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Kritik: Der Teufel von Mailand

Kommen nun nach den Schweden- die Schweiz-Krimis? Das ZDF plant jedenfalls eine Reihe mit eidgenössischen Filmen, die alle aus der Feder des Schweizer Krimi- und Bestsellerautors Martin Suter stammen. Zwei sind bereits abgedreht und werden jetzt gezeigt. Den Auftakt bestreitet am heutigen Sonnabend „Der Teufel von Mailand“, am 5. Januar ist dann „Der letzte Weynfeldt“ zu sehen. Und weitere Krimis sollen folgen. Ein Problem dieser kleinen Reihe könnte jedoch sein, dass sie nicht von einer zentralen Figur zusammengehalten werden. Sondern es sich dabei um Einzelstücke handelt, die nach ZDF-Angaben „unterschiedlicher nicht sein können, die aber die professionelle Schreibe des Autors und der hohe Produktionswert einen“.

Typisch schweizerisch ist jedenfalls der Schauplatz des von Markus Welter inszenierten Auftaktfilms. „Der Teufel von Mailand“ führt den Zuschauer in die Bergwelt des Unterengadins, eine imposante und hier entsprechend beeindruckend abgefilmte Kulisse. Dorthin verschlägt es die Züricherin Sonia Forster (Regula Grauwiller), die überraschend eine Stelle als Physiotherapeutin eines Wellness-Hotels in dem Dorf Val Grisch angeboten bekommt. Für sie eine Chance ihrem bisherigen Leben zu entfliehen. Ihr Mann, ein reicher Banker, hat sie bei einem Streit heftig geschlagen, ja fast dabei getötet. Und ist wegen dieses Vorfalls in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen wurden. Seine Mutter (Elisabeth Trissenaar) bedrängt sie nun ständig, dass sie die Aussage gegen ihren Sohn zurücknimmt.

Doch trotz ihres Ortswechsels wird Sonia auch weiterhin von der bösen Tat verfolgt. Sie leidet unter Ängste und Albträume. Und dann geschehen in dem einsam gelegenen Hotel plötzlich seltsame Dinge. Ein Baum wird vergiftet, Sonias geliebter Wellensittich getötet. Auch der Hund der herrisch mondänen Hotelbesitzerin (Ina Weisse) ist mit einem Mal verschwunden. Und Sonia glaubt sogar ihren Mann kurz gesehen zu haben. Besonders unheimlich sind diese Zwischenfälle, weil sie ziemlich genau der alten gruseligen (von Suter ausgedachten) Sage vom „Teufel von Mailand“ entsprechen. Ein Zufall? Eine Verschwörung? Und wer steckt dahinter?

Das wird natürlich an dieser Stelle nicht verraten. Der Film selbst besticht vor allem durch seine Optik, durch opulent bebilderte Szenen und auch das Innenleben seiner Protagonistin wird visuell gut dargestellt. Doch ganz kann er leider nicht überzeugen. Zu sehr schwankt er zwischen Mysteryfilm und einem Psychothriller, der ein wenig sogar an den kongenialen Klassiker „Shining“ erinnert. Dabei baut er anfangs zwar ordentlich Spannung auf, wirkt dann jedoch im Verlauf eher läppisch. Und auch die Auflösung der Geschichte ist entsprechend arg harmlos. Ein Pluspunkt ist jedoch die Idee, den Film beinahe ausschließlich mit bei uns unbekannten TV-Gesichtern zu besetzen, weil dadurch das Rätselhafte der Geschichte zusätzlich betont wird. Dagegen werden Suter-Kenner noch aus einem völlig anderen Grund enttäuscht sein. In der Romanvorlage leidet die Heldin unter Synästhesie. Das heißt unter einer Wahrnehmungsstörung, die es ihr ermöglich wie unter psychodelischen Drogen Farben zu spüren und Geräusche zu sehen. Und das fällt im Film leider fast völlig unter den Tisch. Schade.

ZDF, 22.12, 21.45 Uhr

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