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TV-Kritik: Vatertag

Wer angesichts der sommerlichen Hitze sich abends entspannt unterhalten lassen möchte, der sollte es mal mit „Vatertag“ (Drehbuch: Susanne Zanke, Mike Majzen) versuchen. Eine von Michi Riebl inszenierte österreichische Komödie, die zwar ziemlich harmlos ist und bei der der Zuschauer auf keinen Fall nach einem tieferen Sinn suchen sollte. Die aber immerhin zwei große Pluspunkte besitzt: erstaunlich unbekümmert aufspielende Kinder (Jakob Werther, Alexander Ninidze, Cordula Newrkla) und Simon Schwarz.

Der 41-jährige Wiener Schauspieler, den man sich öfter auch in deutschen Produktionen wünschen würde, spielt wie beinahe immer einen herrlichen Anti-Helden. Er sorgt dabei – wie im österreichischen „Tatort“ als „Inkasso Heinzi“ – für den nötigen Ösi-Schmäh und darf Sätze sagen wie: „Ich führe ein langweiliges Leben und das soll auch so bleiben.“ Oder: „Bin schon froh, wenn ich ohne Rückenschmerzen aufwache.“ Solche zutiefst menschlichen Wahrheiten hört man in den ansonsten durchaus vergleichbaren ARD-Freitagsfilmen nie.

Hauptdarsteller ist jedoch Alexander Pschill, den viele Zuschauer vermutlich als menschlichen Ermittler aus „Kommissar Rex“ kennen. Hier spielt er gar nicht mal so schlecht den arbeitslosen Wiener Hallodri Otto, der von einer Karriere als Sciencefiction-Autor träumt und sich ein bisschen Geld beim Glücksspiel in Kneipen verdient. Die Frauen lieben diesen Typen dennoch – und das hat Folgen gehabt. Otto hat nämlich drei Kinder von drei verschiedenen Müttern. Was zwar die Kleinen wissen, aber keiner der betroffenen Frauen weiß. Gleichwohl gelingt ihm dank eines geschickten Lügengespinsts das Kunststück, sich äußerst liebevoll um seine Kinder zu kümmern. Ja, er ist eigentlich der perfekte Babysitter und hält seinen ehemaligen Geliebten den Rücken frei, damit sie unbesorgt ihre Karrieren pflegen können.

Unterstützt wird Otto dabei von einer freundlich hilfsbereiten Nachbarin, die nun jedoch ins Krankenhaus muss. Was für unseren Frauen- und Kinderversteher ein großes Problem bedeutet. Er braucht Ersatz! Und den findet er nach kurzer Überlegung ausgerechnet in Josef (Schwarz), einem menschenscheuen griesgrämigen Installateur, der mit Frauen schon lange nichts mehr am Hut hat und am liebsten gelangweilt zu Hause rumhockt, um Horoskope zu erstellen. Doch unter Ottos Einfluss verwandelt sich dieser Einsiedler in einen fast schon lebensfrohen Menschen, der plötzlich Alkohol trinkt, in Kneipen rumhängt und sogar mit Frauen flirtet. Alles scheint also wieder in bester Ordnung zu sein, aber dann kommen Ottos Verflossene ihrem ehemaligen Geliebten auf die Schliche.

Diese Geschichte, deren Ende man leider sehr schnell ahnt, ist zwar hanebüchen unlogisch konstruiert, wirkt aber erfrischend improvisiert gespielt. Und kommt vor allem nie so aalglatt daher wie die Degeto-Schmonzetten in der ARD. Gleichwohl vermisst man den Mut zur Überzeichnung und zur Groteske, wie man ihn in der genialen Ösi-Komödie „Aufschneider“ (auch mit Simon Schwarz als Spitalchef) kürzlich erleben konnte. Ein Film, der ja vor wenigen Wochen auf dem gleichen Sendeplatz zu sehen gewesen ist. Wer also heute mal das Denken für 90 Minuten ausschalten möchte, der sollte arte anschalten – trotz Olympischer Spiele und trotz Sonnenschein.

Arte, 27.07.2012, 20:15 Uhr 
Arte, 09.08.2012, 10:30 Uhr

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