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TV-Kritik: Alles Schwindel

Über diese Leichtigkeit unserer südlichen Nachbarn können wir Piefkes nur staunen: So locker, charmant und witzig kommt die ORF-Komödie „Alles Schwindel“ daher. Und dem österreichischen Regisseur Wolfgang Murnberger („Der Knochenmann“), der sie nach einem Drehbuch seiner Landsleute Uli Brée, Rupert Henning und Gabriel Castaneda Senn inszeniert hat, standen dabei auch noch exzellente Schauspieler zur Verfügung. Das Erstaunlichste ist jedoch, wie geschickt im Film die verschiedensten Handlungsstränge verknüpft werden – ohne dass auch nur eine der Geschichten und Geschichtchen im erzählerischen Nirwana verpufft.

Los geht’s mit einem nächtlichen Kunstraub in einem Wiener Museum, den der dortige Museumswärter Albert Wolf (Udo Samel) beobachtet. Vor lauter Aufregung bekommt der Gute daraufhin einen leichten Herzinfarkt und landet natürlich im Krankenhaus. Dort besucht ihn am folgenden Tag seine Tochter Isabell (wunderbar: Ursula Strauss), die sich nach einer sündhaft teuren Ausbildung als Modemacherin in Paris versucht, angeblich erfolgreich. Als sie für ihren alten Herrn einen Kaffee holt, stößt sie im Hospitalflur mit dem Adligen Poldi (Benno Fürmann) zusammen. Und muss zurück im Krankenzimmer feststellen, dass ihr Vater inzwischen Hals über Kopf geflohen ist.

Nach einer kurzen Suche findet Isabell ihren störrischen Alten in dessen Wohnung. Und nun nimmt die Geschichte Fahrt auf. Albert gesteht seiner Tochter, dass im Museum in Wirklichkeit nur eine Kopie gestohlen wurde. Also eine Fälschung, die er angefertigt hat – aus einem simplen Grund: „Mir war fad, und ich mal halt gern.“ Das Original hängt derweil gut versteckt in seiner Wohnung. Und jetzt hat er Angst, dass die Polizei – die durch ein typisch wienerisch vertrotteltes Duo verkörpert wird – ihm auf die Schliche kommt. Guter Rat ist da mal wieder ganz schön teuer.

Auch für den schon erwähnten blaublütigen Poldi, der in einem heruntergekommenen Schlösschen wohnt und total pleite ist. Er ist inzwischen sogar bereit gegen Geld einen reichen usbekischen Grobian zu adoptieren, obwohl der gut zwanzig Jahre älter ist als er selbst. Außerdem muss er sich um seine alte Mutter (Bibiana Zeller) kümmern, die das letzte Geld der Familie für Teleshopping ausgibt und angeblich unter Demenz leidet. Doch als Poldi von dem Wiener Kunstraub hört, scheint die finanzielle Not endlich ein Ende zu haben. Das gestohlene Bild ist nämlich eine Leihgabe seiner Familie gewesen und vor allem mehrere Millionen wert. Und der verarmte Landadlige hofft nun, dass die Versicherung des Museums für den Schaden aufkommt.

Doch so einfach laufen die Dinge nicht in dieser rasanten Gaunerkomödie, sondern die Geschichte wird im Verlauf des Films immer verzwickter, immer absurder. Und immer lustiger. Wirklich alle wichtigen Personen schwindeln sich irgendwie durchs Leben – mit Lebenslügen, die zwar tragisch, aber vor allem ganz schön komisch sind. Und selbst einer altersbedingten Demenz kann man in diesem heiter verschrobenen Lügen-Kosmos nicht trauen. Nach 90 Minuten bester Unterhaltung, die durchaus klassisches Screwball-Format besitzt, kann man sich bei der ARD nur bedanken, dass sie uns dieses Ösi-Schmankerl gezeigt hat. Und man kann nur hoffen, dass sich deutsche Komödien von der hier vorgeführten Leichtigkeit und der ausgelassenen Freude am Nonsens anstecken lassen.

ARD, 18.09.2013, 20:15 Uhr 
ARD, 19.09.2013, 00:20 Uhr / Eins Festival, 21.09.2013, 20:15 Uhr
Eins Festival, 22.09.2013, 11:30 Uhr / Eins Festival, 25.09.2013, 12:30 Uhr

 

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