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Kritik: Die Frau in Schwarz

Den Harry Potter wird er wohl so schnell nicht mehr loswerden: Der Brite Daniel Radcliffe, der bereits mit zehn Jahren vor der Kamera stand und dann mit zwölf, im Jahre 2001, zum ersten Mal den bebrillten Zauberlehrling verkörperte. Eine Rolle, die den damaligen Kinderstar schnell zu einem der bekanntesten Gesichter des internationalen Films machte. Und gegen die er nun als Erwachsener anspielen muss. Nach Engagements am Broadway hat er jetzt die erste große schauspielerische Kino-Verpflichtung jenseits des Potter-Imperiums übernommen und das tatsächlich in einem in England produzierten Horrorfilm. Ein Film, der in seiner Heimat äußerst erfolgreich gewesen ist. Es geht also auch ohne Harry-Potter-Brille.

In „Die Frau in Schwarz“ nach dem populären gleichnamigen Gruselroman von Susan Hill aus dem Jahre 1983, der bereits in den Achtzigern für das Fernsehen verfilmt wurde und von dem es sogar eine Theater- sowie Hörspielfassung gibt, spielt Daniel Radcliffe den jungen englischen Witwer und Anwalt Arthur Kipps. Nachdem seine Frau bei der Geburt ihres Sohnes Anfang des letzten Jahrhunderts starb, kümmert sich Kipps zusammen mit einem Kindermädchen um die Erziehung des Kleinen. Noch Jahre später leidet der Witwer stark unter dem Verlust seiner Frau und hat seinen Beruf in der Zeit offenbar vernachlässigt. Jedenfalls gibt ihm jetzt sein Chef eine allerletzte Chance. Er soll in ein einsam gelegenes Dorf in der tiefsten Provinz reisen und sich dort um den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow kümmern.

Ein, wie sich zeigen wird, schwieriges Unterfangen. Was den Zuschauer, der ältere Gruselfilme kennt, kaum überrascht. Schließlich haftet der Provinz in diesem Genre oft was unheimlich Bedrohliches an. Als Kipps in der Ortschaft ankommt, verhalten sich daher auch deren Bewohner ihm gegenüber seltsam ablehnend bis feindlich mit einer Ausnahme: der wohlhabende Sam Daily (Ciarán Hinds), den der Anwalt bei seiner Anreise im Zug bereits kennen gelernt hat und bei dem und dessen Frau (Janet McTeer) er dann auch unterkommen wird. Der Grund dieser Ablehnung hat, wie sich schnell herausstellen wird, mit Kipps Job zu tun, genauer gesagt mit dem Haus der Alice Drablow. Ein wirklich prachtvolles Gespensterhaus, auf dem ein ganz böser Fluch liegt.

Dieses Geisterhaus ist dann auch, wie die US-Kritiker-Legende Roger Ebert zu Recht bemerkte, der eigentliche Star des Films. Ein halbverfallenes Anwesen mit modrigen Gemäuern und allem was zu einem rechten Spuk einfach dazugehört. In dem dann auch eine gespenstische Frau in Schwarz umgeht, während draußen vor der Tür der typisch englische Nebel wabert. Für Freunde des nostalgischen Grusels sind die Szenen im Haus ein echter Genuss und ein richtiger Spaß. Und in diesem düsteren Ambiente agiert Radcliffe oft völlig allein, darstellerisch also ganz auf sich gestellt, was ihm erstaunlich gut gelingt. Genüsslich und gekonnt zitiert nicht nur in diesen Szenen der britische Regisseur James Watkins klassische Vorbilder aus einer Zeit, in dem Horrorfilme noch ohne blutiges Gemetzel auskamen und fast ausschließlich von ihrer unheilschwangeren Atmosphäre lebten.

Auch das überrascht bei diesem Gruselspaß kaum. Schließlich entstand er in den wiederbelebten englischen „Hammer Studios“. Einer Produktionsstätte, die in den fünfziger und sechziger Jahren den internationalen Horrormarkt beherrschte mit Stars wie Christopher Lee oder Peter Cushing und Streifen wie „Dracula“, „Frankensteins Rache“ oder „Das Rätsel der unheimlichen Maske“. 1979 machten die „Hammer Filme“ dann allerdings Konkurs, bis sie schließlich 2007 von dem vor allem als TV-Produzenten bekannten John de Mol („Big Brother“) reaktiviert wurden. Und der Neustart hat sich ganz offensichtlich gelohnt.

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