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TV-Kritik: Alleingang

Die Geschichte, die uns Drehbuchautor und Regisseur Hartmut Schoen mit „Alleingang“ auftischt, ist zwar unglaublich, ja, über weite Strecken sogar recht abstrus, dennoch sorgt der Film 90 Minuten lang für spannende Unterhaltung. Im Mittelpunkt steht der zu lebenslang verurteilte Mattock, genannt der King (Armin Rohde), der mit größter Brutalität aus der Haft entflieht. Auf der Flucht kapert er schließlich eine Diesellok mit angehängtem Wagen und beginnt – verfolgt von Medien und Polizei – eine Irrfahrt durch Deutschland. Getrieben wird dieser skrupellose Gangster allein von Hass und Rache. Rache an den beiden Kripo-Beamten, die ihn vor Jahren festgenommen haben.

Sein Gegenspieler ist der Kommissar Josef Zuckmaier (Alexander Held, der endlich mal in einer Hauptrolle zu sehen ist), der den selbsternannten King damals überführt hat. Er ist das genaue Gegenteil von ihm: Ein ruhiger, fast sanfter Typ, der an seinem Job und an der Trennung von seiner Frau (Maria Schrader) leidet, gar deswegen bei einer Psychotherapeutin in Behandlung ist. Und nun in das Geschehen regelrecht hineingerissen wird. Dennoch ist er sofort bereit sich dem King auszuliefern, der ihn dann auch als Geisel nimmt. Genau wie Zuckmaiers ehemaligen Partner (Matthias Koeberlin), der mit dessen Frau inzwischen liiert ist. Was der seinem Kollegen nie verziehen hat.

All das ist Anlass genug für reichlich psychischen Sprengstoff an Bord des gekaperten Zuges. Und die Situation verschlimmert sich noch, weil der King nicht nur immer verrücktere Forderungen stellt, sondern anfängt mit sadistischer Freude mit den Beziehungsproblemen der beiden Polizisten zu spielen, ja, sie gleichsam genüsslich zu vernehmen. Dabei kommt viel Verdrängtes ans Tageslicht, und die zwei Polizisten beginnen schließlich nach Jahren des Schweigens wieder miteinander zu reden. Aus der Flucht wird so für die Beteiligten eine Reise ins Ich. Was dann auch für den Zuschauer spannend zu verfolgen ist.

Doch die Flucht selber zieht sich, was zunehmend Spuren bei dem King hinterlässt. Er wirkt müde, ist nicht mehr so aufmerksam und langsam bekommt der ruhige und erstaunlich gelassene Zuckmaier die Oberhand. Und immer mehr wird aus der anfänglichen Dreierbeziehung ein Psychoduell zwischen zwei Männern, die sogar anfangen sich zu verstehen. Doch es gibt kein Happy End, der Schluss beendet grausam, aber durchaus realistisch die Geschichte.

Inszeniert ist der Film als Kammerspiel, bei dem die eigentliche und ziemlich bizarre Krimihandlung zum Glück immer mehr in den Hintergrund tritt. Und das Spiel vor allem von den unterschiedlichen Charakteren sowie ihrer Entwicklung unter beinahe unmenschlichen Bedingungen lebt. Dabei entwickelt der Zuschauer sogar langsam Sympathien mit dem brutalen Gangster, versteht ein wenig seine Motive und seine kindlichen Verrücktheiten. Und diese Annäherung an das Böse vollzieht sich auch bei Zuckmaier, der anfängt den brutalen Gangster als Mensch zu akzeptieren.

All das ist von Rohde und Held so grandios gespielt, dass man sich dieses kriminalistische Psychodrama nicht entgehen lassen sollte. Kurz: absolut sehenswert!

ARD, 25.01.2012, 20:15 Uhr 
ARD, 26.01.2012, 10:30 Uhr / Eins Festival, 28.01.2012, 20:15 Uhr
Eins Festival, 29.01.2012, 12:15 Uhr / Eins Festival, 01.02.2012, 18:30 Uhr

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