dem Mörder“. Und selbst den gewöhnungsbedürftigen indisch-esoterischen Trip seiner Frau Anna (Ulrike Grothe) nimmt er gelassen und leicht amüsiert hin.

Unterstützt wird Kommissar Clüver von seiner jungen Assistentin Ina Behrens (Julia Brendler), einer norddeutsch-spröden Frau, die auch schon lange auf der Insel lebt und sich um ihren dementen Vater kümmern muss. Und es gibt einen Frischling in diesem kleinen, aber gut eingespielten Team: Kriminalassistent Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk, bekannt als Ulf aus „Stromberg“), der vorher in Hamburg gearbeitet hat, von der Ostsee stammt, deren besonderen Charme im Unterschied zur Nordsee er ständig betont. Und der eine ungewöhnliche und daher unfreiwillig komische Art zu flirten hat.

Und natürlich gibt es einen Mord: In den Dünen wird das Skelett einer Frau gefunden, die vor 20 Jahren verschwunden und damals offenbar ermordet worden ist. Schnell verdächtig sind die Mitglieder der dreiköpfigen Rockgruppe „Die Inselpiraten“ (Hannes Hellmann, Martin Brambach, Ingo Naujoks), die gerade ihr Comeback planen. Doch dann geschieht ein weiterer Mord, ein Ritualmord an dem Schlagzeuger der Gruppe. Und auch Kommissar Clüver gerät schließlich in Gefahr.

Doch trotz des mörderischen Geschehens ist der Krimi selbst nie so richtig spannend. Dafür wird der Fall zu betulich und vorhersehbar erzählt. Auch am nötigen Tempo fehlt es dem Film. Dennoch ist die Geschichte dank des sympathischen Ermittlerduos nett. Und auch der Humor kommt ja nicht so kurz. Kurzum: „Nord Nord Mord“ ist ein Wohlfühlfilm, ja, ein Knuddelkrimi, der keinem weh tut, aber immerhin für ganz angenehme Fernsehunterhaltung sorgt. Auf weitere Fälle mit Kommissar Clüver – eine Fortsetzung ist offenbar geplant – kann man daher durchaus gespannt sein.

ZDF, 21.04., 20.15 Uhr

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