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Tatort: Hanglage mit Aussicht

Der Termin ist geschickt gewählt. Nach der langen Sommerpause der „Tatort“-Reihe ist der Zuschauer schließlich froh, dass von diesem Sonntag an endlich wieder neue Fälle gezeigt werden. Und da der von Sabine Boss inszenierte Film bei vielen durch schöne Natur- und Landschaftsaufnahmen bestimmt hoffentlich angenehme Urlaubserinnerungen wachrufen wird, ist man beim Betrachten dieses Luzerner-„Tatorts“ (Drehbuch: Felix Benesch) eher gnädig gestimmt. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass der gezeigte Film für die beliebte Reihe von unterdurchschnittlicher Qualität ist, formal wie inhaltlich.

Schauplatz ist die auch real vorhandene Wissifluh oberhalb des Vierwaldstättersees. Eine „Hanglage mit Aussicht“, auf der sich der alte Gasthof der Familie Arnold befindet Am 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, findet dort wie jedes Jahr ein kleines Fest statt. Dazu reist auch der Investor Gross an – mit einem Hubschrauber, der nicht nur mächtig Staub aufwirbelt. In seiner Begleitung ist der wichtige Lokalpolitiker Mattmann (Jean-Pierre Cornu), der im Lauf des Abends in einer kleinen Rede seine Zuhörer ermahnt: „Die Schweiz gehört uns allen“. Doch zu diesem Zeitpunkt liegt Gross bereits tot an der Seilbahnstrecke.

Als Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Assistentin Liz Ritschard (Delia Mayer) am nächsten Morgen die Ermittlungen aufnehmen, ist schnell klar: Gross ist aus der Seilbahn gestoßen wurden. Hauptverdächtiger ist der aufbrausende Rolf Arnold (Peter Freiburghaus), der den Investor schon kurz nach seiner Ankunft als Lumpenhund und Spekulant beschimpft hat. Auch ein Motiv hat der alte Gastwirt und Bergbauer: Seine Tochter (Sarah Sophia Meyer) hat mit dem wesentlich älteren Mann ein von ihm unerwünschtes Verhältnis gehabt. Außerdem bestanden offenbar Pläne, den hoch verschuldeten Gasthof für viel Geld umzubauen. Obwohl die Indizienlage gegen Arnold spricht, glaubt der Kommissar nicht an dessen Schuld und ermittelt weiter. Dabei stößt er bald auf eine Spur, die üble Machenschaften erahnen lässt zwischen Politikern, einer Bank und Immobilienhändlern. Ist Arnold also das Opfer einer Verschwörung? Und wer hat dann Gross aus der Seilbahn gestoßen?

Erzählt wird hier ein klassischer „Wer war es“-Fall, dem jedoch überraschende Wendungen und aufregende Szenen fehlen. Schon der Titel, der an Immobilienanzeigen erinnert, deutet ja bereits an, wo der Täter vermutlich zu suchen ist. Zudem sind die Dialoge meist recht banal. Sie erläutern bisweilen sogar überflüssigerweise Dinge, die der Zuschauer eh gleich im Bild sieht: „Jetzt müssen wir Gas geben, Mattmann wartet schon“. Und auf diese Art hat man bereits in den siebziger Jahren Krimis gedreht. Ein Stilelement, das heute jedoch nur noch angestaubt und auf den Zuschauer entsprechend narkotisierend wirkt.

Einziger Lichtblick ist Kommissar Flückiger, der in seinem dritten „Tatort“-Fall bärbeißige Einzelgänger-Fähigkeiten – allerdings mit angezogener eidgenössischer Handbremse – entwickelt, sich dabei ganz unterhaltsam mit Lokalgrößen und Vorgesetzten anlegt. Und sich auch mit seiner Assistentin ein paar nette Nickligkeiten gönnt. Doch bei aller Kritik, einer zumindest wird von diesem Krimi profitieren: der Wirt von der echten Wissifluh, der bestimmt neue Gäste begrüßen wird. Ihm sei das zwar aufrichtig gegönnt, aber muss man deswegen gleich einen 90minütigen Film drehen?

ARD, 26.08.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 26.08.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 26.08.2012, 23:45 Uhr

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. August 27, 2012 um 7:16 pm

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