Startseite > Uncategorized > Tatort – Eine andere Welt

Tatort – Eine andere Welt

Dass ein 16-jähriges Mädchen getötet worden ist, ist für das Ermittlerteam um Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) fast schon eine Zumutung. Schließlich haben die vier mit sich allein schon genug zu tun, und da stört ein Mord natürlich gewaltig. Und da dieser eigentlich anrührende, allerdings wenig spannende Fall hier auch noch ziemlich beiläufig erzählt wird, hat man sogar das Gefühl, dass sich selbst Regisseur Andreas Herzog kaum für diese Geschichte interessiert hat.

Eindeutig im Mittelpunkt des dritten Dortmunder „Tatorts – Eine andere Welt“ steht also stattdessen mal wieder eine polizeiliche Nabelschau, die sich in einer so düster kaputten Atmosphäre abspielt, dass dagegen ein drohender Weltuntergang ein heiteres Kinderspiel ist: So sind die beiden jüngsten in dem Ermittler-Quartett, Nora (Aylin Tezel) und Daniel (Stefan Konarske), zwar glücklich verliebt, aber mit ihrer Familie hat die türkisch-stämmige junge Frau Probleme und möchte ihren Freund am liebsten nicht mit dieser für ihn „anderen Welt“ konfrontieren. Derweil schlägt sich ihre ältere und zum Erbarmen einsam wirkende Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) mit flüchtigen Männerbekanntschaften herum, ihrem Callboy hat sie offenbar inzwischen den Laufpass gegeben. Und am schlimmsten erwischt hat es natürlich Faber, der nicht nur mit seinem exaltierten Verhalten Bönisch das Leben schwer macht, sondern selbst so fürchterlich leidet, dass er eigentlich sofort in psychiatrische Behandlung gehört. Oder es zumindest mal mit Yoga versuchen sollte. Das soll ja helfen.

Was Faber genau belastet, das verstehen allerdings nur Zuschauer, die die ersten beiden Dortmunder-„Tatorte“ aufmerksam gesehen haben. Die letzte Folge ist jedoch bereits im vergangenen November ausgestrahlt wurden. Und dieser große zeitliche Abstand macht es eigentlich unmöglich, eine fortlaufende Geschichte zu erzählen. Dennoch versucht es das Team um Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Herzog. Doch selbst an Bönisch’ Callboy-Affäre werden sich wohl nur noch die wenigsten erinnern, und Fabers Fall, bei dem es irgendwie (!) um den mysteriösen Unfalltod seine Familie geht, ist ja offenbar noch wesentlich komplizierter. Dabei kommt noch ein technischer Mangel hinzu: Im Vergleich zur lauten, allerdings guten Filmmusik sprechen die Figuren oft so leise, dass sie kaum zu verstehen sind. Und der Zuschauer einen tauben Finger bekommt, durch das ständige Bedienen der Lautsprechertaste auf seiner Fernbedienung.

Doch zumindest bei dem geschilderten Mordfall muss man nicht jeden Dialog verstehen, so simpel und so oft erzählt ist im Grunde die Geschichte: Ein junges Mädchen aus einem ziemlich desaströsen Hochhausgetto möchte unbedingt heraus aus diesen finsteren Verhältnissen. Mit Hilfe ihrer wohlhabenden Freundin schafft sie endlich den Zugang zu dem angesagtesten Klub der Stadt, gerät dabei in eine Clique reicher Schnösel, legt sich natürlich gleich ein neues schickes Facebook-Profil zu und verlässt ihren alten Freund, den großspurigen Kleindealer Tarek (Hassan Akkouch). Doch dann, eines Nachts, treffen ihre alte schlimme und ihre neue schöne Welt für sie tödlich aufeinander.

Und unser Faber muss ermitteln. Dass macht er wie in den beiden Filmen zuvor so überdreht, vor allem wenn er vermeintliche Tatszenen unter vollstem Körpereinsatz nachspielt, dass nicht nur seine Kollegen genervt sind. Sondern man sich als Zuschauer wünscht, dass in den kommenden Folgen die Marotten des Kommissars etwas sparsam eingesetzt werden. Schließlich ist Jörg Hartmann („Weissensee“) so ein guter Schauspieler, dass er das vermeintlich dramatische Zertrümmern von Männerklos eigentlich nicht nötig hat.

ARD, 17.11.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 17.11.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 17.11.2013, 23:45 Uhr
ARD, 19.11.2013, 00:50 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , , , ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: