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Kritik: Polizeiruf 110 – Laufsteg in den Tod

Der schöne harmonische Schein trügt – wie so oft im Fernsehen. Am Ende des „Polizeirufs 110 – Laufsteg in den Tod“ gehen die hallischen Kommissare Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz, 67 Jahre) und Herbert Schneider (Wolfgang Winkler, 70) freiwillig in den Ruhestand, dabei hätten ihre beiden Darsteller nach eigener Aussage gerne noch ein, zwei Jahre weitergemacht. Und Schwarz hat seinem Haussender, dem MDR, sogar einen „Verjüngungswahn“ unterstellt, der für die Ablösung dieser besonders im Osten unserer Republik beliebten Ermittler verantwortlich gewesen sei. Nachfolger der zwei „Polizeiruf“-Dinos sind Claudia Michelsen und Sylvester Groth, die als Hauptkommissare Doreen Brasch und Jochen Drexler vom Herbst an in Magdeburg zweimal pro Jahr auf Tätersuche gehen werden.  Zum ersten Mal ermittelten die beiden „Herberts“ 1996. In der ersten Folge traf Hauptkommissar Schmücke seinen alten Freund Schneider wieder, mit dem er gemeinsam die Polizeischule besucht hatte und der ihm dann anfangs noch als Assistent in Uniform diente. Im Lauf der Jahre wurde aus dem Mann mit dem Trenchcoat und dem mit dem Schnäuzer ein Duo auf Augenhöhe, das bald wie ein altes Ehepaar agierte und dabei nette Macken und Vorlieben entwickelte. Um das zunehmend eingefahrene und damit arg vorhersehbare Zusammenspiel der beiden etwas aufzulockern, wurde ihnen 2010 mit Nora Lindner (Isabell Gerschke)  eine junge Assistentin zur Seite gestellt, die dann auch wie im jüngsten Fall brav die Aktentasche von Schmücke tragen oder mal hinter einem Verdächtigen herlaufen darf.

Doch nicht das Alter der Hauptdarsteller ist das eigentliche Problem gewesen des „Polizeirufs“ aus Halle, das könnte ja als Kontrast zu immer jüngeren ARD-Fernsehkommissaren sogar ganz reizvoll sein. Sondern das Problem ist die meist betuliche und oft ziemlich langweilige Machart der Filme. Und auch der neuste Fall (Regie und Buch: Hans Werner) ist eine Enttäuschung, bis auf das schön kitschige Finale. Wieder einmal geht es in die Provinz Sachsen-Anhalts, auch das ist gute Tradition dieser Reihe. Schauplatz und Tatort ist Ferropolis, ein Museum in einem früheren Braunkohle-Tagebau nahe Dessau.

In dieser hübsch angestaubten Kulisse veranstaltet eine Model-Agentur ein Foto-Shooting. Dabei bricht plötzlich eines der Mädchen tot zusammen. Und Ursache ist, wie sich schnell herausstellt, eine Vergiftung. Ein Fall natürlich für die beiden „Herberts“ aus Halle, die zusammen mit ihrer jungen Kollegin Nora die Ermittlungen aufnehmen und dabei natürlich vor allem auf ihr „Bauchgefühl“ hören. Verdächtig sind viele, beispielsweise der schnöselige Fotograf (David Rott), der mit dem blutjungen Opfer ein Verhältnis gehabt hat. Seine Ehefrau (Sonja Kirchberger), die als Agenturchefin und Heidi-Klum-für-Arme das Treiben ihres Mannes eifersüchtig verfolgt hat. Der junge Mann vom Catering, der sich höchst verdächtig verhält. Und nicht zuletzt der Assistent der Agenturchefin, der Stylist Jérôme Bonnair, der so offensichtlich schwul ist, dass sein tuntiges Verhalten beim Zuschauen richtig wehtut. Und der zudem von dem durch „Germany’s Next Topmodel“ bekannten Designer Thomas Rath ziemlich amateurhaft verkörpert wird.

Der Fall selbst entwickelt sich dann durchaus spannend, doch der Spaß an der Geschichte wird ziemlich getrübt durch die Vielzahl von ausgelutschten Klischees, durch banalste Dialoge und durch das Fehlen jeglichen Tempos. Den zwei „Herberts“ hätte man jedenfalls von Herzen ein wesentlich aufregenderes Serien-Ende gewünscht. Aber zumindest für Jaecki Schwarz dreht sich die ja die Fernsehwelt gemächlich weiter. So ist er zukünftig regelmäßig Gast in der „Sachsenklinik“ der beliebten MDR-Serie „In aller Freundschaft“. Ein Ort also, der wohl in absehbarer Zeit hermetisch vor jeglichem „Verjüngungswahn“ abgeschirmt ist.

ARD, 03.03.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 03.03.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 03.03.2013, 23:45 Uhr
ARD, 05.03.2013, 00:35 Uhr

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