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TV-Kritik: Tatort – Schwarzer Afghane

Eines gleich vorweg: In dem „Tatort – Schwarzer Afghane“ fällt kein einziger Schuss. Und gleichwohl ist er spannend, streckenweise sogar witzig. Was vor allem an der guten Leistung von Martin Wuttke liegt, der sich endlich mal in einem Leipziger-„Tatort“ schlecht gelaunt in den Vordergrund spielen darf und auch modisch mit lässiger Schiebermütze eine lustige Figur abgibt. Und schwarzhumorig geht’s auch gleich los. Zwei Jugendliche, die gerade genüsslich einen Joint kreisen lassen, beobachten morgens um sechs Uhr einen Mann. Er kommt aus einem Waldstück, läuft über eine Wiese. Und als einer der Jugendlichen scherzhaft mit dem Joint auf den Fremden zielt, geht der Fremde tatsächlich in Flammen auf und verkohlt bis zur Unkenntlichkeit.

Ein Schock natürlich für die jungen Kiffer und ein Fall für die Leipziger Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Wuttke), denen der Zuschauer nun eine Zeitlang bei ihrer akribischen Ermittlungsarbeit über die Schulter schauen darf. Dabei kommt heraus, dass es sich bei dem Toten höchstwahrscheinlich um Arian Bakhtari (Kostja Ullmann) handelt, einem afghanischen Studenten aus Leipzig. Und ausgelöst hat den tödlichen Zwischenfall weißer Phosphor, eine Chemikalie, die sich in der Luft entzündet und die vermutlich auch zu dem Brand in der nur ein paar hundert Meter entfernten Halle eines deutsch-afghanischen Freundschaftsverein geführt hat.

Wie die weiteren Ermittlungen ergeben, besteht ganz offensichtlich ein Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen. Zudem ist in der abgebrannten Halle gut eine Tonne Haschisch der Sorte „Schwarzer Afghane“ Opfer des Feuers geworden. Und verdächtig sind viele – beispielsweise ein Speditionsunternehmer (Sylvester Groth), der die Halle vermietet hat und dort womöglich das geschmuggelte Rauschgift versteckt hat, aber auch die Tante des Toten oder sein afghanischer Freund, der plötzlich abgetaucht ist.

Mehr darf an dieser Stelle wirklich nicht verraten werden, weil der Krimi besonders von seinen überraschenden Wendungen lebt. Erwähnt werden muss aber, dass auch in diesem „Tatort“ mit dem militärischen Engagement Deutschlands in Afghanistan mal wieder ein Globalisierungsthema behandelt wird. Es zeichnet ihn jedoch aus, dass diese Problematik zwar recht ausführlich erklärt wird, aber nie auf penetrant pädagogische Art. Außerdem macht es richtig Spaß den im Film gerade aus dem Urlaub zurückgekehrten Keppler bei seiner schwierigen Arbeit zuzuschauen. Sein erstes Opfer ist gleich ein schnöseliger Zollbeamter namens Zöllner, der sein Gepäck am Flughafen filzen will. Dann folgen Zeugen, die er mit ganz kurzen Bemerkungen zur Schnecke macht, während er dagegen mit seiner Kollegin Saalfeld erstaunlich charmant zu flirten weiß.

Inszeniert hat den Krimi – nach einem Drehbuch von Holger Jancke – Thomas Jahn, der schon 1997 bei seiner ersten Regiearbeit fürs Kino, „Knockin’ on Heaven’s Door“, viel komödiantisches Gespür bewiesen hat. Danach aber mit „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“ einen so fulminanten Flop inszeniert hat, dass er sich seitdem mit Fernseharbeiten und Werbefilmen übers Wasser halten muss. Dass er immer noch sein Metier beherrscht, beweist er mit diesem „Tatort“.

ARD, 17.03.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 17.03.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 17.03.2013, 23:45 Uhr
Eins Festival, 19.03.2013, 00:35 Uhr

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