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Archive for November 2012

TV-Kritik: Spuren des Bösen – Racheengel

Das könnte eine richtig große Serie werden: Der Auftakt im vergangenen Januar ist jedenfalls so gut bei Publikum und Kritik angekommen, dass ORF und ZDF „Spuren des Bösen“ kurzerhand zu einer kleinen Krimireihe verlängert haben. Nun läuft als Premiere auf arte mit „Racheengel“ die zweite Episode, für die erneut Regisseur Andreas Prochaska und Drehbuchautor Martin Ambrosch verantwortlich zeichnen. Und wieder spielt die Hauptrolle Heino Ferch, der so überzeugend lange nicht im Fernsehen zu sehen gewesen ist.

Ferch ist der Wiener Kriminalpsychologe Richard Brock, der seine Frau vor Jahren durch Selbstmord verloren hat. Da er angeblich eine Mitschuld trägt, darf er nicht mehr ärztlich praktizieren. Und arbeitet nun als Ausbilder bei der Polizei. Zufällig gerät er mitten in einen ungewöhnlichen Kriminalfall: Nach einer versuchten Festnahme flüchtet ein Mann in eine Buchhandlung, nimmt dort Geiseln. Eine davon ist Brock. Der Psychologe versucht den vermeintlichen Täter zu beruhigen. Vergeblich. Der Mann erschießt sich. Wie Brock später erfährt, soll es sich bei ihm um einen Lehrer handeln, der wegen des Besitzes von Kinderpornos festgenommen werden sollte.

Für die Polizei ist der Fall nach dem Tod des Mannes erledigt. Nicht so für Brock, der nicht glauben mag, dass der Tote ein pädophiler Psychopath gewesen ist. Auf eigene Faust beginnt er zu ermitteln. Und das ist dann wirklich sehenswert. Auf den ersten Blick ist dieser Brock ein gebrochener Mann, der den Kontakt zum wirklichen Leben längst verloren hat, der aber dennoch eiskalt zu analysieren weiß. Er redet nicht viel, meist in kurzen abgerissenen Sätzen. Und bei Befragungen überrascht er oft seine Gegenüber mit scheinbar simplen Fragen, die aber stets ans Ziel führen. Und seine Art zu agieren, wird vor allem wunderbar ergänzt, durch das ungemein morbid wirkende Wien. Durch eine in beeindruckenden Bildern eingefangene Atmosphäre, in der man tatsächlich noch den Geist Sigmund Freuds zu spüren scheint. Kurzum: Großes Fernsehen!

Arte, 30.11.2012, 20:15 Uhr 
Arte, 09.12.2012, 00:55 Uhr

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So fängt man einen Affen

November 29, 2012 2 Kommentare
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Kritik: Mandy will ans Meer

November 26, 2012 2 Kommentare

Einen ernsten Stoff unterhaltsam im Fernsehen zu erzählen, ist kein leichtes Unterfangen. Den Machern des ZDF-Fernsehfilms um Regisseur Tim Trageser ist das jedoch gelungen. Und selbst Zuschauer, die bei einem deprimierenden Thema wie Kinderarmut reflexartig um- oder abschalten, werden „Mandy will ans Meer“ wohl bis zum Ende aufmerksam verfolgen. Dabei arbeiten Regisseur und Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt mit einem geschickten Trick. Anfangs erzählt ihr Film scheinbar ein reines Frauenschicksal. Er konzentriert sich fast ausschließlich auf eine echte Powerfrau, auf die Berliner Sterneköchin Ida. In ihrer Küche in einem Berliner Nobelhotel führt sie sich auf wie eine Furie. Sie hat dort eindeutig das Sagen, Widerspruch ist nicht erlaubt und notfalls fliegen auch schon mal die Küchenmesser. Was beim Zuschauen dennoch durchaus amüsant ist.

Doch privat schaut es bei dieser Erfolgsfrau eher mau aus. Wenn sie nach getaner Arbeit nachts in ihr Luxusappartement zurückgekehrt, ist nie eine Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter. Offenbar hat sie keine Freunde. Und auch die sich im Verlauf des Films zögerlich anbahnende Beziehung zu dem Fahrer Tercan (Erhan Emre) ist arg kompliziert. Sie habe, sagt sie, einfach Angst, enttäuscht zu werden – von Freunden, Kollegen und überhaupt. Dies alles erfährt der Zuschauer in der ersten Hälfte des Films, der bis dahin eine reine Charakterstudie einer erfolgreichen Frau ist.

Doch dann lernt Ida zufällig die elfjährige Mandy kennen. Das Mädchen verkehrt in der „Barke“, einer Einrichtung für Kinder aus sozial schwachen Familien, die mit den „Resten“ aus Idas Restaurant versorgt wird. Irgendwie fühlt die Köchin sich spontan zu diesem recht garstigen Kind hingezogen. Ja, sie scheint sich offenbar an ihre eigene Kindheit erinnert zu fühlen. Und trotz aller Schwierigkeiten und trotz aller Widerstände werden beide schließlich Freundinnen. Gleichzeitig zu diesem glaubhaft geschilderten, wenn auch ein wenig märchenhaften Annäherungsprozess erfährt Ida immer mehr über Mandys schwieriges Leben. Die Kleine wohnt mit ihren zwei jüngeren Geschwistern in einer völlig heruntergekommenen Wohnung, ihr gewalttätiger Vater ist Alkoholiker, die Mutter kränkelt, wirkt depressiv und scheint sich um nichts mehr zu kümmern. Und in diesem familiären Chaos spielt die völlig überforderte Mandy die Ersatzmutter. Als die Kleine dann eines Tages mal wieder von ihrem Vater zusammengeschlagen wird, beschließt Ida zu handeln. Sie wendet sich ans Jugendamt.

Das schwere Thema Kinderarmut, von dem nach Schätzungen etwa 1,5 Millionen Kinder in Deutschland betroffen sind, wird in deutschen Fernsehfilmen ansonsten ja fast ausschließlich in Krimis behandelt. Hier jedoch steht es also im Mittelpunkt eines über weite Strecken unterhaltsamen Films, der sogar auf ein richtig schönes, wenn auch ein bisschen kitschiges Happyend hinausläuft. „Ich wollte den Zuschauer ‚von hinten durch die Brust ins Auge’ mit der traurigen Kindheit von Mandy konfrontieren. Und dadurch vor allem Zuschauer ansprechen, die sich einen Film über Kinderarmut eher nicht ansehen“, sagt dazu Tim Trageser.

Das ist dem Regisseur und seinem Drehbuchautor überzeugend gelungen, obwohl das Thema beinahe in seiner ganzen Vielschichtigkeit gezeigt wird. Wobei dankenswerterweise auf zu platte Schwarzweißmalerei verzichtet wird. Dabei werden gleich mehrere interessante Fragen aufgeworfen, die der Zuschauer dann jedoch selbst beantworten muss. Dass man diesen Film trotz seiner harten Problematik richtig gern sieht, liegt aber nicht zuletzt auch an den beiden Hauptdarstellerinnen: der 11-jährigen Hanna Müller, die hier zum ersten Mal vor der Kamera steht und mit ihrer nassforschen Natürlichkeit überzeugt. Und Anna Loos als Köchin Ida, die wie immer stark aufspielt, herrlich zornig blicken kann und dennoch so verletzbar wirkt.

ZDF, 26.11.2012, 20:15 Uhr

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November 26, 2012 1 Kommentar
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