Startseite > Uncategorized > Die Klaviatur des Todes – Michael Tsokos

Die Klaviatur des Todes – Michael Tsokos

Wenn der Rechtsmediziner erzählt, dann läuft einem beim Zuhören ein eisiger Schauer über den Rücken. Und diesen erregenden Nervenkitzel mögen offenbar immer mehr Menschen. Das zeigt jedenfalls der anhaltende Erfolg von TV-Serien wie „Der letzte Zeuge“, „CSI: Den Tätern auf der Spur“ oder „Body of Proof“, in denen Gerichtsmediziner eine entscheidende Rolle spielen. Und das beweisen auch die Bestseller von Michael Tsokos, in denen Deutschlands bekanntester Forensiker von seiner Arbeit berichtet. Nach einem recht blutrünstigen Spatter-Ausflug ins fiktive Trillerfach mit „Abgeschnitten“, den er zusammen mit dem populären Autor Sebastian Fitzek unternommen hat, legt nun Tsokos mit „Die Klaviatur des Todes“ bereits sein drittes Sachbuch vor. Und ist damit erneut sehr erfolgreich. Obwohl manche seiner Schilderungen so detailliert sind, dass sie eigentlich nur für Hobbypathologen geeignet scheinen.

Im Mittelpunkt des dennoch spannend zu lesenden Buches stehen zumeist spektakuläre Kriminalfälle, an deren Aufklärung der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité beteiligt gewesen ist. Da gibt’s also den sogenannten Puzzle-Mörder, der Leichenteile in Koffern und Tüten „entsorgt“ hat. Einen äußerst seltsamen Mord scheinbar ohne erkennbares Motiv in einen Physiotherapeutenpraxis. Oder den Sexualmord auf einem Recyclinghof mit gefrorener Leiche. Und besonders schrecklich, auch beim Lesen, sind die Fälle, in denen Kinder involviert gewesen sind. „Immer, wenn ein Kind eines nicht natürlichen Todes stirbt, ist ein Erwachsener daran schuld.“ – resümiert lapidar Tsokos.

Aber Rechtsmediziner arbeiten nicht nur am toten Objekt. So schildert der Autor Fälle von selbst beigefügten Verletzungen – beispielsweise von Hakenkreuzen, die angeblich Neonazis in die Haut ihrer Opfer geschnitten haben. Was sich dann jedoch als bewusste Täuschung entpuppt hat, weil das Hakenkreuz von dem psychisch kranken „Opfer“ irrtümlich spiegelverkehrt eingeritzt worden ist. Und es geht sogar um Vaterschaftstest, bei denen gern mal von Männern getrickst wird. In Tsokos’ facettenreicher Berufswelt „gibt es tatsächlich nichts, was es nicht gibt.“ Und dennoch wird es dank der stets findigeren Arbeit der Rechtsmediziner immer unwahrscheinlicher, dass ein Mord ungesühnt bleibt.

Michael Tsokos, „Die Klaviatur des Todes“, Droemer Verlag, 332 Seiten, 19.99 Euro. Der Autor liest in der hannoverschen Buchhandlung Hugendubel, Bahnhofstraße 14, am 30. Mai um 20.15 Uhr.

Advertisements
Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: