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Kritik: Tatort – Zwischen den Fronten

Für Freunde von gepflegten Verschwörungstheorien ist dieser ORF-„Tatort“ ein rechter Augenschmaus. Dabei scheint der Fall anfangs eindeutig zu sein: Am Rande einer UN-Konferenz in Wien explodiert eine Bombe. Der Anschlag hat offenbar einem amerikanischen Diplomaten gegolten, der jedoch unverletzt bleibt. Getötet werden dagegen ein Polizist und der vermeintliche Täter. Ein junger Österreicher irakischer Abstammung und Aktivist einer radikalen Internet-Bürgerrechtsorganisation, der als Gast auf der Konferenz hat sprechen sollen und in dessen Auto die angeblich von ihm gezündete Bombe versteckt gewesen ist. Und der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei dem Attentat um einen Selbstmordanschlag mit – natürlich! – islamistischem Hintergrund gehandelt hat.

Dieser Meinung ist auch schnell die eigens gegründete Task Force, die gebildet worden ist aus Beamten des österreichischen Bundeskriminalamtes (BKA) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Geleitet wird diese Spezialeinheit von dem hohen BVT-Mann Fred Michalski (gespielt wird dieser „Herr Magister“ von dem bekannten Wiener Kabarettisten Alfred Dorfer) sowie der Majorin Melanie Warig (Susanne Wuest). Und da der Fall ja klar zu sein scheint, hofft man die Ermittlungen schnell abschließen zu können.

Doch der BKA-Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die in untergeordneter Position der Task Force angehören, sind völlig anderer Meinung. Besonders Eisner vermutet, dass die wahren Gründe des Anschlags in einem Eifersuchtsdrama liegen. Und zudem spielt für ihn der BVT-Mann und strammrechte Hardliner Michalski eine zwielichtige Rolle. Dieser will offenbar das Attentat für eigene politische Ambitionen nutzen und wird dabei von einflussreichen  Kreisen unterstützt, die sich gerade für verschärfte Sicherheitsgesetze einsetzen. Irgendetwas ist also faul an der ganzen Geschichte – zumindest für Eisner.

Und tatsächlich wird in dem „Tatort – Zwischen den Fronten“ ein richtig pralles Verschwörungsszenario entwickelt, das anfangs für den Zuschauer zwar etwas arg verwirrend ist, aber dann von dem Regisseur Harald Sicheritz spannend aufgedröselt wird. Außerdem hat er die Geschichte (Drehbuch: Verena Kurth) selbst zum Glück nicht bierernst genommen und entsprechend dann inszeniert. So wirkt der eigentliche Komplott übertrieben abstrus, die dafür Verantwortlichen sind herrlich überzeichnet, ja bisweilen haben sie etwas von finsteren Bilderbuch-Verschwörern. Und das sich im Film entwickelnde Kompetenzgerangel zwischen BKA und BVT wird komisch auf die Spitze getrieben. So läuft beispielsweise in den vermutlich verwanzten Diensträumen Eisners stets extrem laut ein Radio, um dadurch das Abhören zu erschweren. Oder Einsatzbesprechungen werden gleich auf dem Dach des BKA-Gebäudes geführt.

Doch besonders unterhaltsam ist das Auftreten von Eisner und Fellner. Lange hat es nicht einen so grantigen TV-Kommissar zu sehen gegeben, der diesmal sogar einen schrecklich unsympathischen Verdächtigen mit der Faust niederstreckt. Angesichts dieses handgreiflichen Wiener Schmähs bleiben seiner Assistentin, die immer noch den komischen schwarzen Pontiac Firebird ihres Freundes Inkasso-Heinzi fährt, oft nur noch sarkastische Kommentare: „Na, heut kannst du’s aber mit den Frauen“. Und beide Ermittler sind inzwischen so gut aufeinander eingespielt, dass man als Zuschauer nur begrüßen kann, dass sie zukünftig statt wie bisher vier fünf TV-Fälle in zwei Jahren bearbeiten dürfen.

ARD, 17.02.2013, 20:15 Uhr 
ARD, 19.02.2013, 00:35 Uhr

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. Februar 18, 2013 um 2:27 pm

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