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Vogelwild

Der gute alte Hühnerhaufen hat ausgedient. Zumindest im Fußball. Und selbst bei Hannover 96. Zwar erinnert die Abwehr der 96-Kicker immer noch oft an einen Haufen wild durcheinanderlaufender Hühner, die sich um eine Handvoll hingeworfener Körner streiten. Aber von einem Abwehr-Hühnerhaufen spricht heute keiner mehr. Stattdessen heißt es in allen Reportagen, ob in Radio, Fernsehen oder Zeitungen, nur noch „vogelwild“.

So hat beispielsweise am vergangenen Freitag der Schöngeist unter den Fußballkommentatoren, Sky-Reporter Marcel Reif, beim Spiel der hannoverschen Roten gegen die Königsblauen aus Schalke gleich mehrfach die Spielweise der 96er-Abwehrreihe als vogelwild bezeichnet. Und da diese Wildheit offenbar ansteckend ist, spielten schließlich auch die Schalker nach Reifs Worten vogelwild. Die Folge war bekanntlich ein lustiges 4:5, das dann auch in meiner Zeitung am Morgen danach gleich zweimal konsequent auf die vogelwilde Defensivleistung der Hannoveraner zurückgeführt wurde.

Doch schaut man in den Duden, dann gibt es das Wort „vogelwild“ trotz seiner medialen Popularität überhaupt nicht. Und in einem solch merkwürdigen Fall schlägt man am besten im Internet bei Google nach. Dort wird man dann auch schnell fündig. Demnach begann „vogelwild“ seinen Siegeszug bereits in der Bundesligasaison 2008/09. Besonders oft soll es im Sportmagazin „Kicker“ plötzlich aufgetaucht sein und bei dem damaligen Premiere-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis, der sowieso als Metaphern-Quäler gefürchtet ist. Außerdem heißt es in einem Sportforum, das „vogelwild“ im Bayrischen schon immer gern verwendet wird. Und der bajuwarische Rockpoet Georg Ringswandl, der auch in Hannover regelmäßig zu Gast ist, hat 1992 ein Album sogar „Vogelwild“ genannt.

Und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit bis „vogelwild“ auch außerhalb der Fußballsprache verwendet wird. Schließlich passt es doch ganz gut beispielsweise zu dem Verhalten der FDP-Spitze, auch der SPD-Kanzlerkandidat verhält sich ja ziemlich vogelwild und die Energiepolitik der Bundesregierung ist manchmal genau so. Da kann man nur hoffen, dass zumindest die 96er ihre Hühnerhaufen-Abwehr endlich in den Griff bekommen.

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Kategorien:Uncategorized
  1. Januar 23, 2013 um 8:21 pm

    Bei den vielen Zukäufen ist ja hoffentlich auch mal was Vernünftiges für die Abwehr dabei… Da hat 96 bald mehr Konkurrenz als im Angriff. Sonst müssen sie Mertesacker zurückholen 😉

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