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Archive for März 2013

Ein Wundermittel

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Kritik: Rose Gerdts – Morgengrauen

Rose Gerdts liebt brisante Themen. Nachdem sie in ihren Romanen zuvor unter anderem „Ehrenmorde“, Stalking“ und „Landminen“ literarisch thematisiert hat, greift sie nun in ihrem fünften Krimi die Verbrechen eines Bremer Polizeibataillons im 2. Weltkrieg auf. Ein Teil dieser Truppe hat während des damaligen Ostfeldzugs der deutschen Wehrmacht Massaker an der Zivilbevölkerung der überfallenen Länder begangen. So auch in Litauen, wo jüdische Bürger einer kleinen Gemeinde im Morgengrauen auf einer Waldlichtung erschossen worden sind.

Nun, etwa 70 Jahre später, holt die Vergangenheit drei betagte Männer, die damals in dem Bataillon dienten, ein. In Amsterdam wird ein dort lebender deutscher Rentner in seinem Haus brutal mit einem Spaten erschlagen, in München kommt unter nicht ganz geklärten Umständen ein über 90-Jähriger bei einem Treppensturz um. In Bremen stirbt vermeintlich friedlich im Krankenhaus ein pensionierter alter Polizist. Und kurz darauf wird auf seinen Sohn, auch er ist Polizist, ein Mordanschlag verübt.

Jedes Mal vor Ort ist ein geheimnisvoller Mann, der, wie sich im Verlauf des Romans herausstellt, nicht nur aus Litauen stammt, sondern auch der Sohn eines der wenigen Überlebenden des Massakers ist. Ist dieser Mann für diese späten Rachemorde verantwortlich? Oder wer steckt sonst dahinter? Diese Fragen versuchen die Bremer Polizisten Frank Steenhoff und Navideh Petersen zu lösen. Bei ihren Ermittlungen werden sie mit der Vergangenheit des schon erwähnten Polizeibataillons konfrontiert, mit schrecklichen Dingen, die nie gesühnt worden sind. Und schließlich gerät Peterson, eine junge Frau mit iranischem Immigrationshintergrund, selbst in Lebensgefahr.

Die handelnden Personen in „Morgengrauen“ sind zwar frei erfunden, dagegen basiert die Geschichte des Polizeibataillons auf inzwischen historisch belegten Quellen. Und Rose Gerdts gelingt es tatsächlich aus diesem schwierigen, weil höchst sensiblen Stoff einen spannenden Krimi zu entwickeln. Dabei schildert die Autorin kenntnisreich die Arbeit der Kommissare und die einer Journalistin. Was nicht weiter wundert, weil sie selbst lange Zeit als Polizei- und Gerichtsreporterin für den Bremer „Weser-Kurier“ gearbeitet hat und von April an in die Bremer Innenbehörde als Sprecherin wechseln wird. Ein wenig stört bei der Lektüre jedoch der bisweilen zu große aufklärerische Impetus Gerdts’, der dann auch fast zwangsweise zu einer politisch-korrekten Auflösung des vorher so unkonventionell geschilderten Falls führt.

Rose Gerdts, Morgengrauen, rororo, 318 S., 9,99 Euro.

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Mütter!

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Kritik: Polizeiruf 110 – Laufsteg in den Tod

Der schöne harmonische Schein trügt – wie so oft im Fernsehen. Am Ende des „Polizeirufs 110 – Laufsteg in den Tod“ gehen die hallischen Kommissare Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz, 67 Jahre) und Herbert Schneider (Wolfgang Winkler, 70) freiwillig in den Ruhestand, dabei hätten ihre beiden Darsteller nach eigener Aussage gerne noch ein, zwei Jahre weitergemacht. Und Schwarz hat seinem Haussender, dem MDR, sogar einen „Verjüngungswahn“ unterstellt, der für die Ablösung dieser besonders im Osten unserer Republik beliebten Ermittler verantwortlich gewesen sei. Nachfolger der zwei „Polizeiruf“-Dinos sind Claudia Michelsen und Sylvester Groth, die als Hauptkommissare Doreen Brasch und Jochen Drexler vom Herbst an in Magdeburg zweimal pro Jahr auf Tätersuche gehen werden.  Zum ersten Mal ermittelten die beiden „Herberts“ 1996. In der ersten Folge traf Hauptkommissar Schmücke seinen alten Freund Schneider wieder, mit dem er gemeinsam die Polizeischule besucht hatte und der ihm dann anfangs noch als Assistent in Uniform diente. Im Lauf der Jahre wurde aus dem Mann mit dem Trenchcoat und dem mit dem Schnäuzer ein Duo auf Augenhöhe, das bald wie ein altes Ehepaar agierte und dabei nette Macken und Vorlieben entwickelte. Um das zunehmend eingefahrene und damit arg vorhersehbare Zusammenspiel der beiden etwas aufzulockern, wurde ihnen 2010 mit Nora Lindner (Isabell Gerschke)  eine junge Assistentin zur Seite gestellt, die dann auch wie im jüngsten Fall brav die Aktentasche von Schmücke tragen oder mal hinter einem Verdächtigen herlaufen darf.

Doch nicht das Alter der Hauptdarsteller ist das eigentliche Problem gewesen des „Polizeirufs“ aus Halle, das könnte ja als Kontrast zu immer jüngeren ARD-Fernsehkommissaren sogar ganz reizvoll sein. Sondern das Problem ist die meist betuliche und oft ziemlich langweilige Machart der Filme. Und auch der neuste Fall (Regie und Buch: Hans Werner) ist eine Enttäuschung, bis auf das schön kitschige Finale. Wieder einmal geht es in die Provinz Sachsen-Anhalts, auch das ist gute Tradition dieser Reihe. Schauplatz und Tatort ist Ferropolis, ein Museum in einem früheren Braunkohle-Tagebau nahe Dessau.

In dieser hübsch angestaubten Kulisse veranstaltet eine Model-Agentur ein Foto-Shooting. Dabei bricht plötzlich eines der Mädchen tot zusammen. Und Ursache ist, wie sich schnell herausstellt, eine Vergiftung. Ein Fall natürlich für die beiden „Herberts“ aus Halle, die zusammen mit ihrer jungen Kollegin Nora die Ermittlungen aufnehmen und dabei natürlich vor allem auf ihr „Bauchgefühl“ hören. Verdächtig sind viele, beispielsweise der schnöselige Fotograf (David Rott), der mit dem blutjungen Opfer ein Verhältnis gehabt hat. Seine Ehefrau (Sonja Kirchberger), die als Agenturchefin und Heidi-Klum-für-Arme das Treiben ihres Mannes eifersüchtig verfolgt hat. Der junge Mann vom Catering, der sich höchst verdächtig verhält. Und nicht zuletzt der Assistent der Agenturchefin, der Stylist Jérôme Bonnair, der so offensichtlich schwul ist, dass sein tuntiges Verhalten beim Zuschauen richtig wehtut. Und der zudem von dem durch „Germany’s Next Topmodel“ bekannten Designer Thomas Rath ziemlich amateurhaft verkörpert wird.

Der Fall selbst entwickelt sich dann durchaus spannend, doch der Spaß an der Geschichte wird ziemlich getrübt durch die Vielzahl von ausgelutschten Klischees, durch banalste Dialoge und durch das Fehlen jeglichen Tempos. Den zwei „Herberts“ hätte man jedenfalls von Herzen ein wesentlich aufregenderes Serien-Ende gewünscht. Aber zumindest für Jaecki Schwarz dreht sich die ja die Fernsehwelt gemächlich weiter. So ist er zukünftig regelmäßig Gast in der „Sachsenklinik“ der beliebten MDR-Serie „In aller Freundschaft“. Ein Ort also, der wohl in absehbarer Zeit hermetisch vor jeglichem „Verjüngungswahn“ abgeschirmt ist.

ARD, 03.03.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 03.03.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 03.03.2013, 23:45 Uhr
ARD, 05.03.2013, 00:35 Uhr

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Noch ein dämlicher Scherz

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Frischfleisch

März 1, 2013 1 Kommentar
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Katzen

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Kritik: Jochen Schmidt – Schneckenmühle

Zum letzten Mal ist der 14-jährige Jens im Sommer-Ferienlager „Schneckenmühle“ bei Pirna. Im darauffolgenden Jahr wird der Junge aus Buch bei Ostberlin zu alt sein, um dort tagelang Tischtennis zu spielen, um sich bei Nachtwanderungen zu gruseln, bei der wöchentlichen Disko zu feiern oder heimlich Mädchen beim Duschen zu beobachten. Aber nicht nur die Zeit für die Schneckenmühle ist für Jens bald endgültig vorbei, sondern auch seine Heimat, die DDR, steht im Sommer 1989 vor ihrem Ende. Und obwohl die Mädchen und Jungen in ihrem Ferienlager ziemlich abgeschirmt sind von dieser politischen Umbruchzeit, gibt es auch dort erste Anzeichen.

Vor allem als plötzlich zwei Jugendleiter verschwinden, die sich – vermuten die Jugendlichen – in den Westen abgesetzt oder womöglich in Zombies verwandelt haben. Doch wesentlich spannender als diese gesellschaftlichen Veränderungen sind für Jens die Mädchen im Ferienlager, denen er sich langsam zu nähern versucht beim ersten schüchternen Tanz in der Disko oder bei einem heimlich Ausflug mit der gleichaltrigen Peggy. Einem Mädchen, das er zuvor gern veralbert hat. Und zu der er sich plötzlich hingezogen fühlt trotz ihres unmöglichen sächsischen Akzents.

Von alldem erzählt in seinem Roman „Schneckenmühle“ der aus Ostberlin stammende Autor Jochen Schmidt. Und der 1970 Geborene erzählt dies konsequent aus der Perspektive seines 14-jährigen Helden Jens. Dabei trifft er nicht nur sehr genau den Ton des Jugendlichen, er zeigt ihn auch in all seinen scheinbaren Widersprüchen. Mal redet Jens altklug philosophisch daher, dann kichert er über kindisch pubertäre Witze oder macht sich gar schwere Sorgen über seine Zukunft. Und darin unterscheidet sich der Junge aus dem Osten wohl kaum von den Gleichaltrigen im Westen, obwohl es in Schmidts amüsant und bis in die Details gut beobachteten Roman auch um DDR-spezifisches geht. Um Dinge, die beim Leser-Ost bestimmt ostalgische Gefühle wecken werden. Während der Leser-West sich wundern darf über nicht perforiertes Toilettenpapier oder einem Billig-Wodka mit dem Spitznamen „Blauer Würger“. Von dem, heißt es im Buch, „kannste 100 Etiketten einsenden, dann kriegste’n Blindenhund“.

Jochen Schmidt: „Schneckenmühle“, C.H. Beck, 220 Seiten, 17,95 Euro.

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