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TV-Kritik: Hand in Hand

Eines zumindest macht das herbstliche Wetter möglich, das uns seit Wochen den Sommer vermiest: ein Film wie „Hand in Hand“ passt plötzlich doch in diesen kühlen August. Bei hochsommerlicher Hitze wäre diese melancholische, leicht morbide Fernsehproduktion nämlich nur schwer zu ertragen. Dennoch fragt man sich natürlich, warum das mit Corinna Harfouch prominent besetzte Melodram mehr als zwei Jahre auf seine Ausstrahlung warten musste. Und warum die Verantwortlichen dann auch noch ausgerechnet einen August-Termin gewählt haben.

Aber die Wege der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind eben nicht nur verschlungen, sondern zuweilen auch voller Rätsel. Und das Warten hat sich in diesem Fall ja gelohnt – besonders dank der beiden Hauptdarstellerinnen, Harfouch und Margarita Breitkreiz, einem noch recht neuen Gesicht im deutschen Fernsehen. Die Russlanddeutsche und etablierte Berliner Theaterschauspielerin ist in diesem Fernsehfilm als Mathilda eine richtige Edelzicke. Und internationale Stargeigerin, der wegen ihrer kranken Hand das Karriere-Ende droht. Und die sich bei ihrem Gastspiel in Dresden an die berühmte Gefäßchirurgin Heike (Harfouch) um Hilfe wendet. Sie ist ihre letzte Hoffnung, denn das Risiko bei einer Operation ist sehr hoch, für Patient und Arzt, dem beim Scheitern des Eingriffs ein schwerwiegender Renommeeverlust droht

© ZDF / Volker Roloff

Doch die Krankenhausärztin Heike hat eigentlich ganz andere, ganz existentiellere Sorgen. Ihr Kollege hat bei ihr nämlich einen bösartigen Gehirntumor festgestellt, der offenbar nicht mehr operabel ist. Viel Zeit bleibt ihr nicht mehr, ein Fakt, mit dem sie sich offenbar mild sarkastisch arrangiert hat. Obwohl auch privat bei ihr nicht alles bestens steht und ihre langjährige Ehe alles andere als befriedigend läuft. Und nun trifft die bisweilen leicht zynische Heike auf die zickige Geigerin Mathilda, beide verstehen sich auf Anhieb überraschend gut, Heike operiert Mathildas Hand, doch deren Musikerkarriere ist danach dennoch vorbei. Größere Konzerte kann sie nämlich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geben.

Dann geht alles vielleicht doch ein bisschen zu schnell in diesem Film: Mathilda wird jedenfalls nach der Operation von ihrem Mann verlassen, ähnliches droht auch Heike. Und die beiden Frauen beschließen gemeinsam einen ungewöhnlichen Neuanfang, in Mathildas alter Heimat Lettland, wohin sie nun aufbrechen, wohl wissend dass es Heikes letzte Reise ist, und die trägt trotz aller Trauer durchaus melancholisch schöne Züge. Auch wegen der märchenhaft abgefilmten Landschaft (Kamera: Gunnar Fuß).

Nicht alles an diesem Film wirkt zwar logisch, manches ist sogar arg sprunghaft und vieles wird ausschließlich intuitiv erzählt. Was es dem Zuschauer nicht unbedingt immer leicht macht. Dennoch lohnen sich die 90 Minuten. Allein schon wegen der insgesamt guten Ensembleleistung, dazu zählen noch unter anderem Christine Schorn, Rolf Hoppe und Jürgen Heinrich. Aber besonders erstaunlich ist, mit welcher Selbstverständlich hier vom Sterben, von der Vergänglichkeit einfühlsam, aber nie kitschig erzählt wird. Eine exzellente Leistung von Regisseur Thomas Berger („Kommissarin Lucas“) und seinem Drehbuchautor Justus Pfaue, die diesen typischen Herbstfilm auch im August sehenswert macht.

Mo. 15.08 – ZDF: 20.15 Uhr

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