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Tatort: Fette Hunde

Lissy, die frühere Assistentin der beiden Kommissare, ist plötzlich wieder da. Und eingefleischte „Tatort“-Fans werden sich bestimmt an sie erinnern. In den Anfangsjahren des Kölner Duos Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) hat Anne Loos diese Lissy gespielt, bis sie 2007 dann den Dienst quittiert hat. In „Fette Hunde“ kehrt Loos nun in diese Rolle zurück, allerdings als Ehefrau eines Afghanistan-Soldaten. Dennoch haben, wie der Film behauptet, Ballauf und Schenk die Jahre über weiterhin Kontakt zu ihrer ehemaligen Kollegin gehalten und sich um sie, wenn nötig, gekümmert. – Dies jedoch ist tatsächlich die einzige frohe Botschaft in diesem „Tatort“. Und auch Loos’ Engagement soll ein Einzelfall bleiben.

Die Geschichte, die Atmosphäre und auch die Bilder in dieser Folge sind für die beliebte Krimi-Reihe ungewöhnlich düster und triste. Die sonst üblichen Kabbeleien zwischen den beiden Ermittlern sind auf ein Minimum reduziert. Verzichtet wird auch auf die für die Kölner Kommissare sonst typischen moralinsauren Dialoge. Die Handlung spricht ja in diesem Fall tatsächlich für sich. Und selbst auf den obligatorischen Anfangsmord muss der Zuschauer einige Zeit warten. Doch dann wird es gleich sehr heftig.

In Köln wird ein Afghane ermordet aufgefunden, der gerade in Begleitung seiner Schwester (Maryam Zaree) aus seiner Heimat nach Deutschland gekommen ist. Als die Kommissare am Tatort erscheinen, werden sie mit furchtbaren Details konfrontiert. Der Tote ist nicht nur erschossen, sondern er ist regelrecht ausgeweidet wurden. Offenbar ist er ein sogenannter Bodypacker gewesen, der Heroin in Kondome verpackt in seinem Körper transportiert hat. Genau wie seine Schwester, die jedoch spurlos verschwunden ist. Die junge Frau ist daher in größter Lebensgefahr, auch durch das geschluckte Rauschgift. Und dieser Tatbestand sorgt von Anbeginn an für ein hohes Tempo, wie man es selten in deutschen Fernsehkrimis erlebt. Da ist für überflüssige Dialoge und genauso überflüssige Erläuterungen einfach mal keine Zeit.

Und die Spur führt schließlich zu einer Gruppe Soldaten, die ebenfalls gerade aus Afghanistan zurückgekehrt ist. Darunter der Dolmetscher Sebastian Brandt (Roeland Wiesnekker), Ehemann von Lissy. Gezeigt werden in einer Parallelhandlung dann die Schwierigkeiten dieser Männer, sich in ihrer Heimat und in ihren Familien wieder zurechtzufinden. Ja, einzelne Soldaten sind sogar traumatisiert, entwurzelt und völlig perspektivlos. Gezeigt wird dies in Szenen, die trotz einiger Klischees auf den Zuschauer bedrückend wirken. Und auch die beiden Kommissare haben Probleme in diesem Milieu gewohnt nassforsch zu ermitteln.

Doch bei aller Tristesse, dieser Fall ist formal wie inhaltlich einer der besten Kölner-„Tatorte“ der letzten Jahre, der auch mit wunderbaren Bilder beeindruckt, beispielsweise von der einsamen Ermittlungsarbeit im nächtlichen Kommissariat. Ein Kompliment daher an Regisseur und Adolf-Grimme-Preisträger Andreas Kleinert sowie seinen Drehbuchautor André Georgi! Und hoffentlich macht dieser Fall Schule, nicht nur in Köln.

ARD, 02.09.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 02.09.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 02.09.2012, 23:45 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,
  1. September 2, 2012 um 2:26 pm

    Wo, da kann man sich ja schon vorfreuhen. Auch Tatort Fans hat die Folge ja schon gelobt: http://tatort-fans.de/tatort-folge-841-fette-hunde/ . Und wenn es selbst hier schon vorschusslohrbeeren verteilt werden * HUT AB*

  2. Anon
    September 7, 2012 um 2:31 pm

    Die Kritik kann ich nicht nachvollziehen, wobei es mir nicht um das Thema und seine Aufarbeitung geht.
    Aber was haben diese Fernsehfilme noch mit Tatort zu tun. Die Tatortreihe waren einmal Krimis. Krimis heißt Spannung und nicht soziale Aufarbeitung. Dafür könnte man ein eigenes Konzept erarbeiten. Seit etwa der Jahrtausendwende behandeln viele Tatorte nur noch soziale Probleme, wobei das Konzept meist einfach und dürftig ist.
    Die Tat und deren Hintergrund korrespondieren mit gleichen oder ähnlichen Problemen im privaten oder beruflichen Umfeld der Ermittler.
    Zum Glück gibt es noch einige wenige Ausnahmen. Die Kölner gehören inzwischen nicht mehr dazu.
    Warum werden die Skandinavien Krimis so gern gesehen, Beispiel „Der Adler“.
    Ich hoffe, dass es mit den neuen Ermittlern (nicht gerade xx) besser wird.

  1. September 5, 2012 um 7:26 pm

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