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Recht hat er

Juli 29, 2011 3 Kommentare
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Der erste Satz

Auf den ersten Satz kommt es an. Im Journalismus, aber vor allem in der Literatur. Denn ein guter erster Satz sorgt für Spannung und Neugierde, er gibt die Atmosphäre vor und zieht den Leser in den Text hinein. Doch gute erste Sätze sind rar, ja, ein Kunststück, das der englische Baron und Autor Edward George Bulwer-Lytton beherrscht hat. Seine Erzählung „Paul Clifford“ aus dem Jahre 1830 begann er meisterlich mit den berühmten Worten: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht“. („It was a dark and stormy night“.)

Seit nun mehr schon 29 Jahren ist der Baron daher auch Namensgeber des amerikanischen Bulwer-Lytton Fiction Contest, bei dem jedoch literarische Grausamkeiten ausgezeichnet werden, beispielsweise völlig missratene Romananfänge. Allerdings Romananfänge meist ohne Roman, denn es geht dabei nur um den ersten Satz. Eine hübsche spleenige Idee, über deren Sinn man zwar streiten kann, die aber vor allem Literatur- und Sprachfreunde viel Spaß bereitet.

Sieger wurde in diesem Jahr eine leibhaftige Professorin, Sue Fondrie aus Oshkosh im US-Bundesstaat Wisconsin, mit dem Satz „Spatzenhafte Gedanken, die von einem turbinenähnlichen Bewusstsein in blutige Fetzen gerissen und auf den wachsenden Haufen vergessener Erinnerungen geworfen werden.“ (Übersetzung: tagesschau.de). Ein  Satz, der beweist, dass es auch schlechte kurze erste Sätze gibt. Und er ist sogar der kürzeste Gewinnersatz in der Geschichte des Wettbewerbs.

Von ganz anderem Kaliber ist der Zweitplatzierte, der von Rodney Reed aus Ooltewah stammt: „Als ich inmitten der geplünderten Ruine stand, die einst mein Zuhause war, das Nachspiel aller Gräuel und Grausamkeiten begutachtend, die an meiner Familie verübt wurden und an allem, was mir teuer war, da schwor ich mir dass, wo auch immer ich hingehen müsse, was auch immer ich tun oder ertragen müsse, ich würde den Mann finden, der dies getan hat…. und wenn ich ihn fände, wenn ich ihn fände, oh, es würde Klartext gesprochen.“ – Gut, dass uns das zumindest erspart geblieben ist.

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Juli 28, 2011 1 Kommentar
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TV-Kritik: Der Mauerschütze

Juli 28, 2011 1 Kommentar

Arte, 29.07.2011, 20.15 Uhr, ARD, 03.08.2011, 20.15 Uhr

Ein rarer Fernsehmoment: Dass eine erst scheue, dann aber doch leidenschaftliche Liebesszene den Zuschauer nämlich so berührt, ja schockiert, ist mehr als selten im deutschen Fernsehen. Und am liebsten würde man gar nicht erst hinschauen oder sogar umschalten. Aber dann ist man doch als Zuschauer seltsam fasziniert. Und das liegt keinesfalls an der erotischen Offenheit dieser Szene, sondern an den handelnden Personen, dem hannoverschen Krebsarzt Stefan und der Ostsee-Fischerin Silke, die von Benno Fürmann und Annika Kuhl so glaubhaft emotional verkörpert werden, dass man aus ganz unterschiedlichen Gründen mit den beiden mitleidet.

Schuld hat die Vorgeschichte der zwei, die zugegeben zuweilen etwas konstruiert wirkt: Der Ost-Berliner Stefan hat in den achtziger Jahren als Grenzsoldat der DDR gedient, weil ihm dies das gewünschte Medizinstudium ermöglichen sollte. Im Frühjahr 1988 kommt es jedoch zu einem blutigen Zwischenfall, bei dem Stefan auf zwei flüchtende DDR-Bürger schießt. Oder schießen muss? Während die junge schwangere Silke verletzt überlebt, stirbt ihr Ehemann noch im Grenzstreifen. Stefan bekommt als Dank des Vaterlandes für seinen vermeintlich mutigen Einsatz ein paar Tage frei, Silke dagegen landet im Gefängnis, wo sie einige Wochen später eine Tochter zur Welt bringt.

Nach diesen atmosphärisch äußerst düsteren Anfangssequenzen macht der Film einen Zeitsprung von 17 Jahren. Stefan ist inzwischen Arzt an einer hannoverschen Klinik. Und kümmert sich liebevoll um einen jungen todkranken, aber erstaunlich abenteuerlustigen Krebspatienten. Als dieser eines Tages Stefan provozierend fragt, was er denn tun würde, wenn er nicht mehr lange zu leben hätte, brechen bei ihm alte Schuldgefühle auf. Und er beschließt an die Ostsee zu fahren, wo, wie er längst herausgefunden hat, die Frau des von ihm erschossenen Flüchtlings mit ihrer Tochter lebt. Und dort eine Pension betreibt, wo Stefan sich einmietet. Doch alle zögerlichen Versuche, Silke seine Tat zu gestehen, scheitern. Stattdessen verlieben sich die zwei schließlich ineinander. Und erst danach gelingt es ihm ihr seine Schuld einzugestehen, in einer hochdramatischen Szene, die mit dem sofortigen Bruch dieser jungen Beziehung endet. Doch viel mehr wollen wir an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.

Glaubt man den Berichten und Zeitdokumenten, dann ist dieser Stefan eine Ausnahme. Ein Todesschütze, der seine Tat nicht verleugnet oder rechtfertigt, sondern unter ihr leidet. Und dass solche Täter trotz der Schwere ihres Handelns und vor allem trotz eines Geständnisses durchaus eine lebenswerte Zukunft haben könnten, beweist dieser Film exemplarisch. Aber wie die jüngste Geschichte zeigt, bekannten sich nur die wenigsten der Todesschützen zu ihrer Schuld, viele dagegen rechtfertigten ihre Tat mit der herrschenden Befehls- und Rechtslage der damaligen DDR. Und wenn es zu einem Prozess kam, waren die Urteile meist sehr milde. Im Durchschnitt wurden Strafen verhängt zwischen sechs und 24 Monaten auf Bewährung. Und insgesamt kam es bis 2004 zu 112 Verfahren gegen 246 Personen, etwa die Hälfte dieser sogenannten Mauerschützenprozesse endete mit Freisprüchen. (siehe: Wikipedia)

Dass dieses Thema auf fiktionale Weise in einem Film behandelt wird, ist auch eine Ausnahme und ein Verdienst von „Der Mauerschütze“, den der 1959 in Leipzig geborene Regisseur Jan Ruzicka recht aufwendig und stets einfühlsam inszeniert hat. Und selbst die übertriebenen melodramatischen Momente stören nur wenig. All das ergibt einen spannenden Fernsehabend, der zudem den Schlusssatz des Films eindringlich widerlegt: „Wem,“ sagt Silke, „interessieren noch die alten Geschichten?“ Dann verlässt sie ihr Ostseedorf und zieht ruhelos mit ihrer Tochter weiter. – Begleitet wird der Film bei Arte vom Doku-Drama „Geheimsache Mauer“ (21.40 Uhr) und dem 2010 für einen Oscar nominierten Dokumentarfilm „Mauerhasen“ (23.15).

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Netzgeflüster: C wie christliche Comiker

Juli 27, 2011 2 Kommentare

C wie Helmut Cohl, wie Canzlercandidat oder wie Alternativclos – Dieser Unsinn lässt sich beinahe unendlich fortsetzen. Und angestoßen hat das Ganze die CDU in Mecklenburg-Vorpommern, die dort für sich mit dem sinnigen Slogan „C wie Zukunft“ wirbt. Eine wahrlich tolle Werbeidee, die ein niedersächsischer Schüler aufgegriffen hat, der nun auf der Netzseite c-wie.de um weitere Lösungsvorschläge für „C wie …“ bittet. Mit Riesenerfolg, bis Mittwochmittag gab es schon mehr als 24.000 Beiträge.

Weiter geht’s im HAZ-Netzgeflüster

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So macht man das

Juli 27, 2011 5 Kommentare
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