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Archive for Dezember 2012

Gesundheit!

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Bald ist Frühling

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Wolf Haas: Verteidigung der Missionarsstellung

Dezember 30, 2012 2 Kommentare

Die Leser von Wolf Haas’ „Verteidigung der Missionarsstellung“ müssen mit fast allem rechnen. Wenn sich beispielsweise eine Figur aus seinem neuen Roman auf Chinesisch unterhält, dann wird diese Passage gleich konsequent auf Chinesisch geschrieben. Oder ein Gespräch im Fahrstuhl wird auf mehreren Seiten so grafisch dargestellt, dass man auch mit den Augen gleichsam Fahrstuhl fährt. Dann lernt man bei der Lektüre anschaulich, was der Unterschied zwischen Quer- und Schräglesen ist. Und am Ende reitet sogar eine Leserin hoch zu Ross durchs Buch, kommentiert die gerade erzählte Geschichte, lobt den Autor, weist ihm aber auch einen inhaltlichen Fehler nach.

Natürlich wird auch die Erzählperspektive ständig gewechselt. Der Autor wird dabei zuweilen selbst Teil des Romans. Und von seinem wortkargen Helden liest man vor allem, was er sich gerade nicht zu sagen traut. Ja, Wolf Haas traut sich wirklich was und mutet seinen Lesern einiges zu. Dabei spürt man aber auch die Nähe des heute 52-jährigen Österreichers, der bei uns vor allem durch seine satirischen Krimis über den Privatschnüffler Simon Brenner bekannt geworden ist, zu den Sprachspielereien und –provokationen seiner Landsleute Ernst Jandl und dem frühen Peter Handke. Doch bisweilen traut sich Haas dann doch zu viel und übertreibt seine witzigen Einfälle so sehr, dass sie leider ein wenig selbst verliebt oder gar manieriert wirken.

Dabei ist der Kern der so spielerisch aufbereiteten Geschichte, für die der Autor am 28. Januar den renommierten Bremer Literaturpreis erhält, eigentlich amüsant genug. Im Mittelpunkt steht ein prachtvoller Antiheld mit dem für Linguisten anspielungsreichen Namen: Benjamin Lee Baumgartner. Immer wenn dieser schweigsame Typ sich verliebt, bricht um ihn herum eine fürchterliche Seuche aus. Los geht’s 1988 in London mit dem Rinderwahn, dann folgt bei einem späteren China-Trip die Vogelgrippe. Jahre danach ist er in den USA gar das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe. Und zum guten Schluss ereilt ihn auf einer Sprossenfarm in Bienenbüttel auch noch Ehec. Zudem, auch das versteht sich in Haas’ literarischem Kosmos fast von selbst, ist sein Leben und damit dieser Roman, der davon ja berichtet, auf eine einzige große Lebenslüge aufgebaut. Dieses Schicksal ist jedoch nicht nur fürchterlich, sondern, wie davon erzählt wird, auch fürchterlich witzig.

Wolf Haas: „Verteidigung der Missionarsstellung“. Verlag Hoffmann und Campe, 239 S., 19,90 Euro.

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Kritik: Red Dawn

Dezember 27, 2012 4 Kommentare

Es ist zwar nicht bekannt, was die Macher des Films „Red Dawn“ geraucht haben. Aber der Stoff muss ziemlich berauschend gewesen sein. Nüchtern denkt man sich jedenfalls solch eine Geschichte nicht aus und inszeniert sie dann auch noch völlig bierernst. Erzählt wird – bitte festhalten! – von der Invasion der USA durch nordkoreanische Truppen. Zentrum des Angriffs ist die Kleinstadt Spokane, die per Luft und Fallschirmen attackiert und schnell erobert wird. Doch eine Gruppe junger Frauen und Männer um die ungleichen Brüder Jed (Chris Hemsworth) und Matty (Josh Peck) leistet heroischen Widerstand. Sie verbergen sich in einer Waldhütte außerhalb des Ortes und beginnen dann einen richtigen Guerillakrieg gegen die fiesen Besatzer. Die Folge ist ein blutiger Kampf, der auch unter den Jugendlichen Opfer fordert. Und der natürlich Anlass ist für zahlreiche Action- und Ballerszenen, die vom Regisseur Dan Bradley ganz ordentlich in Szene gesetzt worden sind.

Interessanter als der Film selbst, sind die Begleitumstände seines Entstehens: Er ist das recht freie Remake des Kaltenkrieg-Spektakels „Die Rote Flut“, der 1984 mit den damaligen Jungstars Patrick Swayze und Charlie Sheen in den Kinos kam. Und in dem die Invasoren Russen und Kubaner waren. Auch die jetzt angreifenden Nordkoreaner sind nur Zweite Wahl. Zuerst attackierten Chinesen die USA, dann merkten die Produzenten, dass so etwas womöglich schlecht für das lukrative China-Geschäft sein könnte, und verwandelten daher in einer Nachbearbeitungsphase die Chinesen kurzerhand in kommerziell harmlosere Nordkoreaner. Dass der Film jetzt überhaupt in unseren Kinos läuft und nicht gleich im Nachtprogramm auf RTL 2 oder Tele 5 versendet wird, liegt wohl vor allem an dem neuen Starruhm von Josh Hutcherson („Die Tribute von Panem – The Hunger Games“) und Chris Hemsworth („Marvel’s The Avengers“). Eine andere Erklärung gibt es jedenfalls nicht.

Red Dawn, Regie: Dan Bradley, USA 2012, 93 Min., FSK: 16

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Gefährliche Muttermilch

Dezember 26, 2012 2 Kommentare
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Schönes Geschenk

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Kritik: Im Namen des Vaters

Dezember 24, 2012 1 Kommentar

Einen ungewöhnlich rauen Kontrast zu den besinnlichen Festtagen bietet der ARD-„Tatort“ am zweiten Weihnachtstag. Und wie bereit in den letzten beiden Fällen des Frankfurter Ermittler-Duos Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) stammt die erneut von Lars Kraume inszenierte Geschichte „Im Namen des Vaters“ aus dem Buch „Auf der Spur des Bösen“, das der Bremer Kommissar und Profiler Axel Petermann veröffentlicht hat und das eine Sammlung von realen Fällen enthält, die zeigt, wie schnell ganz normale Bürger zu Mördern werden können.

Schauplatz ist der Kiez, das Milieu der kleinen Leute. Und ein Biotop für gestrandete Menschen, verlorene Seelen und einsame Herzen. Dort wird am Rande eines Schulhofes am Neujahrsmorgen die Leiche von Agnes (Anna Böttcher) gefunden. Eine ältere Frau und Trinkerin, die im Kiez bekannt gewesen ist wie ein bunter Hund. Nicht nur aber auch wegen ihrer häufig wechselnden Sexualpartner. Sie hat mit dem vorbestraften Viktor (Paulus Manker) zusammen gelebt, ist aber, wie sich schnell herausstellt, bereits fünf Tage von Zuhause fort gewesen, hat sich in der Zeit offenbar in den Kneipen und bei Männerbekanntschaften herumgetrieben.

Als Steier und Mey am Tatort erscheinen, irritiert den gewohnt übelgelaunten Hauptkommissar jedoch vor allem eins: Seine Kollegin duzt ihn plötzlich. Beide, das wird in der kurzen Anfangsszene gezeigt, haben den Silvesterabend in ihrem Kommissariat gefeiert. Sie mit Kollegen und er allein trinkend in seinem Büro. Als sie ihn dort kurz nach Mitternacht aufgesucht hat, haben sie Brüderschaft getrunken mit Kuss und allem was dazugehört. Und er hat sogar beschlossen, mit dem Alkohol endlich im neuen Jahr aufzuhören. Doch am Morgen danach weiß er davon kaum noch etwas – ein Filmriss eben, wie so oft. Diese kleine private Episode bleibt jedoch die Ausnahme in diesem Film, der sich fast ausschließlich auf die ziemlich akribische Ermittlungsarbeit konzentriert. Bei ihr kommt heraus, dass besagte Agnes die Silvesternacht in ihrer Stammkneipe gefeiert hat. Zusammen mit einem Stammkunden (Rainer Bock) und dem Priester (Florian Lukas) des Viertels, der bei der Vernehmung durch die Polizei auffällig ausweichend reagiert. Und auch der Stammkunde verhält sich äußerst verdächtig.

Wer der Täter ist, dass ahnt man zwar schnell, was eine Schwäche dieses Films ist. Dennoch bleibt er bis zum Schluss eine spannende und atmosphärisch stimmige Milieustudie. Bemerkenswert ist auch die darstellerische Leistung des Ensembles, aus dem vor allem der Wiener Paulus Manker hervorzuheben ist. Und der zynisch bis lakonisch agierende Król wird wieder einmal wunderbar von Kunzendorf ergänzt, die leider nach dem kommenden Fall das Frankfurter-Team verlassen wird.

ARD, 26.12.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 26.12.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 27.12.2012, 03:00 Uhr

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Frohe Weihnachten!

Dezember 23, 2012 1 Kommentar
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Prost!

Dezember 22, 2012 3 Kommentare
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Kritik: Der Teufel von Mailand

Kommen nun nach den Schweden- die Schweiz-Krimis? Das ZDF plant jedenfalls eine Reihe mit eidgenössischen Filmen, die alle aus der Feder des Schweizer Krimi- und Bestsellerautors Martin Suter stammen. Zwei sind bereits abgedreht und werden jetzt gezeigt. Den Auftakt bestreitet am heutigen Sonnabend „Der Teufel von Mailand“, am 5. Januar ist dann „Der letzte Weynfeldt“ zu sehen. Und weitere Krimis sollen folgen. Ein Problem dieser kleinen Reihe könnte jedoch sein, dass sie nicht von einer zentralen Figur zusammengehalten werden. Sondern es sich dabei um Einzelstücke handelt, die nach ZDF-Angaben „unterschiedlicher nicht sein können, die aber die professionelle Schreibe des Autors und der hohe Produktionswert einen“.

Typisch schweizerisch ist jedenfalls der Schauplatz des von Markus Welter inszenierten Auftaktfilms. „Der Teufel von Mailand“ führt den Zuschauer in die Bergwelt des Unterengadins, eine imposante und hier entsprechend beeindruckend abgefilmte Kulisse. Dorthin verschlägt es die Züricherin Sonia Forster (Regula Grauwiller), die überraschend eine Stelle als Physiotherapeutin eines Wellness-Hotels in dem Dorf Val Grisch angeboten bekommt. Für sie eine Chance ihrem bisherigen Leben zu entfliehen. Ihr Mann, ein reicher Banker, hat sie bei einem Streit heftig geschlagen, ja fast dabei getötet. Und ist wegen dieses Vorfalls in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen wurden. Seine Mutter (Elisabeth Trissenaar) bedrängt sie nun ständig, dass sie die Aussage gegen ihren Sohn zurücknimmt.

Doch trotz ihres Ortswechsels wird Sonia auch weiterhin von der bösen Tat verfolgt. Sie leidet unter Ängste und Albträume. Und dann geschehen in dem einsam gelegenen Hotel plötzlich seltsame Dinge. Ein Baum wird vergiftet, Sonias geliebter Wellensittich getötet. Auch der Hund der herrisch mondänen Hotelbesitzerin (Ina Weisse) ist mit einem Mal verschwunden. Und Sonia glaubt sogar ihren Mann kurz gesehen zu haben. Besonders unheimlich sind diese Zwischenfälle, weil sie ziemlich genau der alten gruseligen (von Suter ausgedachten) Sage vom „Teufel von Mailand“ entsprechen. Ein Zufall? Eine Verschwörung? Und wer steckt dahinter?

Das wird natürlich an dieser Stelle nicht verraten. Der Film selbst besticht vor allem durch seine Optik, durch opulent bebilderte Szenen und auch das Innenleben seiner Protagonistin wird visuell gut dargestellt. Doch ganz kann er leider nicht überzeugen. Zu sehr schwankt er zwischen Mysteryfilm und einem Psychothriller, der ein wenig sogar an den kongenialen Klassiker „Shining“ erinnert. Dabei baut er anfangs zwar ordentlich Spannung auf, wirkt dann jedoch im Verlauf eher läppisch. Und auch die Auflösung der Geschichte ist entsprechend arg harmlos. Ein Pluspunkt ist jedoch die Idee, den Film beinahe ausschließlich mit bei uns unbekannten TV-Gesichtern zu besetzen, weil dadurch das Rätselhafte der Geschichte zusätzlich betont wird. Dagegen werden Suter-Kenner noch aus einem völlig anderen Grund enttäuscht sein. In der Romanvorlage leidet die Heldin unter Synästhesie. Das heißt unter einer Wahrnehmungsstörung, die es ihr ermöglich wie unter psychodelischen Drogen Farben zu spüren und Geräusche zu sehen. Und das fällt im Film leider fast völlig unter den Tisch. Schade.

ZDF, 22.12, 21.45 Uhr

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