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Filmtipp der Woche

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Tatort – Trautes Heim

Nichts ist unmöglich. Und wenn das eigentlich Unmögliche zudem so selbstverständlich erzählt wird wie in diesem Kölner-„Tatort“ mit dem wunderbar ironischen Titel „Trautes Heim“, dann reibt man sich als Zuschauer anfangs zwar verwundert die Augen und verfolgt dann die Geschichte jedoch zunehmend fasziniert. Sie führt uns zu Beginn in eine offenbar heile Mittelstandsfamilie: Vater, Mutter und Kind verabschieden sich morgens herzlich. Der Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat) fährt zur Arbeit, der Sohn Lukas geht zum Fußballtraining und Simone Schäfer (Alma Leiberg), die Lebensgefährtin von Roman, kümmert sich um den Haushalt. Auf dem Weg zur Arbeit wird der Junge dann jedoch von zwei Gangstern in einem Transporter entführt. Ein Zeuge verfolgt auf seinem Motorrad das Tatfahrzeug, wird dabei von ihm überrollt und stirbt.

Als die beiden Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) am Tatort erscheinen, beginnt für die Ermittler das große Rätselraten: Ist der Motorradfahrer nur zufällig zum Opfer geworden? Wer entführt das Kind einer Familie, die keineswegs wohlhabend ist? Und handelt es sich womöglich um die Tat von kriminellen Päderasten? Als wenig später das Fluchtfahrzeug gefunden wird und darin das Handy des Jungen, wird die Sache noch merkwürdiger. Das Telefon ist auf den Namen Ruth Junghanns (Sandra Borgmann) registriert, eine Frau, die bei ihrer polizeilichen Vernehmung glaubhaft beteuert, einen Lukas Schäfer gar nicht zu kennen.

Auch Ruth Junghanns führt in einem „trauten Heim“ das Leben einer gutsituierten Mittelstandsfamilie mit Sohn und Ehemann. Und dann nimmt die Geschichte eine unglaubliche Wendung: Wie sich bei den Ermittlungen bald herausstellt, spielt in beiden ach so intakten Familien Roman Sasse den Vater und Ehemann. Er lebt mal zwei Wochen bei der einen, dann bei der anderen. Möglich macht dies eine straff organisierte Terminplanung und eine Alibi-Agentur, die beim Verschleiern bei beispielsweise Seitensprüngen trickreich hilft. Und die es so ähnlich, wie ein Blick ins Internet beweist, wirklich gibt.

Dieser Roman Sasse ist in diesem „Tatort“ also ein großer Lügner und geschickter Betrüger, doch für ihn ist das Ganze unglaublich selbstverständlich. Wie er bei den Befragungen sagt, liebe er halt beide Familien, will sich von keiner trennen. Und wie Metschurat diese schwierige Rolle spielt, glaubt man diesem Bigamisten und spürt sogar ein wenig Verständnis für seine Tat.

Aus diesem ungewöhnlichen Stoff (Drehbuch: Roland Heep, Frank Koopmann) bezieht der von Christoph Schnee inszenierte Film seine Spannung, während der eigentliche Entführungsfall zur Nebensache gerät und dann am Schluss auch eher beiläufig gelöst wird. Was nicht weiter stört. Was allerdings ein wenig nervt, ist die übertriebene Dialoglastigkeit des Films. Anstatt den Bildern und den guten Schauspielern zu vertrauen, wird vieles zusätzlich wortreich erläutert. Und das nimmt dem Film oft das nötige Tempo. – Alles in allem dennoch ein sehenswerter Fall aus Köln, der sogar ohne den sonst dort üblichen Sozial-Touch auskommt.

ARD, 21.04.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 21.04.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 21.04.2013, 23:45 Uhr
ARD, 23.04.2013, 00:35 Uhr

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