Startseite > Uncategorized > Kritik: Tatort – Machtlos

Kritik: Tatort – Machtlos

Die Männerwoche im ARD-„Tatort“ geht weiter: Nach dem Münchener-Duo am vergangenen Sonntag, dem Kölner Ermittlerpaar am Neujahrsabend ermitteln nun die beiden Berliner Kommissare Till Ritter (Dominic Raake) und Felix Stark (Boris Aljinovic). Und die zwei, die sonst leider für eher mäßig aufregende Krimifälle bekannt sind, überraschen in „Machtlos“ mit einem erstaunlich starken TV-Auftritt.

Dabei kommt der Fall ohne die obligatorische Eröffnungsleiche aus, auf Actionszenen wird völlig verzichtet, offensichtliche Brutalitäten bleiben den Zuschauern erspart, stattdessen steht im Mittelpunkt dieses Krimi-Kammerspiels ein spannendes und emotional aufrührendes Psychoduell. Mit einem der interessantesten Täter, der in den letzten Jahren im „Tatort“ zu sehen gewesen ist. Gespielt wird er von Edgar Selge, der hier auch zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Sohn, dem Theaterschauspieler Jakob Walser, vor der Kamera steht.

Geschildert wird in dem Film ein Entführungsfall. Der neunjährige Sohn einer Bankiersfamilie wird in der Wohnung seines Musiklehrers von einem Unbekannten entführt. Ritter und Stark kümmern sich als Kontaktpersonen der Eltern um den Fall. Nach einem Tag zermürbenden Wartens stellt der Entführer (Selge) endlich eine erste Forderung. Er verlangt zunächst 500000 Euro, die ihm am Berliner Alex überreicht werden sollen. Nach der Geldübergabe verhält sich der Täter dann jedoch äußerst ungewöhnlich. Vor den Augen der alles überwachenden Polizei verteilt er in Seelenruhe das ergaunerte Geld an Menschen, die ihm am Alex zufällig begegnen. Und er lässt sich auch noch ohne jeglichen Widerstand festnehmen.

Doch bei den nun folgenden Verhören, aus denen der Film gekonnt seine Spannung bezieht, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Entführer verlangt jetzt weitere zehn Millionen Euro und freies Geleit. Andernfalls, so droht er, werde der entführte Junge in seinem Versteck verdursten. Wie sich im Verlauf der Ermittlungen herausstellt, handelt es sich bei dem Täter um Uwe Braun. Ein früherer Unternehmer, dessen Firma durch die Mitschuld des Vaters des entführten Jungen vor Jahren in den Ruin getrieben worden ist. Und der sich jetzt mit dieser Tat nicht persönlich bereichern, sondern, wie er gegenüber seinem Sohn (Walser) sagt, „ein Zeichen“ setzen möchte. Ein Vorhaben, das er mit erschreckend wirkender Ernsthaftigkeit, ja mit eiskaltem Fanatismus umsetzt. Und bei dem er scheinbar auch den Tod seines kindlichen Opfers in Kauf nimmt.

Obwohl diese Tat und ihre Umstände abscheulich sind, bleiben die beiden Kommissare bei den folgenden Verhören fast unmenschlich ruhig und extrem konzentriert. Es gelingt ihnen tatsächlich, Emotionen völlig auszublenden. Es wird weder geschrien, noch werden Türen geknallt oder wird gar mit Gewalt gedroht. Und Raake und Aljinovic, die sich wie der Regisseur und Autor Klaus Krämer für diese Szenen vom Berliner LKA intensiv beraten ließen, spielen dieses alles richtig gut. Eine tolle Leistung, genau wie die von Selge, dem es gelingt, seine Rolle so vielschichtig anzulegen, dass der Zuschauer zwischendurch sogar unweigerlich Verständnis für ihn empfindet.

Kurzum: Im Vergleich mit ihren Kölner und Münchener Kollegen gelingt den Berlinern mit diesem Film ein überraschender Punktsieg.

ARD, 06.01.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 06.01.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 06.01.2013, 23:45 Uhr
ARD, 08.01.2013, 00:35 Uhr

Advertisements
Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , , ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. Januar 29, 2013 um 2:26 am

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: