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TV-Kritik: Mord in Ludwigslust

So schön und edel das mecklenburgische Versailles Schloss Ludwigslust auch in Wirklichkeit sein mag, in Kai Wessels Krimi wirkt es eher morbide, ein bisschen unheimlich und eine Spur der von Helmut Kohl einst beschworenen blühenden Landschaften sucht man im Film dort vergebens. Der Osten, genauer: die mecklenburgische Provinz scheint in ihrer Entwicklung stehen geblieben zu sein. Geschichten und böse Geister aus der DDR-Vergangenheit bestimmen immer noch das Leben vieler Menschen. Nun geschieht ausgerechnet dort ein Mord, und was für einer: eine hübsche Frau wird erdrosselt und dann im Schlossbrunnen gleichsam drapiert ausgestellt. Und die Tote ist Lulu Schuster (Lea Mornar), verheiratet mit dem reichen Mäzen der kleinen Kreisstadt.

Jeder kennt dort die Tote, die ihrem Namen als provinzielle Femme fatale offenbar alle Ehre gemacht hat, viele haben ein Motiv, die meisten schweigen aber. Aus Angst? Die lokalen Polizeiermittler haben jedenfalls keinen leichten Job, außerdem müssen sie Rücksicht nehmen auf die Empfindlichkeiten der örtlichen Prominenz – das fordert jedenfalls der lokale Staatsanwalt, ein schmieriger Typ, der – so wie er auftritt – vermutlich auch eine Leiche im Keller hat. Doch die örtliche Polizei bekommt zum Glück schnell Unterstützung durch den Schweriner LKA-Mann Mark Condor (Mark Waschke) und durch Sophia Eichstätt (Anja Kling), Analytikerin beim LKA Kiel, die glaubt auf eine ungeklärte Mordserie gestoßen zu sein.

Doch selbst die Hilfe von außen macht die Sache für die Ermittler nicht einfacher. Ganz im Gegenteil! Drehbuchautor Thomas Kirchner liebt es offenbar kompliziert und hat für „Mord in Ludwigslust“ ein recht komplexes Beziehungsgeflecht entworfen, das vom Zuschauer ein hohes Maß an Konzentration verlangt. So ist, um es verkürzt zu sagen, der Schweriner LKA-Mann Mark der frühere Geliebte von Sophia, die wegen dieser Affäre fast ihren Mann und ihr Kind verlassen hätte. Und zudem ist Mark der aktuelle Seitensprung der ermordeten Lulu gewesen, der kurz vor ihrer Ermordung noch Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt hat. Was Sperma-Spuren belegen. Außerdem war er nach der Wende der beste Kumpel von Udo Schuster, Lulus späteren Mann und windigem Geschäftsmann, der durch Deals mit der Treuhand und den Russen reich geworden ist.

Eigentlich ist alles sogar noch viel kompliziert. Schließlich gibt es mit Ben noch einen Fotografen, Voyeur und Erpresser, den Clemens Schick schön verrückt spielt. Und der natürlich auch mordsmäßig verdächtig ist. Obwohl der Fall am Schluss natürlich aufgeklärt wird, bleibt daher vieles im Dunkeln. Genau wie die Frage, ob einige Szenen absichtlich so schräg inszeniert sind oder ob es sich dabei um eine unfreiwillige Parodie handelt. Und das ist neben des etwas zu konstruiert wirkenden Drehbuchs die größte Schwäche des Films.

Entschädigt wird der Zuschauer dafür durch ein insgesamt gut aufspielendes Ensemble, durch Akteure, die sich bestens ergänzen. Wobei Anja Kling als Kühle aus dem Norden sich ein paar menschliche Schwächen gönnen darf. Und Mark Waschke als ihr verflossener Geliebter den prachtvollen Schnauzer in der Lederjacke überzeugend gibt.

EA: 6.2.2012, 20.15 Uhr (ZDF)

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