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Bella Block – Angeklagt

Deutschlands rüstigste TV-Rentnerin ermittelt wieder. Und ein Ende ist zum Glück noch nicht in Sicht. Seit 1994 ist „Bella Block“, die einst von der Autorin Doris Gercke erdacht worden ist, in schönster Regelmäßigkeit im ZDF zu sehen. Und dient inzwischen nach der Einstellung der fast gleichaltrigen Reihe „Rosa Roth“ (mit Iris Berben) als das Krimi-Aushängeschild des Senders. Ein andauernder Erfolg, der wohl nicht zuletzt an der heute 71jährigen Hannelore Hoger liegt, die diese Figur immer resolut und gleichzeitig ungewöhnlich mitfühlend verkörpert. Und der man vor allem den Spaß an dieser Rolle stets anmerkt. Da verzeiht man ihrer Bella sogar die etwas nervige Angewohnheit, junge Leute gluckenhaft zu duzen.

In ihrem 34. Fall „Angeklagt“, den der renommierte österreichische Regisseur Julian Roman Pölsler („Die Wand“) nach einem Drehbuch von Stefan Holtz und Florian Iwersen inszeniert hat, wird Bella Block mit einer vermeintlichen Kindsmörderin konfrontiert. Die Leiche eines kleinen Mädchens, das vor vier Jahren entführt worden sein soll, wird in einer alten Fabrikhalle entdeckt. Die Mutter des Kindes, die erfolgreiche Modemacherin Jana Larson (Karoline Eichhorn), wird nun vor Gericht beschuldigt, die Kleine versehentlich oder sogar mit Absicht getötet und sie anschließend eiskalt „entsorgt“ zu haben. Alle Indizien sprechen jedenfalls gegen die Frau, selbst ihre Familie scheint sich von ihr abgewandt zu haben. Und die Boulevard-Presse hat sie als „Jana, die Schreckliche“ längst vorverurteilt.

Die Sache scheint also klar zu sein, und genau das stört eine widerborstig skeptische Querdenkerin wie Bella Block. Sie selbst sagt in dem Prozess als Zeugin aus, weil sie damals die Mutter als erste verhört hat, sich dann allerdings nicht weiter um den Fall kümmern konnte. Was sie jetzt als Kommissarin im Ruhestand nachholt, auch weil Strafverteidiger Volkmann (Tim Bergmann) neue Beweismittel vorlegt und sie um Hilfe bittet. Doch Jana Larson verhält sich in einem ersten Gespräch mit Bella seltsam sperrig, auch das Verhalten ihres erwachsenen Sohnes (Jannik Schümann), der die Aussage verweigert, ist ziemlich merkwürdig. Und ihr geschiedener Mann (Fritz Karl) scheint sogar von einer Verurteilung seiner Ex-Frau finanziell zu profitieren.

Lange Zeit stochert Bella bei ihren Ermittlungen im sprichwörtlichen Nebel. Und ähnlich geht’s dem Zuschauer, der auch nicht mehr weiß als die pensionierte Kommissarin. Genau das sorgt dann für genügend Spannung, obwohl die eigentliche Geschichte leider nicht besonders aufregend ist, auch die Dialoge wirken oft sehr platt. Und das vom Film angesprochene Thema „Überforderte Mutter, vernachlässigte Kinder und so weiter“ wird schon seit einiger Zeit von vielen Krimis behandelt. Doch gegen Ende nimmt die Story dann doch noch eine überraschende Wendung, bei der Bella alles Gluckenhafte ablegt und selbst eiskalt, ja sogar ein bisschen grausam den Täter (oder die Täterin) überführt. Sie kann halt auch anders. Und das wünscht man sich auch von ihrem 35. Fall „Lissabon“, mit dem sie im kommenden Jahr dann ihr 20-jähriges Fernsehjubiläum feiert.

ZDF, 02.11.2013, 20:15 Uhr

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