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TV-Kritik: Krokodil

Schön wehmütig begeht das ZDF den Karfreitagabend. Erst verabschiedet sich Claus Theo Gärtner als Josef Matula mit der 300. Folge des Krimi-Klassikers „Ein Fall für zwei“ in den verdienten Serien-Ruhestand. Und danach schlägt sofort die Stunde eines großen Mimen: Mario Adorf, der in einer wahren Paraderolle in der sentimentalen, gleichwohl heiteren Tragikomödie „Krokodil“ zu sehen ist. Ein Fernsehfilm nach einer Erzählung des französischen Erfolgsautors Philippe Djian, die Adorf selbst dem ZDF als Stoff für einen Film vorgeschlagen hat.

Der mittlerweile 82-jährige deutsche Schauspieler mit italienischen Wurzeln spielt den zurückgezogen lebenden Schriftsteller Richard, der sich plötzlich noch einmal gegen sein Alter auflehnt. Den Grund liefert natürlich eine junge Frau (Alwara Höfels, die zukünftige Assistentin von Joachim Król im Frankfurter „Tatort“), die eines Tages mit ihrem Sohn genau vor seinen Augen mit ihrem Auto verunglückt. Obwohl Richard ein knorriger Misanthrop ist und Fremde in seinem Haus nicht leiden mag, nimmt er die verunglückte Judith bei sich auf. Jedenfalls solange bis ihr schwer beschädigtes Auto in der Werkstatt ist – glaubt er zumindest. Doch dann weckt diese Judith, die gerade Hals über Kopf ihren Geliebten Christian (David Roll) verlassen hat, bei ihm längst tief verschüttet geglaubte Gefühle. Und schmerzlich wird ihm bewusst, dass sein bewusster Verzicht auf eine Familie ein großer Fehler gewesen ist. Als plötzlich Christian auftaucht und Judith überreden möchte, zu ihm zurückzukehren, muss Richard handeln ….

Was vielleicht gefährlich nach einer Feiertags-Schmonzette klingt, entpuppt sich schnell als Porträt eines im Lauf des Films zunehmend liebenswerter werdenden alten Mannes. Dabei vermeiden der Regisseur Urs Egger und sein Drehbuchautor Karl-Heinz Käfer jegliche Peinlichkeiten oder gar Schlüpfrigkeiten. Und sie haben mit Adorf einen Hauptdarsteller, der nahezu alle Facetten seines Könnens zeigt. Gut unterstützt wird er von Dagmar Manzel als seine misstrauische Haushälterin und von Michael Mendl, der seinen besten, weil einzigen Freund spielt.

ZDF, 29.03.2013, 21:15 Uhr

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