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Kritik: Die Kronzeugin – Mord in den Bergen

Der Anfang des Films ist für den Zuschauer schon ein wenig irritierend. Da sieht er die beiden noch recht jungen BKA-Mitarbeiter Ines (Melika Foroutan) und Holger (Florian Panzner), wie sie in ihrem Dienstagwagen auf ihren Einsatz warten. Und dann hört er dazu aus dem Off die Stimme der Polizistin, die tatsächlich erzählt, dass sie in wenigen Tagen tot sein werde. Solch einen Erzähler (oder eine Erzählerin), der gleichsam aus dem Jenseits zu den Zuschauern spricht, ist für eine deutsche Fernsehproduktion immer noch höchst ungewöhnlich, obwohl man so etwas ja aus bekannten Kinofilmen wie „American Beauty“ oder dem Billy-Wilder-Klassiker „Boulevard der Dämmerung“ durchaus kennt.

Aber zu sehr sollte man sich davon nicht irritieren lassen, dafür ist der ZDF Montagskrimi „Die Kronzeugin – Mord in den Bergen“ dann doch recht diesseitig und keineswegs versponnen esoterisch. Im Mittelpunkt steht das Aufeinandertreffen zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Rede ist von der schon erwähnten Ines, die für das BKA-Zeugenschutzprogramm arbeitet. Sie ist Mitte 30, schon seit einiger Zeit Single und nicht nur sexuell ziemlich frustriert. Und ihr Widerpart ist die selbstbewusste Evelyn (Iris Berben), ein ehemaliges Luxuscallgirl, die in offenbar finstere Rotlicht-Geschäfte verstrickt ist und die nun gegen ihren Mann sowie dessen russische Mafiapartner vor Gericht aussagen möchte.

Damit Evelyn nichts zustößt, wird sie als Kronzeugin in einem kleinen Nest in den Alpen versteckt. Ihre Aufpasser sind Ines und Holger, die ihr zudem helfen sollen, mit ihrer neuen Identität klarzukommen. Ines übernimmt dabei die Rolle von Evelyns Tochter. Beide Frauen ziehen sogar in eine gemeinsame Wohnung, die von Holger mit versteckten Mini-Kameras überwacht wird. Und dann tauchen in dem Alpen-Kaff plötzlich zwei seltsame Gestalten auf. Ein kettenrauchender Bergwanderer, der ganz offensichtlich Ines beobachtet. Und ein Typ, der sich verhält und ausschaut wie ein Bilderbuch-Profikiller.

Die Bedrohung durch diese leider ziemlich klischeehaft gezeichneten und bisweilen unfreiwillig komisch auftretenden Figuren, ist jedoch zum Glück eher zweitrangig. Denn seinen Reiz und auch seine Spannung bezieht der von Christiane Balthasar in Szene gesetzte Film (Drehbuch: Thorsten Wettcke) aus der sich entwickelnden Beziehung zwischen den beiden Frauen. Dabei verliert Ines ihre anfangs sorgsam gepflegte Distanz. Und es entsteht eine Nähe höchster Intensität. Treibende und damit bestimmende Kraft in diesem packenden Annäherungsprozess ist Evelyn, die geschickt in gemeinsamen zunehmend emotionsgeladenen Gesprächen die Schwächen von Ines aufdeckt und ihr schließlich fast schon intime Geständnisse entlockt. Evelyn weiß halt, wie man Menschen eiskalt manipuliert. Und nicht ohne Grund nannte man sie „die schöne Eiskönigin“.

Wie Iris Berben diese Figur spielt, macht beim Zuschauen einfach Spaß. Dabei zieht sie alle vermeintlich weiblichen Register, ist mal Vamp, dann kleines großes Mädchen. Und nie weiß man genau, ob sie gerade lügt und betrügt oder nur entwaffnend ehrlich ist. Gut ergänzt wird sie von Melika Foroutan, die die Entwicklung von der taffen Polizistin zur einsamen und bereits vom Leben schwer enttäuschten jungen Frau überzeugend verkörpert.

ZDF, 28.01.2013, 20:15 Uhr

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