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Kritik: Drive

Männer und ihre Autos – das ist ein schier endloses Thema im Kino Hollywoods. Man denke nur an den Klassiker, Steve McQueen und seinen grünen Ford Mustang in „Bullit“, oder an die zahlreichen sportlichen Limousinen des James Bonds. Und das neuste Beispiel liefert nun in „Drive“ Ryan Gosling mit seinem 1973er Chevrolet Chevelle. Beide bilden gleichsam eine Einheit, strotzen vor Kraft und sind gemeinsam unschlagbar, besonders wenn sie durch das nächtliche Los Angeles kreuzen oder sich mit Polizeifahrzeugen ein wildes Katz- und Mausspiel liefern. Gleich zu Anfang des Films erlebt der Zuschauer dann auch eine der besten Verfolgungsjagden der letzten Jahre, die fast ohne die sonst üblichen Explosionen auskommt, beinahe handgemacht wirkt und die ihre Spannung tatsächlich aus der Ruhe heraus entwickelt.

Konsequenterweise bleibt die Rolle, die der neue Shootingstar Gosling hier spielt, den ganzen Film über namenlos. Er ist einfach der „Fahrer“. Und wenn man ihn nach seinem Beruf fragt, antwortet er wortkarg cool und knapp: „Ich fahre.“ Sein Geld verdient er nämlich als Auto-Stuntman beim Film, zusätzlich arbeitet er in einer Autowerkstatt und hilft Gangstern gelegentlich bei ihren Überfällen als Fahrer des Fluchtwagens. Und bei all diesen Jobs wirkt er stets beeindruckend emotionslos. Ja, er ist ein Typ, der kaum einmal eine Miene verzieht, dessen Gesichtsausdruck dennoch oft mehr verrät, als alle Worte es könnten. Eine tolle Leistung des 31-jährigen Gosling, der derzeit auch in „The Ides of March – Tage des Verrats“ im Kino zu erleben ist und der seinen Durchbruch als Schauspieler 2006 mit dem Independentfilm „Half Nelson“ erlebte.

Aber dann zeigt unser Fahrer plötzlich doch ungewöhnlich viel Gefühl. Und Schuld hat natürlich eine Frau. Zufällig lernt er seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn kennen und entwickelt zu den beiden spontan Zuneigung. Eine emotionale Spontaneität, durch die er seine Routine, seine klare Linie zu verlieren droht. Aber die Liebe zu einer Frau macht im Hollywood-Kino aus den härtesten Typen eben gern hilflos gefühlig handelnde Figuren. Als Irenes Mann aus dem Knast entlassen wird und kurz darauf von einem Gangster (Albert Brooks) wegen seiner Schulden gezwungen wird, für ihn einen Überfall auf einen Pfandleiher zu machen, hilft ihn unser Fahrer sofort völlig selbstlos. Doch die Sache läuft schief. Es fließt Blut, es gibt Tote. Und es folgt ein wahrlich feuriges Actionfinale.

Inszeniert hat diesen Film nach dem gleichnamigen Roman von James Sallis der Däne Nicolas Winding Refn („Walhalla Rising“), der damit seine erste Hollywood-Arbeit vorlegt, damit gleich den Regie-Preis bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen hat. Und dessen knallhart kompromisslose Hauptfigur an Arbeiten Clint Eastwoods erinnert. Dieser zur Einsamkeit verdammte Held scheint daher auch direkt aus dem Kino der Siebziger Jahre entsprungen zu sein und passt nicht mehr so recht in unsere Zeit der eher sanften oder psychisch gebrochenen Männerfiguren. Was ihn aber umso unterhaltsamer macht. Und dass ausgerechnet eine Frau ihm schließlich zum Verhängnis wird, auch das ist ein Zitat aus früheren Kino-Zeiten.

Doch wer wegen des Werbetrailers und seiner rasanten Szenen dennoch einen Action-Knaller im Stil der „Fast and Furious“-Reihe erwartet, der wird ziemlich enttäuscht sein. „Drive“ ist vielmehr ein Drama, ja auch eine Liebesgeschichte, mit Thriller-Elementen, bei der die zum Glück wenigen brutalen Bilder eher störend und sogar überflüssig wirken. Und er ist vor allem eins: ein spannender Film bis zur letzten Minute, der selbst in den Nebenrollen mit hervorragenden Schauspielern (beispielsweise Ron Perlman oder Bryan Cranston aus der Kult-TV-Serie „Breaking Bad“) besetzt ist.

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