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Kritik: Tatort – Tote Erde

Wenn alle nur das Gute wollen, dann kann auch das bisweilen böse enden. Das beweist anschaulich der neue Stuttgarter-„Tatort – Tote Erde“, den Regisseur Thomas Freundner routiniert in Szene gesetzt hat. Und Krimi-Freunde mit einem genussvollen sonntäglichen Hang zum Bösen müssen jetzt angesichts all des Guten mal richtig stark sein. Jedenfalls verfolgen in dem Film fast alle hehre Ziele: Zwei gutmeinende Studenten kämpfen auch mit illegalen Mitteln für eine gesunde Umwelt. Auch ihre Freundin (Paula Kalenberg) tritt dafür ein, aber legal in einer Firma. Eine reiche Erbin (Katharina Heyer) unterstützt die jungen Leute mit ihrem Geld und plant die Gründung einer Stiftung. Selbst ein industrieller Umweltsünder (Max Waschke) meint es eigentlich eher gut. Die Staatsanwältin Henrike Habermas (neu im Team: Natalia Wörner) kümmert sich derweil als einzige in einer Hochdeutsch sprechenden Umwelt um die schwäbische Mundart, was ja auch was Feines ist, und ist ansonsten schwer verliebt.

Und das ist noch längst nicht alles: Auch die beiden Kommissare menscheln so heftig, dass es auf keine schwäbische Kuhhaut mehr passt: So kümmert sich Sebastian Bootz (Felix Klare) liebevoll um seine schwer erkrankte Frau und will sich ihretwegen auf einen ruhigeren Posten im Innendienst versetzen lassen. Und sein Chef Thorsten Lannert (Richy Müller), der bisher stets kantig und meist unwirsch agierte, ist nicht nur richtig nett, sondern plötzlich so weichgespült sympathisch, dass sogar sein alter Porsche wie eine PS-zahme Familienkutsche erscheint.

Doch wenn einem soviel Gutes widerfährt, dann ist das schon einen bösen Mord wert – dachten sich bestimmt die Drehbuchautoren Wolf Jakoby und Freundner. So wird auch dieser „Tatort“ gleich am Anfang natürlich von einem Tötungsdelikt eröffnet. Opfer ist der junge Umweltaktivist Lukas, der beim Freiklettern an einem ehemaligen Brückenpfeiler regelrecht mit einem Luftgewehr abgeschossen wird. Bei der folgenden Obduktion stellt sich heraus, dass sein Körper hochgradig mit Schwermetallen vergiftet worden ist. Wie später ermittelt wird, hat er kurz zuvor auf einem Recyclinghof Bodenproben genommen, offenbar von stark verseuchter Erde. Die Proben sind jedoch verschwunden. Genau wie Lukas’ Mitstreiter Timo (Philipp Quest), der sich der Befragung durch die Polizei durch Flucht entzieht. Und dadurch nun zum Hauptverdächtigen wird. Aber auch ein eigentlich netter Industrieller hat offenbar Dreck am Stecken.

Die Ermittlungen in diesem Film erweisen sich jedenfalls als schwierig. Und es gelingt dabei dem Regisseur die Zuschauer geschickt auf eine völlig falsche Fährte zu locken. Die Auflösung des Falls ist jedenfalls höchst überraschend. Leider ist alles andere jedoch eher Mittelmaß, wenn auch durchaus unterhaltsam. Die Dialoge sind also wenig originell. Filmisch hat der Krimi auch nicht viel zu bieten, außer ein paar halbherzig inszenierte Action-Einlagen. Und insgesamt wirkt das Ganze sehr schwäbisch hausbacken – trotz exzellenter Darsteller wie Wörner und Waschke. Was beweist: Viel Gutes ergibt leider noch keinen guten Film.

ARD, 21.10.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 21.10.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 21.10.2012, 23:45 Uhr
ARD, 23.10.2012, 00:35 Uhr

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Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: ,
  1. Oktober 20, 2012 um 11:53 am

    Hatte ich heute Morgen schon in der Bürgerpresse HAZ im Kultur teil gelesen.
    Immer wieder gut deine Kritiken.
    Dann ein super sonniges Wochenende.

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