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Kritik: The Help

Geschichtsstunden im Kino können unterhaltsam, anrührend und spannend zugleich sein. Das beweist nun Tate Taylors Film „The Help“ nach dem gleichnamigen Roman von Kathryn Stockett, der bei uns in diesem Jahr unter dem Titel „Gute Geister“ erschienen ist. Buch und Film sind in den USA ein großer Überraschungserfolg gewesen, obwohl ein hässliches Thema in der amerikanischen Geschichte behandelt wird. Es geht um die strikte Rassentrennung, die noch in den frühen Sechzigern des vorigen Jahrhunderts dort vor allem im Süden des Landes praktiziert worden ist. Und unter der natürlich auch die schwarzen weiblichen Hausangestellten, um die es im Film geht, gelitten haben. Eine Apartheid, die aus heutiger Sicht absurdeste Folgen gehabt hat, beispielsweise ist schwarzen Angestellten die Benutzung von Toiletten ihrer weißen Herrschaft vom Gesetz untersagt gewesen.

Schauplatz ist Jackson, Mississippi. Dort kehrt nach Beendigung ihres Studiums die junge weiße Eugenia „Skeeter“ Phelan (richtig süß: Emma Stone) zurück. Sie träumt von einer Karriere als Autorin im fernen New York und beginnt, um Berufserfahrungen zu sammeln, einen Job als Journalistin bei der Zeitung ihres Heimatortes. Dort ist sie anfangs zuständig als Kolumnistin für die Haushaltstipps. Weil sie davon als Sprössling einer reichen Südstaaten-Familie keine Ahnung hat, bittet sie die schwarze Hausangestellte ihrer Freundin Hilly Holbrook (wunderbar biestig: Bryce Dallas Howard), die Afroamerikanerin Aibileen (Viola Davis), um Hilfe.

Durch die Gespräche mit Aibileen beginnt Skeeter sich immer mehr für das für Leute ihrer Schicht unbekannte Leben der schwarzen Hausangestellten zu interessieren. Ein Thema, das sie dann auch einem New-Yorker-Verlag als Stoff für ein Buch anbietet. Und das plötzlich durch die entstehende Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King auch im Norden der USA aktuell und brisant wird. Aibileen dagegen ist anfangs eher zögerlich und ängstlich, ja durch das Interesse an ihr ziemlich irritiert, bis sie schließlich zunehmend bereit ist, über ihr Leben zu sprechen. Dabei erfährt der Zuschauer, dass die schwarzen „Hausmädchen“ nicht nur für Putzen, Kochen und so weiter zuständig gewesen sind, sondern dass sie sich auch als Ersatzmutter um die Kinder ihrer weißen Herrschaften gekümmert haben. So hat Aibileen in ihrem Angestellten-Leben beispielsweise 17 fremde Kinder groß gezogen. Kleine Wesen, die sie geliebt, die dann als Erwachsene sich jedoch den von Weißen dominierten rassistischen Spielregeln ungebrochen angepasst haben.

Die regelmäßigen Gespräche zwischen Skeeter und Aibileen verändern beide. So entwickelt sich die unterwürfige stille Hausangestellte zunehmend zu einer selbstbewussten Frau, die dann auch noch von ihrer Freundin Minny (Octavia Spencer) und später noch anderen Leidensgenossinnen unterstützt wird. Und Skeeter wird durch die Erfahrungsberichte ihrer Gesprächspartnerinnen zunehmend zu einer Kritikerin der Rassentrennung und stößt selbst in ihrem Freundeskreis bald auf Widerstand. Konflikte sind also programmiert.

Das alles klingt vielleicht ein bisschen trocken, ist aber im Film packend und überaus lebendig erzählt. Dabei gibt es herrliche Szene, die den Snobismus und die Verklemmtheit der Damen der weißen Gesellschaft auf durchaus komische Weise beschreiben. Dagegen wirken die weiblichen Hausangestellten selbst bei aller Unterwürfigkeit wesentlich lebendiger und ihre Geschichten stecken oft voll herrlicher Komik. Selbst tragische Begebenheiten kommen nie weinerlich daher, sondern besitzen stets eine Spur sich entwickelnden Rebellentums.

Noch ein großes Plus dieses auch für deutsche Zuschauer empfehlenswerten Films sind die Schauspielerinnen. Die erst 23-jährige Emma Stone, die demnächst in „The Amazing Spider-Man“ zu sehen sein wird, beweist, dass sie auch ernste Rollen spielen kann. Und die beiden Afroamerikanerinnen Viola Davis und Octavia Spencer werden wegen ihrer großartigen darstellerischen Leistung schon jetzt als heiße Oscar-Anwärterinnen gehandelt. Und das ganz zu Recht.

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