Startseite > Uncategorized > Sandra Lüpkes: Götterfall

Sandra Lüpkes: Götterfall

Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Ermittlerinnen: Wencke Tydmers, die als Profilerin beim LKA Hannover beschäftigt ist und die in ihrem neunten Fall seit 2001 gleich mit soviel Problemen und Gefahren konfrontiert wird, dass selbst die erfahrene Fallanalytikerin zeitweise den Überblick verliert. Dabei fängt Sandra Lüpkes’ Krimi „Götterfall“ eigentlich ganz harmlos an. Wencke soll ihre Chefin bei einem Symposium auf Island vertreten, bei dem es um den Zusammenhang nordischer Mythen und moderner Politik geht. Doch kurz vor ihrer Abreise erhält sie mysteriöse Briefe mit Tagebuchaufzeichnungen ihrer schon vor Jahren verstorbenen Freundin Doro.

Die Dokumente handeln von einem Fall aus ihrer Ausbildungszeit als Polizistin. Damals vor gut 20 Jahren waren Doro und Wencke zusammen mit ihrer Zimmergenossin Silvia auf der Polizeischule in Bad Iburg und dort an der Suche beteiligt nach einem entführten Politikersohn, der dann ermordet aufgefunden wurde. Als Täter wurde wenig später Doros Freund festgenommen, der zwar die politisch motivierte Entführung zugab. Der aber auch nach seiner Verurteilung zu einer langen Haftstrafe den Mord hartnäckig leugnete. Da die ihr anonym zugeschickten Briefe bisher unbekannte Indizien des damaligen Mordfalls enthalten, beschließt Wencke die Sache neu aufzurollen.

Das hat natürlich Folgen: Wencke wird mit einem höchst verzwickten mörderischen Komplott konfrontiert, bei dem es um Geld und Liebe geht, bei dem Interessen eines großen Konzerns mit im Spiel sind und bei dem auch die nicht ganz koscheren wirtschaftlichen Praktiken bei der Wiedervereinigung eine Rolle spielen. Und ob das nicht alles schon genug wäre, muss sich unsere Ermittlerin auch noch mit privaten Dingen herumschlagen. – Bei einer solchen Themen- und Problemvielfalt wundert es natürlich kaum, dass Lüpkes‘ Krimi bisweilen doch ein wenig überkonstruiert wirkt – besonders gegen Ende, wenn die Autorin recht überraschend den Hauptschuldigen aus den Zylinder zaubert. Gleichwohl ist trotz dieser Schwäche, die Geschichte spannend zu lesen. Allein schon wegen der sympathisch handfesten Ermittlerin. Und wer möchte, entdeckt bei der Beschreibung des im Roman erwähnten Politikers sogar ein paar unschöne Parallelen zu dem greisen Helmut Kohl.

Sandra Lüpkes: Götterfall, dtv, 335 Seiten, 14.90 Euro.

Advertisements
Kategorien:Uncategorized
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: