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Krude TV – Comedy von Norden

Der NDR ist schon ziemlich komisch drauf. So zeigt der Sender das Lustigste im Norden gern gegen Mitternacht. Besonders am Freitag nach den sedativ wirkenden Talkshows laufen dort mehr oder weniger witzige Formate wie „Inas Nacht“, „Comedy Contest“ oder „Die Probe“, und nun testet der NDR auf diesem bewährten Nachteulen-Sendeplatz die neue Comedy-Reihe „Krude TV“. In vorerst fünf jeweils 30-minütigen Folgen präsentieren Nils Holst („Die Probe“, „Ganz schön dreist“) und Oliver Kleinfeld („Pimp My Fahrrad“, „Steven liebt Kino“), die gleichzeitig als Autoren, Schauspieler und Regisseure fungieren, kurze Geschichten und Alltagsparodien mit vermeintlich typisch norddeutschen Figuren, mit nordisch trockenem Humor und netten Wortspielereien. Und unterstützt werden sie dabei durch Gastauftritte von Schauspieler Peter Lohmeyer, Udo-Lindenberg-Gitarrist Jörg Sander oder den NDR-Moderatoren Domenica Berger und Yared Dibaba

Politische Satire, wie sie in der ZDF „Heute-Show“ oder in Friedrich Küppersbuschs wunderbarem WDR-„Tagesschaum“ zu sehen ist, darf man von „Krude TV“ allerdings nicht erwarten. Dazu müsste die Reihe ja auch aktueller produziert werden. Viel mehr erinnern die stets in kurzen Häppchen präsentierten Sketche und Szenen an Oliver Dittrichs „Olli, Tiere, Sensationen“, das von März 2000 bis Mai 2001 im ZDF gelaufen ist. Und an die legendären Werbespots, die Mitte der 90er Jahre Komödienspezialist Detlev Buck für eine Flensburger Brauerei inszeniert hat. Aber auch ein Dittsche würde sich im komischen Kosmos von „Krude TV“ bestimmt pudelwohl fühlen.

Das Rad haben Holst und Kleinfeld also nicht neu erfunden, aber sehenswert ist ihre kleine Show dennoch. Und wenn der NDR beschließen sollte, die Sendung über die Testphase fortzuführen, hätten einige ihrer Figuren durchaus Kultformat. Allen voran „Filialleiter Detlefsen“, der offenbar völlig vereinsamt in seinem Supermarkt hockt und dort nun verzweifelt versucht, mit zweideutigen Durchsagen die weiblichen Kunden nicht nur auf Sonderangebote, sondern auch auf sich selbst aufmerksam zu machen. Natürlich ohne jeglichen Erfolg, aber Detlefsen – das sieht man ihm einfach an – wird weitermachen. Auch in einem norddeutschen Supermarkt stirbt die Hoffnung eben zuletzt.

Ähnlich tragisch-komisch sind „Dieter und Stefan“, zwei wortkarge Moped-Rocker, die auch im tiefsten Winter den lieben langen Tag vor ihrem Kiosk herumlungern und dabei tolle Geschäftsideen schmieden – wie einen längst überfälligen Soßenservice, der die Currywurst an ihrem Imbiss kulinarisch aufwerten soll. Richtig schräg sind die preisgekrönten und völlig übermotivierten Hamburger-Turniertänzer von „Shake und Tanz“ unter der Leitung ihres Dance-Captains Oliver, die sich verbissen auf einen Wettstreit mit ihrem Angstgegner aus Bielefeld vorbereiten und dafür anspruchsvolle Einzelfiguren und Choreografien wie „Der Graf“ einüben. Und einfach nur herrlich albern ist der „Holger“, der stets gut gelaunt mit schrecklichen Kalauern die Leute erschreckt.

Eher schwach dagegen kommen beim Auftakt die Musikdoku-Persiflage „Vikktim“ und „Agentenfamilie Tiedemann“ daher. In diesen beiden Beiträgen vertrauen Holst und Kleinfeld einfach nicht der Komik ihrer Figuren, sondern lassen sie viel zu zappelig, zu bewusst komisch agieren. Doch dieses sogenannte Overacting ist ja eine typisch deutsche Comedy-Krankheit, unter der sogar die ach so populäre „Heute-Show“ heftig leidet.

NDR, freitags, 24 Uhr

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