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Seuchengefahr

 

Immer mehr Menschen vertrauen Doktor Google. Der hat nämlich kein volles Wartezimmer und keine mufflige Sprechstundenhilfe, sondern steht immer höflich bereit, wenn es einem irgendwo weh tut. Und dieser Service kostet vor allem kein Geld. Nur Schreiben muss man können. Wer diese Kulturtechnik noch einigermaßen beherrscht, der gibt in die Suchmaske bei Doktor Google die Krankheitssymptome ein, die ihn gerade quälen. Dann reicht ein Klick. Und schon erfährt der Ratsuchende, dass er mindestens sterbenskrank oder sogar noch schlimmeres sei. Und dazu werden ihm gleich ein paar Selbsthilfeforen im Netz genannt, wo er sich dann mit ähnlich Todgeweihten austauschen kann.

Ein richtig schnuckliger Service, auf den ich dennoch verzichten kann. Schließlich wohne ich in der hannoverschen Oststadt genau gegenüber der Dreifaltigkeitskirche. Und in diesem Stadtteil trifft man oft Menschen, die alles wissen, alles schon irgendwie durchgemacht haben, natürlich über Krankheiten jeglicher Art Bescheid wissen und einem das auch alles ungefragt erzählen. Nicht ohne Grund gibt es in unserem hübschen Viertel eine hohe Dichte an psychotherapeutischen Praxen.

Kürzlich ging ich jedenfalls mehr schlecht als recht – seit einer Erkrankung bin ich auf einen Gehstock angewiesen – zum Kiosk um die Ecke. Und wurde, kurz bevor ich den Laden erreicht hatte, von einem Mann, etwa Ende Fünfzig, angesprochen, den ich schon seit längerem vom Sehen kannte. Und natürlich duzte er mich. „Das wird auch nicht besser bei Dir“, begrüßte er mich. Nee, antwortete ich in aller Ausführlichkeit. „Hast wohl zuviel getrunken?“, fragte er mich. „Bier“, sagte ich. „Ach, das erklärt alles“, meinte er. „Bier bringt die Seuche. Das hat schon meine Oma gesagt“. Und dann folgte sein Rezept ewiger Jugend: „Ich trinke nur Schnaps, Kaffee und Rotwein, sonst hätte ich auch schon mehrere Schlaganfälle gehabt.“

Solch einen Oma geprüften Ratschlag findet man jedenfalls nicht bei Doktor Google, sondern den gibt’s umsonst und draußen eben bei uns in der Oststadt. Dennoch ignorierte ich die drohende Seuchengefahr und holte mir beim Kiosk drei Flaschen Herri. Ich bin halt mutig. Oder leichtsinnig?

Kategorien:Uncategorized
  1. Februar 15, 2012 um 7:59 am

    So ein negativ Bericht, wo ich so gern Bier trinke.

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