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Tatort – Die chinesische Prinzessin

Ist jetzt in Münster womöglich Schluss mit lustig? Nach ihren Klamauk-„Tatorten“ „Das Wunder von Wolbeck“ und „Summ, summ, summ“ kommt der neuste Fall des Erfolgs-Duos Boerne/Thiel (Jan Josef Liefers/ Axel Prahl) jedenfalls ungewöhnlich ernst daher. Slapstickeinlagen fehlen in „Die chinesische Prinzessin“ (Regie: Lars Jessen, Drehbuch: Orkun Ertener) also völlig, witzige Dialoge sind äußerst rar. Und am Ende sagt Professor Boerne tatsächlich zu seiner kleinwüchsigen Mitarbeiterin (Christine Urspruch) statt „Alderich“ plötzlich respektvoll „Frau Haller“.

Das ist alles ziemlich gewöhnungsbedürftig. Schließlich ist schräger Humor, der zuweilen auch mal ziemlich albern ausgefallen ist, bisher das Markenzeichen des Münsteraner-„Tatorts“ gewesen. Für Fans ist dieser Film daher vermutlich eine Enttäuschung, über die selbst die amüsante Schlussszene nicht hinwegtrösten wird. Da versinken unsere beiden müden Krimi-Helden frustriert in Thiels Junggesellensofa, gönnen sich noch in billigen Gläsern einen von Boernes exquisiten Rotweinen und trauern gemeinsam nach Alt-Männerart ihren verpassten erotischen Chance nach.

Und worum geht’s? Nun, den Inhalt dieses Films fasst prägnant Thiel selbst zusammen: „Chinesische Mafia, Geheimdienste in Münster, was denn noch? FBI, CDU, GEZ?“, fragt er genervt. „Was ist das hier? Versteckte Kamera? Verstehen Sie Spaß?“ Und los geht diese verworrene Geschichte gleich mit einem doppelten Filmriss: Kommissar Thiel betrinkt sich an seinem Geburtstag, schleppt seine junge Assistentin Nadeshda (Friederike Kempter) am Ende des Abends noch zu einem Absacker in seine Wohnung ab und schläft dann offenbar volltrunken ein. Am Morgen danach bekommt er einen gehörigen Schreck, als Nadeshda ihn mit einem bezaubernd vielsagenden Lächeln weckt. Und wie Kemptner, die bisher in ihrer Rolle eher unscheinbar gewesen ist, das spielt, ist wirklich entzückend und vor allem witzig.

Auch Boerne stürzt am selben Abend ab. Auf einer Vernissage lernt er die hübsche chinesische Künstlerin und Menschenrechtskämpferin Songma (Huichi Chiu) kennen. Beide flirten heftig, verschwinden gemeinsam vorzeitig, und statt ihr seine Briefmarkensammlung zu zeigen, präsentiert er der Schönen in seiner Rechtsmedizin ungewöhnliche Leichen. Dann schnupft Songma Kokain – und an den Rest kann sich Boerne nicht mehr erinnern. Seine Assistentin findet ihn morgens ohnmächtig auf dem Boden liegend mit einem Skalpell in der Hand, daneben auf dem Seziertisch liegt tot die hübsche Chinesin. Boerne wird wegen Mordverdachts festgenommen. Und damit ist für ihn für den Rest des Films Schluss mit Lästern.

Thiel glaubt jedoch nicht an seine Schuld. Und wird nun in diesem Fall leider nicht mir der versteckten Kamera konfrontiert, sondern mit dem chinesischen Geheimdienst und der chinesischen Mafia, dem gewohnt trotteligen BKA und einem eigentlich netten, gleichwohl verdächtigen chinesischen Mitbürger. Und selbst ein ehrenwerter westfälischer Museumskurator (Tonio Arrango) scheint nicht ganz koscher. Kein Wunder, dass unser Kommissar schließlich nur „Ching, Chang, Chong“ versteht. Und da geht’s dem Zuschauer genauso, den diese arg witz- und spannungslose Geschichte schnell kalt lässt. Einzig Assistentin Nadeshda verliert nicht den Überblick. Aber sie hat ja sogar, wie der Film zeigt, alle chinesischen Provinznamen im Kopf und kann richtig bezaubernd lächeln.

ARD, 20.10.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 20.10.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 20.10.2013, 23:45 Uhr
ARD, 22.10.2013, 00:35 Uhr

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