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Kritik: Im Namen des Vaters

Einen ungewöhnlich rauen Kontrast zu den besinnlichen Festtagen bietet der ARD-„Tatort“ am zweiten Weihnachtstag. Und wie bereit in den letzten beiden Fällen des Frankfurter Ermittler-Duos Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) stammt die erneut von Lars Kraume inszenierte Geschichte „Im Namen des Vaters“ aus dem Buch „Auf der Spur des Bösen“, das der Bremer Kommissar und Profiler Axel Petermann veröffentlicht hat und das eine Sammlung von realen Fällen enthält, die zeigt, wie schnell ganz normale Bürger zu Mördern werden können.

Schauplatz ist der Kiez, das Milieu der kleinen Leute. Und ein Biotop für gestrandete Menschen, verlorene Seelen und einsame Herzen. Dort wird am Rande eines Schulhofes am Neujahrsmorgen die Leiche von Agnes (Anna Böttcher) gefunden. Eine ältere Frau und Trinkerin, die im Kiez bekannt gewesen ist wie ein bunter Hund. Nicht nur aber auch wegen ihrer häufig wechselnden Sexualpartner. Sie hat mit dem vorbestraften Viktor (Paulus Manker) zusammen gelebt, ist aber, wie sich schnell herausstellt, bereits fünf Tage von Zuhause fort gewesen, hat sich in der Zeit offenbar in den Kneipen und bei Männerbekanntschaften herumgetrieben.

Als Steier und Mey am Tatort erscheinen, irritiert den gewohnt übelgelaunten Hauptkommissar jedoch vor allem eins: Seine Kollegin duzt ihn plötzlich. Beide, das wird in der kurzen Anfangsszene gezeigt, haben den Silvesterabend in ihrem Kommissariat gefeiert. Sie mit Kollegen und er allein trinkend in seinem Büro. Als sie ihn dort kurz nach Mitternacht aufgesucht hat, haben sie Brüderschaft getrunken mit Kuss und allem was dazugehört. Und er hat sogar beschlossen, mit dem Alkohol endlich im neuen Jahr aufzuhören. Doch am Morgen danach weiß er davon kaum noch etwas – ein Filmriss eben, wie so oft. Diese kleine private Episode bleibt jedoch die Ausnahme in diesem Film, der sich fast ausschließlich auf die ziemlich akribische Ermittlungsarbeit konzentriert. Bei ihr kommt heraus, dass besagte Agnes die Silvesternacht in ihrer Stammkneipe gefeiert hat. Zusammen mit einem Stammkunden (Rainer Bock) und dem Priester (Florian Lukas) des Viertels, der bei der Vernehmung durch die Polizei auffällig ausweichend reagiert. Und auch der Stammkunde verhält sich äußerst verdächtig.

Wer der Täter ist, dass ahnt man zwar schnell, was eine Schwäche dieses Films ist. Dennoch bleibt er bis zum Schluss eine spannende und atmosphärisch stimmige Milieustudie. Bemerkenswert ist auch die darstellerische Leistung des Ensembles, aus dem vor allem der Wiener Paulus Manker hervorzuheben ist. Und der zynisch bis lakonisch agierende Król wird wieder einmal wunderbar von Kunzendorf ergänzt, die leider nach dem kommenden Fall das Frankfurter-Team verlassen wird.

ARD, 26.12.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 26.12.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 27.12.2012, 03:00 Uhr

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. Dezember 28, 2012 um 9:44 am

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