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Archive for Oktober 2013

Saubere Landung

Oktober 22, 2013 1 Kommentar
Kategorien:Uncategorized

Tatort – Die chinesische Prinzessin

Ist jetzt in Münster womöglich Schluss mit lustig? Nach ihren Klamauk-„Tatorten“ „Das Wunder von Wolbeck“ und „Summ, summ, summ“ kommt der neuste Fall des Erfolgs-Duos Boerne/Thiel (Jan Josef Liefers/ Axel Prahl) jedenfalls ungewöhnlich ernst daher. Slapstickeinlagen fehlen in „Die chinesische Prinzessin“ (Regie: Lars Jessen, Drehbuch: Orkun Ertener) also völlig, witzige Dialoge sind äußerst rar. Und am Ende sagt Professor Boerne tatsächlich zu seiner kleinwüchsigen Mitarbeiterin (Christine Urspruch) statt „Alderich“ plötzlich respektvoll „Frau Haller“.

Das ist alles ziemlich gewöhnungsbedürftig. Schließlich ist schräger Humor, der zuweilen auch mal ziemlich albern ausgefallen ist, bisher das Markenzeichen des Münsteraner-„Tatorts“ gewesen. Für Fans ist dieser Film daher vermutlich eine Enttäuschung, über die selbst die amüsante Schlussszene nicht hinwegtrösten wird. Da versinken unsere beiden müden Krimi-Helden frustriert in Thiels Junggesellensofa, gönnen sich noch in billigen Gläsern einen von Boernes exquisiten Rotweinen und trauern gemeinsam nach Alt-Männerart ihren verpassten erotischen Chance nach.

Und worum geht’s? Nun, den Inhalt dieses Films fasst prägnant Thiel selbst zusammen: „Chinesische Mafia, Geheimdienste in Münster, was denn noch? FBI, CDU, GEZ?“, fragt er genervt. „Was ist das hier? Versteckte Kamera? Verstehen Sie Spaß?“ Und los geht diese verworrene Geschichte gleich mit einem doppelten Filmriss: Kommissar Thiel betrinkt sich an seinem Geburtstag, schleppt seine junge Assistentin Nadeshda (Friederike Kempter) am Ende des Abends noch zu einem Absacker in seine Wohnung ab und schläft dann offenbar volltrunken ein. Am Morgen danach bekommt er einen gehörigen Schreck, als Nadeshda ihn mit einem bezaubernd vielsagenden Lächeln weckt. Und wie Kemptner, die bisher in ihrer Rolle eher unscheinbar gewesen ist, das spielt, ist wirklich entzückend und vor allem witzig.

Auch Boerne stürzt am selben Abend ab. Auf einer Vernissage lernt er die hübsche chinesische Künstlerin und Menschenrechtskämpferin Songma (Huichi Chiu) kennen. Beide flirten heftig, verschwinden gemeinsam vorzeitig, und statt ihr seine Briefmarkensammlung zu zeigen, präsentiert er der Schönen in seiner Rechtsmedizin ungewöhnliche Leichen. Dann schnupft Songma Kokain – und an den Rest kann sich Boerne nicht mehr erinnern. Seine Assistentin findet ihn morgens ohnmächtig auf dem Boden liegend mit einem Skalpell in der Hand, daneben auf dem Seziertisch liegt tot die hübsche Chinesin. Boerne wird wegen Mordverdachts festgenommen. Und damit ist für ihn für den Rest des Films Schluss mit Lästern.

Thiel glaubt jedoch nicht an seine Schuld. Und wird nun in diesem Fall leider nicht mir der versteckten Kamera konfrontiert, sondern mit dem chinesischen Geheimdienst und der chinesischen Mafia, dem gewohnt trotteligen BKA und einem eigentlich netten, gleichwohl verdächtigen chinesischen Mitbürger. Und selbst ein ehrenwerter westfälischer Museumskurator (Tonio Arrango) scheint nicht ganz koscher. Kein Wunder, dass unser Kommissar schließlich nur „Ching, Chang, Chong“ versteht. Und da geht’s dem Zuschauer genauso, den diese arg witz- und spannungslose Geschichte schnell kalt lässt. Einzig Assistentin Nadeshda verliert nicht den Überblick. Aber sie hat ja sogar, wie der Film zeigt, alle chinesischen Provinznamen im Kopf und kann richtig bezaubernd lächeln.

ARD, 20.10.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 20.10.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 20.10.2013, 23:45 Uhr
ARD, 22.10.2013, 00:35 Uhr

Schon eine tolle Sängerin

Kategorien:Uncategorized

Echte Power

Oktober 17, 2013 1 Kommentar
Kategorien:Uncategorized

Tom Rob Smith: Ohne jeden Zweifel

Warum der Verlag Tom Rob Smith’ neuen Roman als „Thriller“ bezeichnet, weiß vermutlich nur die Marketing-Abteilung. Und wird vermutlich manchen Leser, der dann eine entsprechend nervenzerreißende Lektüre erwartet, enttäuschen. Zudem ist die in „Ohne jeden Zweifel“ erzählte Geschichte vor allem wegen der Detailbesessenheit des englischen Autors („Kind 44“) anfangs sehr sperrig, ja auch ein bisschen langatmig, und richtig spannend wird sie erst auf den letzten Seiten.

Und darum geht’s: Der Ich-Erzähler Daniel, ein erfolgloser Londoner Landschaftsgärtner, bekommt eines Tages eine schockierende Nachricht. Seine Mutter, die vor Jahren mit ihrem englischen Mann in ihr Geburtsland Schweden ausgewandert ist, soll psychisch schwer erkrankt sein. Kurze Zeit danach steht sie jedoch plötzlich vor seiner Tür, behauptet, dass sie vor ihrem Mann geflohen sei, und bittet ihren Sohn um Hilfe. Damit er ihr auch glaubt, erzählt sie ihm ihre Geschichte, berichtet von einer finsteren Verschwörung und schließlich von einem schlimmen Verbrechen.

Dabei erfährt Daniel Dinge über seine Eltern, die er bisher nicht gewusst hat, ja die ihm bewusst verschwiegen worden sind. Gleichzeitig entsteht bei ihm zunehmend das Gefühl, dass seine Mutter tatsächlich unter Paranoia leidet. Dennoch lässt der Autor, der selber eine schwedische Mutter hat, lange Zeit offen, was an dem Erzählten wahr und was wahnhaft ist. Und aus diesem recht raffiniert entworfenen Spiel um Wahn und Wirklichkeit bezieht das Buch seine Spannung. Die allerdings ein wenig darunter leidet, dass die Mutter bei ihrer zuweilen ausufernden Geschichte – besonders in der ersten Hälfte des Buchs – viel zu vage bleibt. Der Schluss ist allerdings umso schockierender. Und hat dann doch fast schon Psychothriller-Qualität.

Tom Rob Smith, Ohne jeden Zweifel, Manhattan, 384 S., 19,99 Euro.

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Netter Scherz

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Nein, diese Hunde

Oktober 10, 2013 1 Kommentar
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Und nun die Werbung

Oktober 10, 2013 1 Kommentar
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Prisoners

In den USA war die Kritik begeistert. Auch das Publikum spielte mit und machte das aufregende Entführungsdrama „Prisoners“ trotz seiner ungewöhnlichen Länge von rund zweieinhalb Stunden zu einem Kassenschlager. Nun kann man den Film des Kanadiers Denis Villeneuve, der damit sein Hollywood-Debüt feiert und mit „Die Frau, die singt“ (2010) schon einmal für einen Oscar nominiert gewesen ist, auch bei uns in den Kinos sehen. Schauplatz ist eine Kleine-Leute-Vorstadt irgendwo in Pennsylvania, wo sich zu Thanksgiving die Familien Dover und Birch zu einem kleinen Fest treffen. Alles verläuft in schönster Harmonie, bis plötzlich das Unfassbare geschieht.

Die beiden jüngsten Kinder der Familien, die draußen gespielt haben, sind plötzlich verschwunden. Verzweifelt wird nach ihnen gesucht – ohne Erfolg. Auch die inzwischen eingeschaltete Polizei findet die zwei Mädchen nicht. Doch dann gerät schnell der geistig zurückgebliebene Axel (Paul Dano) in Verdacht, der in der Nähe des vermeintlichen Tatorts mit seinem heruntergekommenen Wohnmobil gesehen worden ist. Als er bei der Vernehmung versucht zu fliehen, nimmt ihn der für den Fall verantwortliche Detective Loki fest, muss ihn aber auf Grund fehlender Beweise nach zwei Tagen wieder laufen lassen. Daraufhin greift der Vater einer der verschwundenen Kinder, Keller Dover, zur Selbstjustiz. Er entführt Axel und beginnt ihn unter Folter zu verhören.

Das klingt zwar ein wenig nach „Ein Mann sieht rot“, doch der Film nach einem beachtlich vielschichtigen Drehbuch von Aaron Guzikowski hat wesentlich mehr zu bieten. So wird hier nicht nur ein ernstes moralisches Dilemma beschrieben, sondern es wird gezeigt, wie durchlässig die Grenze zwischen Gut und Böse sein kann. Und dabei wird der Zuschauer mit der drängenden und für ihn vor allem unbequemen Frage konfrontiert, wie er denn selbst in solch einer Situation handeln würde. Bemerkenswert ist auch, wie ambivalent die zentralen Figuren charakterisiert sind, die zudem durch sehr gute Akteure verkörpert werden. Allen vor Hugh Jackman, der den schließlich fast nur noch von Rache besessenen Vater spielt. Und Jake Gyllenhaal, der als Detective Loki zunehmend an seiner ihn einengenden Rolle als Polizist zu verzweifeln droht. Beide wirken beängstigend authentisch und sollten sich mit ihrer Leistung für das diesjährige Oscar-Rennen qualifiziert haben.

Die spinnen, die Amerikaner!

Oktober 10, 2013 1 Kommentar
Kategorien:Uncategorized
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