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Archive for März 2013

TV-Kritik: Tatort – Schwarzer Afghane

Eines gleich vorweg: In dem „Tatort – Schwarzer Afghane“ fällt kein einziger Schuss. Und gleichwohl ist er spannend, streckenweise sogar witzig. Was vor allem an der guten Leistung von Martin Wuttke liegt, der sich endlich mal in einem Leipziger-„Tatort“ schlecht gelaunt in den Vordergrund spielen darf und auch modisch mit lässiger Schiebermütze eine lustige Figur abgibt. Und schwarzhumorig geht’s auch gleich los. Zwei Jugendliche, die gerade genüsslich einen Joint kreisen lassen, beobachten morgens um sechs Uhr einen Mann. Er kommt aus einem Waldstück, läuft über eine Wiese. Und als einer der Jugendlichen scherzhaft mit dem Joint auf den Fremden zielt, geht der Fremde tatsächlich in Flammen auf und verkohlt bis zur Unkenntlichkeit.

Ein Schock natürlich für die jungen Kiffer und ein Fall für die Leipziger Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Wuttke), denen der Zuschauer nun eine Zeitlang bei ihrer akribischen Ermittlungsarbeit über die Schulter schauen darf. Dabei kommt heraus, dass es sich bei dem Toten höchstwahrscheinlich um Arian Bakhtari (Kostja Ullmann) handelt, einem afghanischen Studenten aus Leipzig. Und ausgelöst hat den tödlichen Zwischenfall weißer Phosphor, eine Chemikalie, die sich in der Luft entzündet und die vermutlich auch zu dem Brand in der nur ein paar hundert Meter entfernten Halle eines deutsch-afghanischen Freundschaftsverein geführt hat.

Wie die weiteren Ermittlungen ergeben, besteht ganz offensichtlich ein Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen. Zudem ist in der abgebrannten Halle gut eine Tonne Haschisch der Sorte „Schwarzer Afghane“ Opfer des Feuers geworden. Und verdächtig sind viele – beispielsweise ein Speditionsunternehmer (Sylvester Groth), der die Halle vermietet hat und dort womöglich das geschmuggelte Rauschgift versteckt hat, aber auch die Tante des Toten oder sein afghanischer Freund, der plötzlich abgetaucht ist.

Mehr darf an dieser Stelle wirklich nicht verraten werden, weil der Krimi besonders von seinen überraschenden Wendungen lebt. Erwähnt werden muss aber, dass auch in diesem „Tatort“ mit dem militärischen Engagement Deutschlands in Afghanistan mal wieder ein Globalisierungsthema behandelt wird. Es zeichnet ihn jedoch aus, dass diese Problematik zwar recht ausführlich erklärt wird, aber nie auf penetrant pädagogische Art. Außerdem macht es richtig Spaß den im Film gerade aus dem Urlaub zurückgekehrten Keppler bei seiner schwierigen Arbeit zuzuschauen. Sein erstes Opfer ist gleich ein schnöseliger Zollbeamter namens Zöllner, der sein Gepäck am Flughafen filzen will. Dann folgen Zeugen, die er mit ganz kurzen Bemerkungen zur Schnecke macht, während er dagegen mit seiner Kollegin Saalfeld erstaunlich charmant zu flirten weiß.

Inszeniert hat den Krimi – nach einem Drehbuch von Holger Jancke – Thomas Jahn, der schon 1997 bei seiner ersten Regiearbeit fürs Kino, „Knockin’ on Heaven’s Door“, viel komödiantisches Gespür bewiesen hat. Danach aber mit „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“ einen so fulminanten Flop inszeniert hat, dass er sich seitdem mit Fernseharbeiten und Werbefilmen übers Wasser halten muss. Dass er immer noch sein Metier beherrscht, beweist er mit diesem „Tatort“.

ARD, 17.03.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 17.03.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 17.03.2013, 23:45 Uhr
Eins Festival, 19.03.2013, 00:35 Uhr

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Immer dieser Spiderman

März 14, 2013 4 Kommentare
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TV-Kritik: Verratene Freunde

März 14, 2013 1 Kommentar

Das moderne Leben hat so seine Tücken. „Wo geht’s denn hier rein“, fragt irritiert Heike Rogel (Barbara Auer), als sie mit ihrem Mann Andreas (Matthias Brandt) zum ersten Mal die neue Designervilla des befreundeten Bauunternehmers Peter Staude (Heino Ferch) und seiner Frau Christa (Katja Riemann) besucht. Auch das teure Hightech-Interieur des Hauses ist vom Feinsten, besitzt aber weder Charme noch Eleganz. Die beiden Ehepaare, die sich hier zum Essen treffen, sind schon eine Ewigkeit eng befreundet. Und sie haben sich im Verlauf der Jahre mit jetzt etwa Mitte 40 bürgerlich etabliert.

Heike ist Zahnärztin, ihr Andreas Schulleiter, Peter nicht nur einflussreicher Baulöwe seiner Gemeinde, sondern auch anerkannter Förderer von Behinderten-Einrichtungen. Und wird bei dieser wohltätigen Arbeit von seiner Frau Christa aktiv unterstützt. Alles scheint also in wunderbarer Ordnung zu sein, doch die nach außen so gern aufgesetzte Harmonie bekommt in dem Fernsehfilm „Verratene Freunde“ schnell Risse. Beim gemeinsamen feinsten Abendessen der beiden Paare geschieht ein Eklat. Angeschwipst wirft Christa ihrem Mann plötzlich vor, dass er ihr die neue sündhaft teure Halskette nur wegen eines Seitensprungs gekauft habe. Und schlimmer noch: Er soll sie von unterschlagenen Spendengeldern bezahlt haben, mit denen er auch den Bau des Hauses finanziert habe.

Nach diesen Vorwürfen, bei denen Peter nur mühsam seine Contenance bewahren kann, verlässt sie aufgebracht den Raum. Andreas folgt ihr, um den Streit seiner Freunde zu schlichten, erfährt dann aber von Christa Einzelheiten des vermeintlichen Betrugs ihres Mannes. Ein für den ach so integeren Schulleiter ungeheuerer Vorwurf, auf den in einem späteren Gespräch Peter lediglich abwiegelnd reagiert. Andreas fühlt sich daraufhin moralisch in der Pflicht, irgendetwas zu tun. Und gibt schließlich seine Informationen an einen Journalisten weiter. Ein Entschluss, der eine furiose Kettenreaktion freisetzt, in deren Verlauf jahrelang verdrängte Wahrheiten ans Tageslicht geraten. Die Beteiligten auf Verrat mit schlimmster Denunziation reagieren. Und an deren Ende nicht nur die Trennung der beiden Ehepaare steht.

Das klingt ziemlich bitter, ist aber in Wirklichkeit noch viel bitterer. Und bietet dennoch gute Unterhaltung auf höchstem Niveau. Besonders weil die verzwickte Geschichte so intelligent und kompakt konstruiert ist, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, Zeuge eines spannenden Experiments in einem Beziehungslabor zu sein. Inszeniert hat diese filmische Versuchsanordnung Regisseur Stefan Krohmer zusammen mit seinem Stammautor Daniel Nocke. Beide bilden bereits seit gut zwölf Jahren ein Erfolgsduo und entstanden sind unter anderem der 2002 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete TV-Film „Ende der Saison“ oder 2009 das Dokudrama „Dutschke“, aber auch viel gelobte Kinoproduktionen wie „Sie haben Knut“ und „Sommer 04“.

Zusätzlich interessant für den Zuschauer wird Krohmers Film, weil ihm eine Einteilung der Personen in Gut und Böse fast völlig fehlt, viel wichtiger sind ihm die bisweilen wunderbar gemeinen Dialoge, die kleinen vielsagenden Blicke und Gesten, die sich gleich mehrmals am teuren Esstisch, bekanntlich dem Schlachtfeld vieler Beziehungskrisen, abspielen. Und vor allem wird dies alles von dem kleinen hochkarätigen Starensemble glaubhaft verkörpert.

Dabei spielen Auer und Brandt bereits zum wiederholten Mal ein Paar, entdecken dabei aber offenbar immer neue darstellerische Reibungspunkte. Während Ferch überzeugend einen Erfolgstypen verkörpert, für den wirklich alles machbar ist und Moral keine Rolle mehr spielt. Und Riemann gibt eine herrlich zynische Frau, die von ihrem scheinbar alles dominierenden Mann jedoch gelernt hat, sich gut in Szene zu setzen.

Arte, 15.03.2013, 20:15 Uhr 
Arte, 17.03.2013, 01:50 Uhr / ARD, 20.03.2013, 20:15 Uhr
ARD, 21.03.2013, 00:20 Uhr / Eins Festival, 23.03.2013, 20:15 Uhr

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Neulich in Russland

März 13, 2013 1 Kommentar
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Auferstehung

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Nur eine Pfütze

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Von Nordkorea Siegen lernen

März 12, 2013 2 Kommentare
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Kritik: Shootout – Keine Gnade

Hollywoods alte Haudegen können es einfach nicht lassen. So hat kürzlich erst Arnold Schwarzenegger mit „The Last Stand“ sein Kino-Comeback gefeiert, momentan ist Bruce Willis in „Stirb Langsam 5“ zu sehen und jetzt kommt Sylvester Stallone mit „Shootout – Keine Gnade“ in unsere Lichtspielhäuser. Ein Film, den zudem mit Walter Hill ein Altmeister des Genres in Szene gesetzt hat. Dem heute 71-Jährigen verdanken wir Klassiker wie „Red Heat“ oder „Last Man Standing“, außerdem hat er 1982 mit „Nur 48 Stunden“ das moderne Buddy Movie erfunden.

Auch in „Shootout“ kämpfen zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die sich im Verlauf des Films erst kennen und dann schätzen lernen, gegen finstere Mächte. Dabei spielt Stallone den Auftragskiller Jimmy Bobo. Zusammen mit seinem Partner Louis tötet er bei einem Job einen korrupten Polizisten, lässt aber aus sentimentalen Gründen eine Augenzeugin am Leben. Was Jimmys Auftraggeber überhaupt nicht gefällt, die daraufhin Louis ermorden und einen Killer (Jason Momoa) auf Jimmy ansetzen. In der Zwischenzeit ist am Ort des Geschehens, New Orleans, der koreanisch-stämmige Washingtoner Polizist Taylor Kwon (Sung Kang) gelandet, um den Mord an dem Polizisten zu untersuchen. Aber auch er wird offenbar von einem Killer verfolgt. Als ausgerechnet sein Hauptverdächtiger Jimmy ihm dann das Leben rettet, schließen die beiden sich notgedrungen zusammen und kommen einer gigantischen Verschwörung auf die Spur.

Das klingt vielleicht etwas kompliziert, erzählt wird jedoch in Wirklichkeit eine recht simple Geschichte, wie man sie dutzendfach zuvor schon im Kino gesehen hat. Was jedoch nicht weiter stört, da Stallone selbst die banalsten Szenen stets mit einem coolen Spruch („Bang! Treffer! Versenkt!“) witzig zu retten weiß. Nett ist das Zusammenspiel der beiden Helden: Jimmy, der ausschließlich auf die Macht seiner Fäuste und seines Revolvers setzt. Und dem jungen Taylor, dessen liebste Waffe sein Smartphone ist. Da auch die zahlreichen Actionszenen von Hill gewohnt gekonnt inszeniert sind, ist der Film für Freunde des Genres ein unterhaltsamer Spaß.

Shootout – Keine Gnade, Regie: Walter Hill, USA 2013, 92 Min., FSK: 16

Richtig Fliegen

März 7, 2013 1 Kommentar
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Filmtipp

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