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Archive for November 2013

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Seegrund. Ein Kluftingerkrimi

Jetzt steckt auch noch Kluftinger (Herbert Knaup) tief in der Krise. Dabei ist dieses Allgäuer Mannsbild unter den von Selbstzweifel zerfressenden deutschen TV-Ermittlern eigentlich der Fels in der Brandung. Ein urkonservativer Hauptkommissar, der weiß, wo es lang geht. Der unerschütterlich seine zahllosen Vorurteile pflegt und sich durch nichts und niemanden seinen enormen Appetit auf Kässpatzen und andere Köstlichkeiten nehmen lässt. Doch in seinem dritten TV-Fall „Seegrund“ kommt es für ihn richtig dicke.

Dabei könnte alles so schön sein. Zusammen mit seiner Frau Erika (Margret Gilgenreiner), seinem erwachsenen Sohn Markus (Frederic Linkemann) möchte Kluftinger einen netten Tag am geheimnisumwitterten Alatsee bei Füssen verbringen. Bei dieser Gelegenheit möchte der Junge nämlich seinen Eltern seine neue Freundin vorstellen. Und dann entpuppt sich diese ausgerechnet als Japanerin! Für Kluftinger ist das ein richtiger Schock. Japaner sind für ihn halt nicht nur Fremde, sondern irgendwie komische Menschen, die kleingewachsen sind, ständig fotografieren und tatsächlich rohen Fisch essen. Eine Spezialität, die – wie der Film hoffentlich nachhaltig zeigt – für Allgäuer Mägen absolut ungeeignet ist.

So gerät Kluftingers wohlgeordnete weißblaue Welt langsam durcheinander; und zwar auf so lustige Weise, dass sich der Zuschauer dabei bestens amüsiert – über Szenen, die mehr Comedy als Krimi sind. Und dann schlägt dieses bayrische Lustspiel, das wie die beiden Fälle zuvor erneut von Rainer Kaufmann („Die Apothekerin“, „Operation Zucker“) ungewöhnlich leicht inszeniert worden ist, plötzlich auch noch kriminelle Untertöne an: Bei ihrem Ausflug an das Ufer des Sees stößt die Familie auf einen scheinbar toten Taucher, der dann doch nicht tot ist, aber zumindest heftig niedergeschlagen worden ist. Der eingeschaltete Füssener Kollege Friedel Marx (Catrin Striebeck) entpuppt sich kurz danach als Frau Kommissarin, kettenrauchend, Sportwagen fahrend und aus Kluftingers Sicht unverschämt selbstbewusst. Und ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss sich unser bayrische Dickschädel auch noch mit dem selbsternannten Schamanen vom Alatsee herumschlagen, der ihm was vom gestörten Chi des Sees erzählt – was immer das ist?

Schließlich führt die Spur in diesem Mordfall, der ja in Wirklichkeit keiner ist, zu einem kurz vor Kriegsende im See angeblich versenkten Nazi-Schatz. Dies alles ergibt eine Geschichte, die für einen Heimatkrimi zwar ungewöhnlich kompliziert und auch ein bisschen arg verworren ist. Doch das macht überhaupt nichts, stört nicht den Spaß an diesem Film, der so eindeutig von der Person Kluftinger, diesem Alpen-Columbo, geprägt wird, dass die Handlung reinste Nebensache ist und alle anderen Mitwirkenden sowieso zu Nebenfiguren werden. Und wie Herbert Knaup den knorrigen Kommissar spielt, hat man das Gefühl, dass diese Rolle eigens für ihn geschaffen worden ist.

Ausgedacht haben sich diese Figur die Schriftsteller Michael Kobr und Volker Klüpfel, die sie in den Mittelpunkt von bis jetzt erschienenen sieben Allgäu-Krimis gestellt haben. Und der enorme Erfolge dieser für das Genre ungewöhnlich originellen und keineswegs miefig provinziellen Heimatkrimis, die insgesamt eine Auflage von mehr als 4,5 Millionen Exemplaren erzielt haben, gibt ihnen Recht. Dass die beiden Autoren immer noch Spaß an diesen Geschichten und ihren Verfilmungen haben, zeigt, dass sie in zwei kleinen Nebenrollen in „Seegrund“ auftreten: als Gerichtsmediziner und als Bruder des niedergeschlagenen Tauchers. Und daher dürfen sich Leser und TV-Zuschauer wohl auf noch mehr Kluftinger-Fälle freuen.

ARD, 28.11.2013, 20:15 Uhr 
ARD, 29.11.2013, 00:20 Uhr / Eins Festival, 01.12.2013, 20:15 Uhr
Eins Festival, 03.12.2013, 01:30 Uhr / Eins Festival, 07.12.2013, 03:30 Uhr

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Miley Cyrus – Wrecking Ball

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Dosenöffner

November 25, 2013 2 Kommentare
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Kjell Westö: Geh nicht einsam in die Nacht

Es ist schon ein seltener Glücksfall, wenn es einem Autor gelingt, das Lebensgefühl einer ganzen Generation so ungemein glaubhaft und gleichzeitig so unterhaltsam zu schildern. Dieses Kunststück hat der finnlandschwedische Schriftsteller Kjell Westö mit „Geh nicht einsam in die Nacht“ vollbracht – einem mehr als 700 Seiten starken Roman, den man trotz seines enormen Umfangs bis zur letzten Seite einfach gerne liest. Und der besonders für ältere Leser einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, während jüngere nach der Lektüre vielleicht verstehen werden, warum sich ihre „Alten“ manchmal so seltsam verhalten.

Im Mittelpunkt steht das Freundes- und Musiktrio Ariel, Adriana und Jouni, das seine Jugend in den sechziger Jahren in Helsinki verbringt. Die drei stammen zwar aus unterschiedlichen sozialen Milieus, wohnen dennoch im selben Stadtteil und erleben als eingeschworene und sich gegenseitig schützende Gemeinschaft diese Jahre des wilden Aufbruchs. In ihrer Musik, die der 52jährige Autor ungewöhnlich kenntnisreich und mit spürbarer Leidenschaft beschreibt, spiegelt sich ihr Lebensgefühl. Sie träumen von einer eigenen großen Karriere als Rockmusiker, nehmen sogar eine Platte mit dem titelstiftenden Song auf, scheitern jedoch letztlich. Und diese Niederlage lässt die beiden „Luftmenschen“ dieses Trios schließlich zerbrechen, während sich der wesentlich geerdetere Jouni durchboxt, eine Karriere als Journalist und später als Politiker macht.

Auf diese „Generation der Räucherstäbchen“, eine hübsche Bezeichnung des Autors für Hippies, folgt im zweiten Teil des Romans die „Generation der Neonröhren“. Gut 15 Jahre später ist nicht nur die Musik (und eben das Licht in den Kneipen und Bars) kalt und härter geworden, es ist die Zeit des Punks. Auch das Lebensgefühl der jungen Menschen hat sich entsprechend verändert. Wieder steht im Zentrum ein Trio: Eva, Pete und der Ich-Erzähler Frank. Und das Leben dieser drei verbindet der Autor nun auf gar wundersame und auf äußerst geschickte Weise mit dem ihrer Vorgänger. Schließlich begibt sich Frank dann auf Spurensuche, er will mehr wissen über das Leben dieser drei. Und diese spannende Suche führt ihn schließlich bis in die Gegenwart Helsinkis.

Geschrieben ist dies in einer poetischen, aber dennoch klaren Sprache. Fast ohne Ironie, stets mit großem Ernst und einer Spur angenehmster Melancholie, dem Blues Finnlands. Man erfährt dabei auch viel über Helsinki, wobei Westö gängige Klischees vermeidet. Das Buch entwirft zudem ein gelungenes Spiegelbild der gesellschaftlich kulturellen Entwicklung in West- und Nord-Europa. Und vor allem macht es neugierig auf weitere Bücher des in Helsinki geborenen Autors.

Kjell Westö, „Geh nicht einsam in die Nacht“, btb Verlag, 704 Seiten, 24,99 Euro. Der Autor liest am kommenden Mittwoch (27.12.) um 19.30 Uhr in der hannoverschen Buchhandlung Leuenhagen & Paris. Den deutschen Part übernimmt der Schauspieler Christian Erdmann

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Getaway

Bumm! Bäng! Crash! – mit diesen drei Worten lässt sich trefflich Courtney Solomons Film zusammenfassen. Viel mehr geschieht eigentlich nicht, und das ist selbst für ein reines Actionspektakel reichlich wenig. Und Hauptdarsteller Ethan Hawke hat in dem angerichteten Getöse, das ausschaut wie ein schon ziemlich angestaubtes Computerspiel, zudem eine fast ausschließlich (hinter dem Lenkrad) sitzende Rolle. Er spielt den ehemaligen Rennfahrer Brent, dessen Ehefrau kurz vor Weihnachten in Sofia entführt wird. Der anonyme Kidnapper (Jon Voight), von dem man nicht mehr sieht als seinen in Nahaufnahme gefilmten Drei-Tage-Bart, stellt ihm nun mehrere gefährliche Aufgaben.

Zuerst soll Brent ein von dem Kidnapper ausgewähltes Auto stehlen. Dann mit diesem luxuriösen Geschoss durch die Stadt rasen, beispielsweise über einen gut besuchten Weihnachtsmarkt: Bumm! Bäng! Crash! Oder durch einen gut frequentierten Park: Holla, die Waldfee! Dabei trifft Brant dann auf eine junge Frau (Selena Gomez), die sich nicht nur als Besitzerin des Autos entpuppt, sondern auch als kleines Computergenie. Und die sich dann mit auf die rasende Sofia-Tour begibt. Doch schließlich reicht es unserem Rennfahrer. Er wisse, sagt er, einfach nicht, was der ganze Scheiß soll. Und das hat Folgen, die aber auch nicht besonders aufregend sind.

Doch die meisten Zuschauer haben wohl sowieso längst das Interesse an diesem völlig einfallslosen Spektakel verloren. So erschreckend einschläfernd wirkt diese eintönige Autoraserei. Und das einzig Bemerkenswerte ist die große Anzahl von Sackgassen und von demolierten Polizeiautos, die dieses Spektakel hinterlässt: Doch daran werden wohl bestenfalls ehemalige Stuntmen ihre Freude haben. Kurzum: Bumm! Bäng! Gähn!

Getaway, Regie: Courtney Solomon, USA, Bulgarien 2013, 90 Min., FSK: 12

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The Act of Killing

Das Blut habe fürchterlich gestunken, erinnert sich der Massenmörder Anwar Congo. Aus diesem Grund habe er lieber zu einer „sauberen“ Art des Tötens gegriffen: dem Strangulieren mit einer Drahtschlinge. Und dann führt er in dem sehenswerten Dokumentarfilm „The Act of Killing“ des amerikanischen Regisseurs Joshua Oppenheimer vor, wie man mit diesem Mordinstrument am besten umgeht. Mehr als 100 Menschen hat Congo auf diese Art in den Jahren 1965/66 in Indonesien eigenhändig ermordet, alles vermeintliche Oppositionelle des damaligen Militärregimes. Und er ist für diesen Taten nie bestraft wurden.

Ganz im Gegenteil. Congo ist heute in seinem Land ein angesehener alter Herr, der in TV-Talkshows von seinen Taten prahlen darf. Und er ist nur einer von vielen, die vor fast 50 Jahren als Paramilitärs oder Gangster mehr als eine Million angebliche Kommunisten umgebracht hat. Ein Massenmord, der – wie der von Werner Herzog mitproduzierte Film zeigt – offenbar von der indonesischen Gesellschaft bis heute positiv verklärt wird. So treten in der Dokumentation beispielsweise Vertreter der heutigen Regierung auf, die die einstigen Killer als Freiheitskämpfer feiern.

Wohl auch ein Grund, dass die Mörder in diesem Film nicht nur völlig offen von ihren Untaten erzählen, sondern auch bereit sind, sie für einen angeblich zu drehenden Spielfilm nachzuspielen. Die Begeisterung, die sie dabei an den Tag legen, ist erschreckend und trägt bisweilen groteske Züge. Genau wie die dabei entstehenden fiktiven Szenen, bei denen sie gern Vorbilder aus amerikanischen Gangsterfilmen der Zeit zitieren. Bei aller Grausamkeit, die hier beschrieben wird, wirken diese Massenmörder gleichzeitig in ihrer Erscheinung fürchterlich banal. Und man denkt unweigerlich an Hannah Arendts vielzitiertes Wort von der „Banalität des Bösen“, die sich eben nicht auf Nazi-Deutschland beschränken lässt.

The Act of Killing, Regie: Joshua Oppenheimer, Dänemark, Norwegen, Großbritannien 2012, 115 Min. FSK: nicht bekannt

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