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Tatort – Alles hat seinen Preis

Alles fließt. Oder steht im Stau. Denn in Berlin, dem Schauplatz des „Tatorts – Alles hat seinen Preis“ schlägt nun einmal der Puls der modernen Zeit gar heftig, und der hat eben meist vier Räder. Damit das auch der allerletzte Fernsehzuschauer beispielsweise im verkehrsberuhigten Bayrischen Wald oder im strukturschwächsten Ostfriesland versteht, zeigt der Film in Zwischenschnitten häufig den Berliner Straßenverkehr, also große Kreuzungen, die Blechlawinen zur Rush Hour. Und die beiden Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) liefern sich zudem gleich mehrfach einen Wettstreit um die Frage, wer in diesem pulsierenden großstädtischen Verkehrsgetümmel wohl schneller vorankommt: Ritter per PKW oder Stark per Fahrrad.

Die Antwort ist natürlich ganz einfach und, wie beinahe alles an diesem Krimi, überaus pädagogisch wertvoll: Stark und sein Zweirad sind letztlich schneller. Und die Begründung liefert seltsamerweise ausgerechnet der Autofahrer Ritter, der zwischendurch mal anmerkt, dass in Berlin auf drei Millionen Einwohner zwei Millionen Autos kommen. Da sind natürlich Probleme im herkömmlichen Individualverkehr alles andere als überraschend. Oder, wie es gern fälschlicherweise heißt, „vorprogrammiert“.

Aber der „Tatort“ beschäftigt sich zum Glück nicht nur mit Berliner Verkehrsproblemen. Obwohl das bestimmt ganz spannend sein könnte. Nein, auch für Bankiers oder Banker kommt’s dicke. Doch gleich zu Anfang gibt es natürlich erst einmal den obligatorischen Toten, auch er ein mobiler Vertreter der Verkehrsbranche. In seinem Büro wird der alte Taxiunternehmer und Miethausbesitzer Herbert Klemke erschlagen aufgefunden. Bei ihren Ermittlungen werden Ritter und Stark gleich mit mehreren Verdächtigen konfrontiert, die alle auf irgendeine Weise ein Geldproblem mit dem Ermordeten hatten. Allen voran ein ehemaliger türkischer Fahrer (Oktay Özdemir) der kleinen Firma. Dann die nach Australien ausgewanderte und in Berlin gerade zu Besuch weilende Tochter des Opfers (Nicolette Krebitz), zwei jüngere Ladenbesitzer aus dem Kiez (Alwara Höfels, Christian Blümel), die Bankberaterin des Firmenchefs (Tatjana Blacher). Und nicht zuletzt dessen langjährige Sekretärin (Renate Krößner), die einzige übrigens die zumindest auf den ersten Blick kein finanzielles Problem hat.

Aus dieser Ausgangskonstellation heraus entwickeln Regisseur Florian Kern und die Drehbuchautoren Michael Gantenberg und Hartmut Block gleich mehrere menschliche Dramen, die jedoch so aufdringlich sozialkritisch daherkommen, dass sie den Zuschauer kaum anrühren. Ziemlich plakativ gezeigt wird nämlich an ihrem Fall, wie ein Kiez langsam und konsequent zerstört wird. Wie originelle kleine Läden plattgemacht werden, weil an ihrer Stelle Filialen von Ladenketten eröffnen wollen. Wie eine Großbank dabei die Fäden zieht, in dem sie sich aus purer Profitgier beispielsweise weigert, Kleinunternehmern Kredite zu geben. Wie durch dieses Streben nach immer mehr Geld der Stadtteil anonymisiert wird und die Kommunikation zwischen den Menschen letzten Endes verlorengeht. Und wie all das – zumindest in diesem Film – in einem Mord endet.

Und die Moral von der Geschicht’? Geld regiert die Welt. Oder eleganter ausgedrückt mit einem Brecht-Zitat, das Hauptdarsteller Aljinovic in einem Interview zum „Tatort“ wie folgt abgewandelt hat: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen einen guten Posten in der Bank?“ Da mag zwar auch ziemlich viel dran sein, aber der eigentliche Mordfall wird bei alldem viel zu sehr vernachlässigt, die Tätersuche fast schon zur spannungslosen Nebensache und selbst die Auflösung ist fürchterlich banal. Während Berlin auch weiterhin im Stau steht.

ARD, 01.04.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 01.04.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 01.04.2012, 23:45 Uhr

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