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Kritik: Flight

Den Oscar, für den Denzel Washington als Hauptdarsteller in „Flight“ nominiert ist, hat er sich mehr als verdient. So überzeugend und so lebensnah verkörpert er in dem Film einen Suchtkranken. Einen Typen, der unter Größenwahn leidet und ein wahrer Verdrängungskünstler ist. Der brüllt, um sich schlägt und kurz danach in tiefsten Depressionen zu versinken droht. Und der völlig unverantwortlich und eigentlich unsympathisch ist. Aber dank Washingtons Leistung dennoch für den Zuschauer zur Identifikationsfigur wird, mit deren Schicksal er dann gut zwei Stunden im Kino mitfiebert.

Die Rede ist von Whip Whitaker. Einem erfahrenen Flugkapitän, der sein Leben in vollen Zügen mit Frauen, Drogen und Alkohol genießt. Und wie extrem er es dabei treibt, zeigt gleich die Anfangsszene: Nach durchzechter Nacht erwacht Whip in seinem Hotelbett an der Seite einer hübschen Stewardess. Er ist schwer verkatert, auch sein Kreislauf macht Probleme – und da hilft nur eins: eine Prise Kokain. Schlagartig ist Whip hellwach, scheint vor Energie nur so zu strotzen und beginnt kurz danach schon seinen Dienst als Kapitän eines Linienfluges. Nach dem Start gibt es zwar heftigste Turbulenzen, die er jedoch souverän bewältigt. Und zur vermeintlichen Entspannung gönnt er sich nun in der folgenden ruhigeren Flugphase heimlich einen doppelten Wodka.

Und dann kommt es zur Katastrophe. Das Flugzeug verliert plötzlich wegen eines Defekts dramatisch an Höhe. Teile seiner Maschine fallen aus oder fangen Feuer. Und nur durch eine unglaubliche, ja fast schon unmenschliche Meisterleistung gelingt Whip schließlich eine kontrollierte Bruchlandung, bei der „nur“ sechs der 102 Insassen ums Leben kommen. Und der Zuschauer fragt sich, ob Whip dies alles geschafft hat trotz oder womöglich wegen seines Drogenkonsums. – Diese sehr lange Szene ist so perfekt inszeniert, dass nicht nur Zuschauer mit Flugangst dabei unter fürchterlichen Beklemmungen leiden werden. Denn beängstigender hat man wohl tatsächlich noch nie eine fiktive Flugzeugkatastrophe im Kino gesehen.

Whip selbst überlebt das Unglück leicht verletzt, kommt ins Krankenhaus und wird wegen seiner Rettungsaktion von den Medien als Held gefeiert. Im Hospital lernt er eine Alkohol- und Heroinabhängige (Kelly Reilly) kennen, die gerade auf Entzug ist und in die er sich verliebt. Alles scheint für ihn wieder in bester Ordnung zu sein, bis die Ergebnisse eines Bluttests vorliegen. Sie beweisen, dass Whip während des Flugs unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden hat. Gegen ihn wird nun ermittelt. Und es droht ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Inszeniert hat diese Geschichte Robert Zemeckis. Zuvor hat der Oscar-Preisträger, dem wir moderne Klassiker verdanken wie „Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“ oder „Contact“, sich gut zehn Jahre als Regisseur und Produzent ausschließlich mit computeranimierten Trickfilmen beschäftigt. Er ist aber jetzt zum Realfilm zurückgekehrt mit einer beeindruckenden Charakterstudie eines Alkoholkranken, die so emotional packend und so gut konstruiert ist, dass sie sogar, wie der kommerzielle Erfolge in den USA beweist, ein Massenpublikum anspricht. Und nicht nur Washington ist dafür für den Oscar nominiert worden, sondern auch John Gatins für sein Drehbuch. Auch das ganz zu Recht.

Flight, Regie: Robert Zemeckis, USA 2012, 139 Min., FSK: 12

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