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Archive for Januar 2013

Kritik: The Impossible

Die Bilder kennt man zwar. Man hat sie oft gesehen, doch ihren Schrecken haben sie dabei nicht verloren. Die Rede ist vom Tsunami, der Weihnachten 2004 weite Teile Südostasiens verwüstet hat und bei dem fast 250000 Menschen umgekommen sind. Eine solch verheerende Naturkatastrophe in einem Kinofilm auch nur halbwegs glaubwürdig darzustellen, ist natürlich nahezu unmöglich. Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona („Das Waisenhaus“) hat es dennoch mit „The Impossible“ überzeugend versucht – mit einem legitimen Trick. Er konzentriert sich ganz (nach einem realen Vorbild) auf das Schicksal einer Familie. Alle anderen Mitwirkenden darunter immerhin Geraldine Chaplin werden zu reinen Statisten, und Bayona konzentriert sich fast zwei Stunden lang dann auf den Überlebenskampf der Familie, auf deren Verzweiflung und deren übermenschlichen Lebenswillen.

Schauplatz ist die Urlauberregion Phuket an der thailändischen Küste. Dort verbringen Henry Bennett (Ewan McGregor), seine Frau Maria (Naomi Watts) und die drei gemeinsamen Söhne Lucas (Tom Holland), Thomas (Samuel Joslin) und Simon (Oaklee Pendergast) ihren Weihnachtsurlaub. Doch bereits am zweiten Tag wird das Urlaubsidyll schlagartig zerstört. Als Maria mit ihren Söhnen am Strand ist, bebt die Erde und eine Riesenwelle überflutet kurz danach das Land. Auch Maria wird von ihr erfasst, kämpft in den Fluten um ihr Leben, wird schwer verletzt und sieht dann plötzlich ihren ältesten Sohn Lucas im Wasser treiben. Beide können sich schließlich mit Hilfe von Einheimischen an Land retten. Aber der Rest ihrer Familie ist verschwunden.

Ob Marias Mann und ihre beiden anderen Söhne überlebt haben und unter welchen Umständen sie womöglich wieder zusammenfinden, daraus bezieht der Film seine Spannung und seine Dramatik. Zuviel sollte man also vorm Kinobesuch nicht über dieses ergreifende Katastrophen-Melodram lesen. Beeindruckend ist, wie beängstigend echt der Tsumami in Szene gesetzt worden ist, obwohl die Flutszenen in einem Wassertank in Spanien gedreht worden sind. Aber vor allem bemerkenswert ist die Leistung der Hauptdarsteller. Allen voran der junge Engländer Tom Holland, der im Mittelpunkt der hoch emotionalen Geschichte steht. Und Naomi Watts, die soviel körperlichen Einsatz zeigt, dass dies allein ihre Oscar-Nominierung rechtfertigt.

The Impossible, Regie: Juan Antonio Bayona, USA 2012, 114 Min., FSK 12

Filmtipp der Woche: Flesh Gordon

Januar 31, 2013 1 Kommentar
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Paperman

Januar 31, 2013 1 Kommentar
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Golf

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Platz da!

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Kritik: Camilla Läckberg – „Der Leuchtturmwärter“

Annie ist auf der Flucht. Sie hat immer noch Blut an den Händen. Irgendetwas Schreckliches muss geschehen sein. Mit ihrem kleinen Sohn versteckt sie sich auf einer winzigen Leuchtturminsel vor dem Touristen- und Küstenstädtchen Fjällbacka unweit von Göteborg. Diese „Geisterinsel“ ist schon seit Generation im Besitz ihrer Familie. Auf ihr soll es spuken, weil die Toten – erzählen sich die Einheimischen –  von ihr nicht mehr zurückkommen. Dort besucht sie ihre Jugendliebe Mats, der sich als Gemeindeangestellter um die Finanzen von Fjällbacka kümmert. Zuvor hat er in Göteborg für ein Frauenhaus gearbeitet, ist dort aber von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen worden und hat danach die Stadt verlassen, um in seinem friedlicheren Heimatstädtchen zu leben. Am Tag nach seinem Besuch bei Annie wird Mats jedoch erschossen in seiner Wohnung aufgefunden.

Patrik Hedström von der lokalen Polizei übernimmt die Ermittlungen, die sich als sehr schwierig erweisen. Und natürlich, das wissen Camilla-Läckberg-Leser, wird Hedström bei seiner Arbeit unterstützt von seiner Frau, der Schriftstellerin Erica Falck. Bereits zum siebenten Mal steht dieses Duo im Mittelpunkt eines Krimis der schwedischen Bestsellerautorin. Eine Reihe, die 2002 mit „Die Eisprinzessin schläft“ eröffnet worden ist und deren Bücher alle in Läckbergs Geburtsort Fjällbacka spielen. Und auch in „Der Leuchtturmwärter“ erfährt man wieder viel, ja sehr viel über das Leben und die Familien der handelnden Personen. Was für Freunde dieser Krimi-Reihe bestimmt ein Vergnügen ist, weil eben sehr vieles vertraut erscheint und sie beim Lesen auf alte Bekannte treffen. Was auf neue Leser indes ein wenig abschreckend und auch verwirrend wirkt, besonders weil sich die eigentliche Krimihandlung dadurch anfangs eher schleppend entwickelt.

Ähnlich „gewöhnungsbedürftig“ sind die zahlreichen Personen, aus deren Perspektive die Geschichte schnell abwechselnd erzählt wird. Doch nach etwa der Hälfte des recht umfangreichen Buches zieht die Autorin das Erzähltempo spürbar an, es entwickelt sich ein zwar komplizierter, gleichwohl zunehmend spannender Kriminalfall. Und am Ende überrascht die Autorin die Leser mit einer verblüffenden Auflösung.

Camilla Läckberg, „Der Leuchtturmwärter“, List Hardcover, 480 Seiten, 19,99 Euro.

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Kritik: Die Kronzeugin – Mord in den Bergen

Der Anfang des Films ist für den Zuschauer schon ein wenig irritierend. Da sieht er die beiden noch recht jungen BKA-Mitarbeiter Ines (Melika Foroutan) und Holger (Florian Panzner), wie sie in ihrem Dienstagwagen auf ihren Einsatz warten. Und dann hört er dazu aus dem Off die Stimme der Polizistin, die tatsächlich erzählt, dass sie in wenigen Tagen tot sein werde. Solch einen Erzähler (oder eine Erzählerin), der gleichsam aus dem Jenseits zu den Zuschauern spricht, ist für eine deutsche Fernsehproduktion immer noch höchst ungewöhnlich, obwohl man so etwas ja aus bekannten Kinofilmen wie „American Beauty“ oder dem Billy-Wilder-Klassiker „Boulevard der Dämmerung“ durchaus kennt.

Aber zu sehr sollte man sich davon nicht irritieren lassen, dafür ist der ZDF Montagskrimi „Die Kronzeugin – Mord in den Bergen“ dann doch recht diesseitig und keineswegs versponnen esoterisch. Im Mittelpunkt steht das Aufeinandertreffen zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Rede ist von der schon erwähnten Ines, die für das BKA-Zeugenschutzprogramm arbeitet. Sie ist Mitte 30, schon seit einiger Zeit Single und nicht nur sexuell ziemlich frustriert. Und ihr Widerpart ist die selbstbewusste Evelyn (Iris Berben), ein ehemaliges Luxuscallgirl, die in offenbar finstere Rotlicht-Geschäfte verstrickt ist und die nun gegen ihren Mann sowie dessen russische Mafiapartner vor Gericht aussagen möchte.

Damit Evelyn nichts zustößt, wird sie als Kronzeugin in einem kleinen Nest in den Alpen versteckt. Ihre Aufpasser sind Ines und Holger, die ihr zudem helfen sollen, mit ihrer neuen Identität klarzukommen. Ines übernimmt dabei die Rolle von Evelyns Tochter. Beide Frauen ziehen sogar in eine gemeinsame Wohnung, die von Holger mit versteckten Mini-Kameras überwacht wird. Und dann tauchen in dem Alpen-Kaff plötzlich zwei seltsame Gestalten auf. Ein kettenrauchender Bergwanderer, der ganz offensichtlich Ines beobachtet. Und ein Typ, der sich verhält und ausschaut wie ein Bilderbuch-Profikiller.

Die Bedrohung durch diese leider ziemlich klischeehaft gezeichneten und bisweilen unfreiwillig komisch auftretenden Figuren, ist jedoch zum Glück eher zweitrangig. Denn seinen Reiz und auch seine Spannung bezieht der von Christiane Balthasar in Szene gesetzte Film (Drehbuch: Thorsten Wettcke) aus der sich entwickelnden Beziehung zwischen den beiden Frauen. Dabei verliert Ines ihre anfangs sorgsam gepflegte Distanz. Und es entsteht eine Nähe höchster Intensität. Treibende und damit bestimmende Kraft in diesem packenden Annäherungsprozess ist Evelyn, die geschickt in gemeinsamen zunehmend emotionsgeladenen Gesprächen die Schwächen von Ines aufdeckt und ihr schließlich fast schon intime Geständnisse entlockt. Evelyn weiß halt, wie man Menschen eiskalt manipuliert. Und nicht ohne Grund nannte man sie „die schöne Eiskönigin“.

Wie Iris Berben diese Figur spielt, macht beim Zuschauen einfach Spaß. Dabei zieht sie alle vermeintlich weiblichen Register, ist mal Vamp, dann kleines großes Mädchen. Und nie weiß man genau, ob sie gerade lügt und betrügt oder nur entwaffnend ehrlich ist. Gut ergänzt wird sie von Melika Foroutan, die die Entwicklung von der taffen Polizistin zur einsamen und bereits vom Leben schwer enttäuschten jungen Frau überzeugend verkörpert.

ZDF, 28.01.2013, 20:15 Uhr

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Lecker Pasta

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Kritik: Flight

Den Oscar, für den Denzel Washington als Hauptdarsteller in „Flight“ nominiert ist, hat er sich mehr als verdient. So überzeugend und so lebensnah verkörpert er in dem Film einen Suchtkranken. Einen Typen, der unter Größenwahn leidet und ein wahrer Verdrängungskünstler ist. Der brüllt, um sich schlägt und kurz danach in tiefsten Depressionen zu versinken droht. Und der völlig unverantwortlich und eigentlich unsympathisch ist. Aber dank Washingtons Leistung dennoch für den Zuschauer zur Identifikationsfigur wird, mit deren Schicksal er dann gut zwei Stunden im Kino mitfiebert.

Die Rede ist von Whip Whitaker. Einem erfahrenen Flugkapitän, der sein Leben in vollen Zügen mit Frauen, Drogen und Alkohol genießt. Und wie extrem er es dabei treibt, zeigt gleich die Anfangsszene: Nach durchzechter Nacht erwacht Whip in seinem Hotelbett an der Seite einer hübschen Stewardess. Er ist schwer verkatert, auch sein Kreislauf macht Probleme – und da hilft nur eins: eine Prise Kokain. Schlagartig ist Whip hellwach, scheint vor Energie nur so zu strotzen und beginnt kurz danach schon seinen Dienst als Kapitän eines Linienfluges. Nach dem Start gibt es zwar heftigste Turbulenzen, die er jedoch souverän bewältigt. Und zur vermeintlichen Entspannung gönnt er sich nun in der folgenden ruhigeren Flugphase heimlich einen doppelten Wodka.

Und dann kommt es zur Katastrophe. Das Flugzeug verliert plötzlich wegen eines Defekts dramatisch an Höhe. Teile seiner Maschine fallen aus oder fangen Feuer. Und nur durch eine unglaubliche, ja fast schon unmenschliche Meisterleistung gelingt Whip schließlich eine kontrollierte Bruchlandung, bei der „nur“ sechs der 102 Insassen ums Leben kommen. Und der Zuschauer fragt sich, ob Whip dies alles geschafft hat trotz oder womöglich wegen seines Drogenkonsums. – Diese sehr lange Szene ist so perfekt inszeniert, dass nicht nur Zuschauer mit Flugangst dabei unter fürchterlichen Beklemmungen leiden werden. Denn beängstigender hat man wohl tatsächlich noch nie eine fiktive Flugzeugkatastrophe im Kino gesehen.

Whip selbst überlebt das Unglück leicht verletzt, kommt ins Krankenhaus und wird wegen seiner Rettungsaktion von den Medien als Held gefeiert. Im Hospital lernt er eine Alkohol- und Heroinabhängige (Kelly Reilly) kennen, die gerade auf Entzug ist und in die er sich verliebt. Alles scheint für ihn wieder in bester Ordnung zu sein, bis die Ergebnisse eines Bluttests vorliegen. Sie beweisen, dass Whip während des Flugs unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden hat. Gegen ihn wird nun ermittelt. Und es droht ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Inszeniert hat diese Geschichte Robert Zemeckis. Zuvor hat der Oscar-Preisträger, dem wir moderne Klassiker verdanken wie „Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“ oder „Contact“, sich gut zehn Jahre als Regisseur und Produzent ausschließlich mit computeranimierten Trickfilmen beschäftigt. Er ist aber jetzt zum Realfilm zurückgekehrt mit einer beeindruckenden Charakterstudie eines Alkoholkranken, die so emotional packend und so gut konstruiert ist, dass sie sogar, wie der kommerzielle Erfolge in den USA beweist, ein Massenpublikum anspricht. Und nicht nur Washington ist dafür für den Oscar nominiert worden, sondern auch John Gatins für sein Drehbuch. Auch das ganz zu Recht.

Flight, Regie: Robert Zemeckis, USA 2012, 139 Min., FSK: 12

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Tor!

Januar 23, 2013 1 Kommentar
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