Startseite > Uncategorized > Edney Silvestre: Der letzte Tag der Unschuld. Kriminalroman

Edney Silvestre: Der letzte Tag der Unschuld. Kriminalroman

Nein, gängige Krimiunterhaltung sollte der Leser nicht erwarten, obwohl das Buch genau dies in seinem Untertitel suggeriert. Dafür ist Edney Silvestres Erstlingsroman „Der letzte Tag der Unschuld“, der in seiner Heimat Brasilien mit mehreren renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet worden ist, stilistisch viel zu sperrig. Auch die fast durchgängige Dialogform nervt beim Lesen ein wenig. Vor allem aber fehlt klassische „Whodunit“-Spannung und die Auflösung des geschilderten Falls ist sogar recht verwirrend, trägt dafür jedoch immerhin tragisch-komische Züge.

Schauplatz ist eine kleine Stadt irgendwo im Landesinneren Brasiliens zur Zeit des ersten Weltraumflugs von Juri Gagarin. Während der russische Kosmonaut die Erde umrundet, endet am 12. April 1961 für zwei 12-jährige Jungs, Paulo und Eduardo, abrupt die vermeintlich unschuldige Kindheit. Beim Baden an einem kleinen See entdecken sie die unbekleidete Leiche einer jungen Frau. Sie ist bestialisch ermordet worden, der Mörder hat ihr sogar eine Brust abgeschnitten. Und ziemlich schnell steht für die Polizei der Täter fest: ihr wesentlich älterer Ehemann, ein Zahnarzt, der dann auch die Tat aus vermeintlicher Eifersucht gesteht.

Genau das bezweifeln aber aus guten Gründen Paulo und Eduardo. Und beginnen selbst kindlich naiv zu ermitteln. Dabei werden die zwei bald unterstützt durch einen fast greisen Herrn aus einem Altersheim. Einen, wie sich herausstellt, in früheren Jahren politisch Verfolgten, der sehr viel über die Mächtigen in dieser Provinzstadt weiß. Was den Alten aber genau bei seinen Ermittlungen umtreibt, bleibt leider im Dunkeln.

Stattdessen liefert die Geschichte eine anschauliche, manchmal auch sprachlich drastische Beschreibung des damaligen Umbruchs in Brasilien: Moderne kapitalistische Verhältnisse setzen sich im Land langsam durch, auch mit Einrichtungen wie staatliche Gymnasien und den damit verbundenen Aufstiegschancen für Kinder aus unteren sozialen Schichten wie Paulo und Eduardo. Gleichzeitig aber erweisen sich traditionelle, beinahe feudale Machtstrukturen besonders in der Provinz als sehr beharrlich. Und die Untersten der Unteren in diesem überkommenden Gefüge sind immer noch die Frauen, die einzig zur Befriedung der sexuelle Lüste und Perversionen der alten Herren dienen müssen. Kurz: Wer mehr über die Geschichte Brasiliens wissen möchte, bekommt hier einen interessanten Einblick.

Edney Silvestre: Der letzte Tag der Unschuld. Kriminalroman, Limes Verlag, 344 S., 19,99 Euro.

Advertisements
Kategorien:Uncategorized Schlagwörter:
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: