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TV-Kritik: Verratene Freunde

Das moderne Leben hat so seine Tücken. „Wo geht’s denn hier rein“, fragt irritiert Heike Rogel (Barbara Auer), als sie mit ihrem Mann Andreas (Matthias Brandt) zum ersten Mal die neue Designervilla des befreundeten Bauunternehmers Peter Staude (Heino Ferch) und seiner Frau Christa (Katja Riemann) besucht. Auch das teure Hightech-Interieur des Hauses ist vom Feinsten, besitzt aber weder Charme noch Eleganz. Die beiden Ehepaare, die sich hier zum Essen treffen, sind schon eine Ewigkeit eng befreundet. Und sie haben sich im Verlauf der Jahre mit jetzt etwa Mitte 40 bürgerlich etabliert.

Heike ist Zahnärztin, ihr Andreas Schulleiter, Peter nicht nur einflussreicher Baulöwe seiner Gemeinde, sondern auch anerkannter Förderer von Behinderten-Einrichtungen. Und wird bei dieser wohltätigen Arbeit von seiner Frau Christa aktiv unterstützt. Alles scheint also in wunderbarer Ordnung zu sein, doch die nach außen so gern aufgesetzte Harmonie bekommt in dem Fernsehfilm „Verratene Freunde“ schnell Risse. Beim gemeinsamen feinsten Abendessen der beiden Paare geschieht ein Eklat. Angeschwipst wirft Christa ihrem Mann plötzlich vor, dass er ihr die neue sündhaft teure Halskette nur wegen eines Seitensprungs gekauft habe. Und schlimmer noch: Er soll sie von unterschlagenen Spendengeldern bezahlt haben, mit denen er auch den Bau des Hauses finanziert habe.

Nach diesen Vorwürfen, bei denen Peter nur mühsam seine Contenance bewahren kann, verlässt sie aufgebracht den Raum. Andreas folgt ihr, um den Streit seiner Freunde zu schlichten, erfährt dann aber von Christa Einzelheiten des vermeintlichen Betrugs ihres Mannes. Ein für den ach so integeren Schulleiter ungeheuerer Vorwurf, auf den in einem späteren Gespräch Peter lediglich abwiegelnd reagiert. Andreas fühlt sich daraufhin moralisch in der Pflicht, irgendetwas zu tun. Und gibt schließlich seine Informationen an einen Journalisten weiter. Ein Entschluss, der eine furiose Kettenreaktion freisetzt, in deren Verlauf jahrelang verdrängte Wahrheiten ans Tageslicht geraten. Die Beteiligten auf Verrat mit schlimmster Denunziation reagieren. Und an deren Ende nicht nur die Trennung der beiden Ehepaare steht.

Das klingt ziemlich bitter, ist aber in Wirklichkeit noch viel bitterer. Und bietet dennoch gute Unterhaltung auf höchstem Niveau. Besonders weil die verzwickte Geschichte so intelligent und kompakt konstruiert ist, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, Zeuge eines spannenden Experiments in einem Beziehungslabor zu sein. Inszeniert hat diese filmische Versuchsanordnung Regisseur Stefan Krohmer zusammen mit seinem Stammautor Daniel Nocke. Beide bilden bereits seit gut zwölf Jahren ein Erfolgsduo und entstanden sind unter anderem der 2002 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete TV-Film „Ende der Saison“ oder 2009 das Dokudrama „Dutschke“, aber auch viel gelobte Kinoproduktionen wie „Sie haben Knut“ und „Sommer 04“.

Zusätzlich interessant für den Zuschauer wird Krohmers Film, weil ihm eine Einteilung der Personen in Gut und Böse fast völlig fehlt, viel wichtiger sind ihm die bisweilen wunderbar gemeinen Dialoge, die kleinen vielsagenden Blicke und Gesten, die sich gleich mehrmals am teuren Esstisch, bekanntlich dem Schlachtfeld vieler Beziehungskrisen, abspielen. Und vor allem wird dies alles von dem kleinen hochkarätigen Starensemble glaubhaft verkörpert.

Dabei spielen Auer und Brandt bereits zum wiederholten Mal ein Paar, entdecken dabei aber offenbar immer neue darstellerische Reibungspunkte. Während Ferch überzeugend einen Erfolgstypen verkörpert, für den wirklich alles machbar ist und Moral keine Rolle mehr spielt. Und Riemann gibt eine herrlich zynische Frau, die von ihrem scheinbar alles dominierenden Mann jedoch gelernt hat, sich gut in Szene zu setzen.

Arte, 15.03.2013, 20:15 Uhr 
Arte, 17.03.2013, 01:50 Uhr / ARD, 20.03.2013, 20:15 Uhr
ARD, 21.03.2013, 00:20 Uhr / Eins Festival, 23.03.2013, 20:15 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,
  1. März 14, 2013 um 6:27 pm

    -:) -:)

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